Fabrikokuluss - Letzter Teil

von Frank Tegenthoff
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Auf der Insel der Harlekine wehte ein leichter Südwind. Die Vielfalt auf dem Eiland war bekannt - ihre Früchte und Gewächse wurden begehrt. Und die Bewohner waren bekannt für lockere Spiele und ihrem Durst nach Rum. Auch ihr Tanz entfesselte alle Sinne. So konnte auch Käpt'n Ahabetta nicht widerstehen. Mit dem Rum im Blut stampften die Harlekine noch fester und bestimmten den Takt. Dabei forderten sie Ahabetta immer mehr heraus. Seine Mimik,begann im Licht der Fackeln zu fiebern. Derweil bemalten sie sein abgehärtetes Gesicht. Es diente einzigst zur Unterhaltung. So verpassten sie ihm zwei Krähenfüße unter beiden Augen. An den Wangen entlang, zierte ein vierfarbiger Blitz sein restliches Antlitz. Schließlich begann erneut ein Tanzreigen. Diesmal wechselten die Schritte ihre Richtung. Sie steigerten sich im Tempo. Der Tanz endete abrupt mit einem Trommelwirbel. Robbo und Lilly schauten sich das Spektakel,etwas abseits vom Lagerfeuer,an. Der Käpt'n fühlte sich in seinem Element - beseelt oder auch besessen vom Rum.

Anonymus kontrollierte weitere Seiten. Auch dort hatte sich etwas verändert. Die Begegnung mit dem weißen Wal endete nicht in einem Sturm - obwohl dieses Detail aus seiner Feder stammte. Der Sturm hatte schnell an Kraft verloren. So tauchte der Wal wieder am Heck des Segelschiffs auf. Ahabetta ließ schnell beidrehen. Die Winde standen jetzt besser.

Allmählich,je nördlicher sie segelten,wurde es kälter. Anderntags hatte sie der Frost kalt erwischt! Von da an ging die Fahrt nur langsam voran. Aber diesmal hatten sie die Passage zum Eismeer vor Augen. Der Wal war wirklich der Schlüssel. Nebel begrüßte das Schiff. ,, Was für eine Suppe!",schimpfte der Steuermann. Der Nebel verschleierte allmählich alles vor ihren Augen. ,,Wie soll es weitergehen. Durch diesen Nebel kann ich das Schiff nicht navigieren." Ratlos hingen seine Schultern herab. Und sein Käpt'n stand wie ein Zinnsoldat auf der Brücke.Er wartete und horchte hinaus.
Der Nebel verlor nur langsam an Gestalt. Einen leichten Luftzug meinte er dann zu spüren. Wie von Geisterhand zerteilte sich die Nebelwand und verschwand. Was der Nebel zu verbergen suchte, offenbarten die ersten Zipfel von Eisbergen. Käpt'n Ahabetta wusste von der neuen Gefahr - unter der Wasseroberfläche. ,, Wir müssen Abstand halten. Nicht zu dicht anfahren. Es schlitzt sonst unser Schiff auf!"
Der Steuermann riss das Ruder herum. Hinter dem letzten von drei Eisbergen öffnete sich das Eismeer. Lilly hatte eifrig in der Kombüse zu tun. Der Käpt'n erwartete Besuch! Endlich würde sie das seltsame Volk der Assozianer kennenlernen. Und vielleicht die Erwachsenen sehen,die aus ihrem Land ja entschwunden waren. Robbo hatte ihr von ihnen erzählt. Und sie begann,ihn zu vermissen. Seit dem Zwischenstopp auf der Insel,war auch er nicht mehr da. Sie hatten danach keine Zeit mehr,nach ihm zu suchen. So versuchte sie sich mit Küchenarbeit abzulenken. Sie hoffte insgeheim auf ein Wiedersehen!
,,Sie wird ihn wiedersehen!" Anonymus konnte plötzlich alles deutlich sehen;wie sich Wort für Wort alles veränderte. Alles in seinem ursprünglichen Zeitzyklus versetzte oder ganz neu gestaltete.
Fabrikokuluss verlor seinen Schrecken. Die Stadt schwärzte nicht mehr den ganzen Himmel ein. Fabrikokuluss verkleinerte sich. Naturfarben gewannen jede verlorene Parzelle zurück. Das Land unter den zwei Kirschmonden erblühte!
Noch war Lilly weit von ihrer Heimat entfernt. Hier im Eismeer war ihr alles fremd. Hier blieb der Winter. Keine Uhr tickte am Himmel, oder fuhren Luftballons zu fernen Orten. Keine Rauchenden Zigarren,die als Züge über die Gleise aus Zuckerguss gleiten oder Kröten,die sie zugeritten hat. Keine Fantasie war ihr fremd - nur dieses Eismeer. Vorbei war das Gefühl von Zeit. Die Weltenwandler kannten keine Zeit und keine Eile,was Lilly in ihrer Vorstellung nicht verstehen konnte. Würde sie es denn gerne...verstehen? Fuhr sie noch auf einem Segelschiff. Konnte sie nicht auch auf ihrem Wasserbett sein,wo es plätschert und nach Kirschblüten duftet. Konnte sie das denn nicht durch ihre Fantasie ermöglichen.
Was auch Anonymus nicht bewerkstelligen konnte. Er hätte es gern möglich gemacht. Aber was wird aus Robbo Zett?
Noch war er auf der anderen Seite des Spiegels. Mister Speed wollte ihn bei sich haben. In seiner Welt aus dunkler Materie. Aber Speed merkte es bereits. Und Robbo fragte sich unentwegt,was das Hier bedeutet und was es eigentlich ist. Kann es einen Ort wie hier denn überhaupt geben?
,,Hör auf damit und beantworte mir lieber Fragen!",zischte es durch ihm durch. Sein ganzes Sein fühlte es in ihm wühlen. Speed kostete dies aus. Er labte sich daran - saugte alles aus den Gedanken,die Robbo gedacht hatte. Aber Speed mochte keinen Widerstand. Es verdarb seinen Appetit. So spuckte er die Gedanken wieder aus. Das Halbkind hatte ungewöhnliche Ausdauer. Er hielt seiner Telepathie stand. Robbo konnte ihm auch nichts sagen. Speed hätte es wissen müssen. Aber inzwischen haben die Weltenwandler die ganze Matrix neu formatiert und somit auch Speeds Vorhaben vereitelt. So brauchte Robbo, ihm nichts zu verraten. Und Speed wusste nichts mehr.Der Zyklus bewegte sich von ihm fort - vom Horizont der Ereignisse. Jetzt steckte Anonymus in seinem Kopf. Speed erwachte in seiner Welt als sein Avatar. Und das alles geschah,während er das Halbkind auf dieser Seite des Spiegels festhielt. Diesmal änderte sich alles in seiner Welt. Das Halbkind hatte ihn ausgetrickst. Er hat sie alle unterschätzt! Und Anonymus kann seinen Schlusspunkt setzen.

Die Geschichte endet hier.Und Anonymus kann weitere Geschichten aus dem Land unter den zwei Kirschmonden erzählen.

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