Codename Sandmann / Teil 3

von Frank Tegenthoff
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Tick. Tack. Tick. Tack. So vergeht die Zeit kurz vorm Feierabend. Bevor alle Maschinen gestoppt werden oder herunterfahren. Aber so eilig hat es Luigi damit nicht. Kurzfristig soll das Pensum noch 'mal gesteigert werden,damit niemand von der Oberen Etage Verdacht schöpft,dass die Produktion mehr oder weniger auch innerhalb der Frühschicht bewerkstelligt werden kann. Es soll ja nach kaum zu bewältigender Arbeit aussehen. Dafür hatte Luigi gesorgt! Ihm drückten die Schuhe auf's neue Hühnerauge. So watschelte er mehr als er gehen konnte. Innerlich fluchte er auf seinen Chef. Aber: Luigi könne verzeihen. Seine sizilianische Seele tue nur weh,wenn er sieht,wie hier Stunden umsonst runterlaufen. Immer mit einem Tick,Tack als einzigste Unterbrechung. Gerade wird der letzte große Sandsteinblock zu weiteren kleinen Pflastersteinen zerkleinert;dann kontrolliert und entsprechend sortiert. Heintje,ein Leiharbeiter aus Friesland,gießt vorsichtig flüssigen Sandstein in eine großflächige Form. Dann:Einen winzigen Moment später heult die Feierabendsirene auf! Alle taten dann schnell so,als fiele es ihnen sehr schwer mit der Produktion aufzuhören.Herr Sand sähe es gern,wenn seine Mitarbeiter ungern in den Feierabend gingen.
Luigi prustete kurz auf. Seine .Mattilda hat eine Überraschung angekündigt. Was könne das wohl sein. Ein Kleid,für ihn eine Krawatte oder eine Werkzeugtasche? Meistens wurden es die Klassiker:Eine Handtasche,worin all die kleinen Dinge verschwinden,die Mattilde für Unterwegs so braucht oder die neuesten Schuhe. Im letzten Moment schreckt er aus seinen Gedanken. Frau Wacker kam mit den neuen Kollegen um die Ecke auf ihn zu. Das wirkte auf ihn sehr professionell. Frau Wacker zeigte dem Neuen die ,,Produktionsstraße" und flanierte mit ihm hindurch bis sie außer Atem vor Luigi stehen blieb.Irgendwie hatte er sie darum beneidet,wie sie mit Leichtigkeit als verlängerter Arm des Chefs fungierte. So ähnlich müsse er im ,,Burnout" auftreten. Die Muse hatte ihn schon früh geküsst. Er hatte sein Keyboard - seine erste Leidenschaft. Mattilda ist seine zweite Leidenschaft,weil sie später in sein Leben kam. Das gesteht er sich nur insgeheim;das würde Mattilde nicht verstehen oder es würde sie kränken. Das kann und macht kein Luigi. Basta!
Endlich kann er in seine Treter schlüpfen. Was für ein Glücksmoment für seine Füße. Schon vor ein paar Tagen hatte er eine geniale Idee. Sizilianer seien ja auch genial. Und Luigi geizte auch nicht mit Ideen. Mit seiner Mattilda hatte er zwar alles,aber nicht genug Geld!
Deshalb umtrieben ihn viele Nächte im ,,Burnout" bis ,,ein Lichtlein kam" und sofort Gestalt angenommen hatte. Er wolle für seinen Lottoschein die Schuhgrößen der gebrauchten Sicherheitsschuhe als Zahlen benutzen. Sonst gäbe es noch Lieblingszahlen oder Geburts-,Einschulungs- und Hochzeitsdatum. Vielleicht sogar Unglückszahlen und Wahrscheinlichkeitsberechnungen.
Er sieht sich schon als Lottokönig und Dompteur -in weißem Frack,in einer Gala voller frivoler Farben. Aber er steht bereits vor der Stechuhr,um seine Karte abzustempeln.

Maria,Susi,Rolli,Heintje und der Neue stehen bereits draußen auf der Rampe. Alle wollen noch für einen Absacker ins ,,Burnout". Dort jobt die Susi nebenbei. Für die Truppe ist es fast ein zweites Zuhause. Mattilda kenne das auch nicht anders. Sie hat ihren Hausfrauenklub.
Diesmal wollte er den Neuen näher kennenlernen. Er muss sich auf jeden in der Schicht verlassen können. Sofort hatte Johann Ferner einen ,,Stein im Brett" bei ihm. So oder so ähnlich gehe doch ein Spruch. Aber Luigi säuselte nur noch auf italienisch. Er sah nicht mehr,wie ein Taxi herbeirauschte und Ferner ihn auf den Rücksitz schob und den Fahrer einen Zehner in die Hand drückte.

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