Bus

von Julian April
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Schon wieder die Straße. Schon wieder das endlos lange Band grauen Asphalts, auf dem ich wie schon so oft durch die nächtliche Dunkelheit gleite. Auf einer Reise ins Gewisse. Dieselben alle 4 Sekunden aufblinkenden Lichter, am Straßenrand, dieselben Schemen in der Ferne die den Wald andeuten, den ich nie betreten werde und dieselben Schatten der Hügel, die nie von mir erklommen sein werden. Meine Reise zurück in die Gegenwart. Ich kehre wieder dorthin zurück, wo mein Alltag stattfindet. Tag für Tag. Nacht für Nacht.

Der Weg ist nicht das Ziel. Aber das Ziel ist den Weg nicht wert. Das Summen, das mich nur erreicht wenn ich weiß, dass es an mein Ohr dringt setzt sich auch dann fort, wenn die Räder wieder still stehen und das Dunkel neuen Lichtern weicht, die ebenfalls still in der Nacht stehen. Es verfolgt mich nur, wenn das Leben mich dazu zwingt, darauf zu achten. Aber wie oft passiert das? Öfter als früher?

Die Uhr an der Decke tickt zwar nicht, aber sie schlägt. Sie zeigt mir keine Sekunden an, sondern nur Zentimeter und Meter um die ich verschoben werde, gegen meinen Willen, aber für mein Gewissen. Wenn ich die Augen schließe, bin ich wieder am Startpunkt dieser allmonatlichen fünfstündigen Unterbrechung meiner Wochenenden. Zeit, die quälend langsam, jedoch ungenutzt verstreicht und dann doch wieder mit einem Wimpernschlag vergangen ist. Nur um weiteren Unterbrechungen Platz zu machen.

Ich reise alleine. Aber ich reise nicht ohne Gesellschaft. Die Person neben mir kenne ich nicht. Ich habe sie noch nie gesehen, sie hat mich noch nie gesehen und wir werden uns auch nie wieder sehen. Ich kenne ihre Stimme nicht, nur ihr gelegentliches Husten und ihren gleichmäßigen Atem, während sie durch ihr Spiegelbild und durch die Glasscheibe hindurch in die Dunkelheit starrt. Während sie ebenfalls die Lichter erlebt. Und die Schemen. Und die Schatten. Wird sie diese Berge besteigen? Auf dieser Reise sind wir miteinander verbunden. Heute sind wir vereint, im Geiste aber auch auf diesem engen dunklen Raum. Wir gleiten gemeinsam durch die nächtliche Dunkelheit. Auf unserer Reise zurück in die Gegenwart.

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