Die Beschränktheit der Gutgläubigen

von Alf Glocker
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Gutgläubigkeit stützt sich nicht selten auf Unwissen! Doch das nötige Wissen in Erfahrung zu bringen, ist unnötig … für alle, die einfach glücklich sein wollen. Erleben kann man das, wenn man aufpasst, an jeder Ecke. Partys z. B. sind Höllen des Glücks! Small Talk und Angebereien wiegen die Teilnehmer in eine trügerische Sicherheit, aus der es oft kein Entrinnen gibt.

Das habe ich häufig ausprobiert, weil ich mir Sorgen gemacht habe, denn ich bin mir sicher, daß nur vom Wohlstand verwöhnte Dekadenzler gerne nichts besprechen, nichts, außer dem Glück am Leben zu sein, um essen, trinken, vögeln, reisen und blahblahblah zu können – alles andere ist ihnen furzegal … was heißen will: nicht vorhanden. Aber dem ist leider gar nicht so.

Es gibt Menschen, die sind noch viel dümmer als dekadente Gutgläubige, aber auf deren Partys, die den Namen nicht einmal verdienen, spricht man Tacheles, über die Themen, die der Welt auf den Nägeln brennen, über die Ermordeten und warum sie ermordet wurden, über instabile Weltregionen und darüber, was man daraus für Vorteile für sich schlagen könnte.

Die Dümmsten wissen mittlerweile ganz genau, daß die Gutgläubigen gar keine Lust haben, die Wahrheit in Erfahrung zu bringen. Ihre Kinder – sofern sie überhaupt welche haben – sind ihnen keinerlei Anstrengungen wert. Sie überlassen sie gerne gewissenlosen Politstrategen und perversen Machthabern … sollen die doch sehen, wie sie mit der Erziehung klarkommen!

Deshalb ist die Unwissenheit das höchste Gut für seelisch instabile Versager, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, dieses, ihr Leben, noch möglichst konfliktfrei absolvieren zu können. Nach ihnen dann endlich die Sintflut! Alles wird sowieso immer gut – man muss nur lange genug darauf warten können. Mehr interessiert einen berufsgestressten Durchschnittsmenschen doch nicht.

Und natürlich ist das ganz auch im Sinne der obersten Staatsmachtmissbrauchern: Wer genug zu tun und gerade noch ausreichend Mittel hat, sich am Feierabend zu zerstreuen, der kritisiert nicht, der lässt sich nicht einmal durch massive Wahlfälschungen aus der Ruhe bringen, die ja bekanntlich des Bürgers erste Pflicht ist! Alles andere wird sowieso bestraft. Das sind gute Gründe, nicht wissen zu wollen!

Aber der Gutgläubige ist halt auch noch nie der Ursprung des Fortschritts gewesen. Gebraucht hat man sie, die Gutgläubigen, freilich zu allen Zeiten: Sie haben die Scheiterhaufen entzündet, Fabriken betrieben, Soldatenheere gestellt – sie stellen die Hauptmacht der Gefallenen an allen Fronten der Kriege und des Glaubens. Auf ihre Lebenserwartung kommt es nicht an!

Sie exsitieren unter allen Umständen, ohne zu hinterfragen, was real möglich wäre, wenn die paar Wenigen, die auf der Erde guten Willens sind, frei genug wären, verantwortliche Entscheidungen für alle zu treffen. Sie sind diejenigen, die entweder aggressiv werden, wenn einer Probleme beim Namen nennt, oder einfach gähnen und sagen: „Oje, ist daas wieder schwierig, da kann ich doch jetzt nicht mehr folgen.

Verbrecher allerdings sind sie nicht – sie werden manchmal später dazu gemacht, wenn die Lügen entlarvt und die Irrtümer erkannt worden sind … aber auch nicht immer. Sie fahren gut, indem sie sich mit den geistig Minderbemittelten auf eine Stufe stellen und Schwachsinnige imitieren, die sie eigentlich gar nicht sind. Sie sind nur stinkdenkfaul und sie haben sich in der Realität verlaufen.

Immer folgten sie dem Geruch der Triebe in die Glückseligkeit tiefster Bewusstseinsarmut, auf ein Terrain, das ein Mensch, der zwar 10 Kinder, aber dafür nichts zu essen hat, niemals betreten kann, weil er sich nicht erlauben darf, eine Chance auszulassen, die sich ihm bietet. Deshalb kommen auch alle in das Land der Gutgläubigen, denn inzwischen weiß jeder, wie beschränkt sie sich geben!

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Kommentare

28. Mai 2018

Wer nicht dran glaubt, der muss dran glauben!
(Das gilt sogar für Friedenstauben ...)

LG Axel

28. Mai 2018

Lieber die Friedenstaube auf'm Teller,
als ein Spatz als Zechpreller...

LG Alf

28. Mai 2018

Alf, das ist ein guter Essay, der mich an etwas erinnert hat: Wenn meine Mutter, die berufstätig war und meistens viel um die Ohren hatte, mich z.B. gefragt hat, weshalb ich schon wieder so einsilbig sei und den Mund nicht aufbekommen würde, und ich dann notgedrungen antwortete: "Ich denke gerade über etwas Wichtiges nach", sagte sie meistens: "Denken is n Dreck, wissen musst es!" Sie vergaß dabei wohl, dass Denken die Voraussetzung ist, Dinge in Erfahrung zu bringen, deren man auf anderem Wege nicht beikommen konnte. Aber wir mussten ja in grauer Vorzeit noch Wäsche auf dem Herd "kochen" und mittels Waschbrett waschen und Kohlen säckeweise mehrere Treppen hochschleppen - und wenn dann jemand gekommen wäre und hätte über "Kinderarbeit", die verboten sei, geschwätzt, hätte sogar ich darüber gelacht. Allerdings bin ich froh, dass ich zur Schule gehen durfte; das Recht auf Bildung ist zur Zeit 264 Millionen Kindern zwischen 6 und 17 Jahren noch vorenthalten. Schule fördert ja den Denkprozess ungemein, in welcher Hinsicht auch immer, aber sobald Karrierre und/oder Geld in Sicht sind, verlernen die meisten Menschen das Denken. Leider.

LG Annelie