Schizophrenes Schubladendenken

von Alf Glocker
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Was ist gut? Was ist Böse? Was ist was, und warum ist was nicht, was es ist, sondern was es zu sein hat, damit Gut gut bleibt und Böse, alles andere, das dem Guten deshalb nicht entspricht, weil es explizite Unterscheidungen trifft! Wer hier bereits nicht mehr folgen kann oder möchte, der möge sich bereits im Vorhinein als alles bezeichnen, wonach ihm grade ist, nicht aber als das, worauf ich ihn aufmerksam machen möchte. Also! Sagen wir's doch einmal, stark verblümt, rund heraus – oder von mir aus auch eckig: „Es gibt überhaupt gar kein Gut oder Böse“. Außer natürlich es handelt sich um ein Gut, das ein Gutshof ist, oder den bösen Teufel. Den man aber höchstens im Leib oder in der Kirche hat, sonst aber nirgends. Und genauso wenig gibt es auch gar kein Dick oder Dünn, kein Dumm oder Klug, kein Schön oder Hässlich, weil eben dem een sin Uhl dem annern sin Nachtigall iss. Det is doch lojisch – oder? Nee, isset nich!

Bevor wir allerdings ins Detail gehen, fragen wir sicherheitshalber nach: „Was darf denn nun eigentlich grade festgestellt werden?“ Wir erinnern uns dabei an Zeiten, als die Erde sich nicht bewegt hat, und einer behauptete „und sie bewegt sich doch“, oder an das anhaltende Gelächter, kurz nachdem einer verkündet hatte, daß es eine natürliche Zuchtwahl der Arten gäbe. Wir müssen uns sozusagen sehr in Acht nehmen, da es heutzutage selbstverständlich ausdrücklich erlaubt ist alles zu sagen, außer dem natürlich, was die „guten Sitten“ verletzt und deshalb eben nicht gesagt werden darf. Es kommt somit darauf an, das Gute und das Böse zu relativieren und nicht, es ausfindig zu machen, wo es überall vorkommt!

Das ist nicht ganz einfach! Sobald ich nämlich jemanden verletze, der gerade ein Verbrechen, im Sinne von einer Menschenrechtsverletzung, begeht, dann muss ich mich vorher erkundigen, ob ihn, oder irgendwen, genau das beleidigt, weil er, oder irgendwer, von Geburt an nichts anderes gewöhnt ist. In diesem Fall wäre dann der Böse gut und ich böse, weil ich das Gute vertreten wollte. Das ist ungefähr so, als würde ich einem Leoparden verbieten, seine Beute zu töten, obwohl ich gar nicht beurteilen kann, nicht ob, sondern, daß dies ein Vorgang des Guten ist. Gut - Menschen sind keine Leoparden und ich kann die Situation eines Leoparden, der Hunger hat, wirklich nicht beurteilen, aber kann ich deshalb auch gleich nicht beurteilen, welchen Gelüsten ein Mensch folgt, wenn er welche hat? Offensichtlich! Sonst würde ich es ja nicht beurteilen wollen. Das ist nämlich unwichtig.

Wichtig ist, welche Sympathien diesem Menschen, und warum sie ihm entgegengebracht werden. Da kann nicht einfach einer hergehen und sagen: „Das ist unmenschlich, was der da macht!“ In solchen Fällen kommt es nicht darauf an, Gut oder Böse zu erkennen, sondern „richtig“, im Sinne von WASISTERWÜNSCHT, zu interpretieren! Das und NUR das ist die reine Form der Erkenntnis. Davon ausgehend kann ich auch nicht beurteilen, was schön ist und was nicht. Das konnten vielleicht die alten Griechen, oder Michelangelo oder Leonardo – aber die durften das ja auch! Damals war zwar verboten, daß sich die Erde dreht, nicht aber der Goldene Schnitt, oder schöne Glieder. Denn schöne Glieder sind ebenso wenig schöne Glieder wie Gut gut und Böse böse ist, sondern es darauf an, warum man das sagt! Zu sagen was man denkt, ist hässlich und nicht schön! Und vor allem ist es hässlich, man hätte eine Vorstellung von Gut und Böse, die nicht mit den Vorgaben übereinstimmt. Und genau deshalb ist es auch dumm klug zu sein!

*

Was wir nicht so gemeint haben

Du kommst in meine Lade – Schub!
Ich bin die Laus und du der Bub!
Dich hab ich eingestuft als – was?
Wenn ich dran denke werd' ich blaß!

Du bist ein Himmelherrgottskarament,
ein Etwas, das man niemals nennt!
Ich schweige ewig, schau dir zu -
Denn du bist grad ein Mords-Tabu!

Du bist nicht dies und auch nicht so,
wie du wohl wärst, wenn anderswo,
du freveltest, zu deinem Spaß -
ich seh dich jetzt als Irgendwas ...

Du bist - wie du auch immer seist!
Ich mach mir vor, es wär' zu dreist,
zu sagen wie genau du wirklich bist -
denn sonst, sonst bin ich aufgespießt!

Du nimmst mir übel wenn ich grüble,
sobald ich dir manche Tat verüble,
die mir nicht ganz geheuer scheint -
entschuldige, ich hab's nicht so gemeint.

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Kommentare

27. Sep 2016

Schwierig, den richtigen Weg zu finden. Was ist erwünscht? Bedeutet es 'Gesundes Volksempfinden? Schwarmverhalten? Bauchgefühl'? Vielleicht die Chance im Kopf - Spiegelneuronen, die Empathie hervorrufen? Falls sie ausgebildet und nicht von vornherein degeneriert werden. Dein anregender Text führt mich zu der Einsicht: Ich weiß, dass ich nichts weiß.
Noch einen sonnigen Herbsttag wünscht Monika

27. Sep 2016

Harharr - vielen Dank liebe Monika. Ja, es ist schon vieles sehr schwierig (geworden)

LG, Alf

27. Sep 2016

Ein Text, der alle Laden sprengt!
(Ein Schuft, der da an Läden denkt ...)

LG Axel

27. Sep 2016

so sei es und so ist es auch -
wers nicht kapiert steht auf dem Schlauch :-)))

LG Alf

29. Sep 2016

Noch was zum Thema "schwierig zu unterscheiden": Machen wirs uns mal ganz leicht!
Was ist Kindesmissbrauch?? Gut oder böse? Tja, das ist klar!
Was ist Misshandlung des anderen Geschlechts?? Auch klar?
Nun, da gibt es noch sehr sehr viel...