Lichter und Schatten

von Frank Tegenthoff
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Ich träumte wohl...- einen Traum,zu einer Zeit,wo Träume an sich nichts bedeuteten oder verdrängt wurden. Sie waren geächtet wie schwarze oder weiße Magie. Daher wurden sie verteufelt und unter Strafe gestellt.Nur noch den Alten war es erlaubt.
So kam es,dass es weder Schuldiges noch Unschuldiges gab. Träume gehörten ins Reich der Märchen.
Ich selbst hatte das vergessen - vergaß die Zeit! Ich spürte die Stunden windschnell vorüberziehen. Reiste in die Urzeit zurück.
Grenzen hoben sich auf,denn sie grenzten sich im Traum selbst aus. Ich sah mich plötzlich unter einem Kreuz stehen! Ich wollte und konnte nicht empor schauen. Nicht in seine matten Augen schauen. Es kam so gewaltig nah an mich heran. So wachte ich auf...
Eine Woge der Verzweiflung und Wehmut drohte mich zu packen. Äonen weit entfernt gebar sein Zenit seinen eigenen Schatten. Hatte ich das wirklich geträumt? Schmerzreich war es doch und atmete mit schwerer Brust. Hatte ich doch spürbar mit einem Brüllen in der Brust gekämpft. Wenn ich jetzt tot wäre,könnte ich meinen Traum zu Ende träumen? So aber bin ich wach. Das Leben strömt durch mein Herz mit jedem Atemzug. Lichter und Schatten sind getrennt,wie Tag und Nacht nicht zusammen regieren können. Im Traum ist alles ein Ganzes- ist ein gemeinsames Universum. Ich hatte es nicht erträumt. Ich bin aufgewacht. Ein neuer Tag hat begonnen...

Überarbeitete Version. Erstveröffentlichung in der Literaturzeitschrift:Feuerprobe Nr.4/1993

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