Die Engel

von Heinrich Heine
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Freilich, ein ungläub'ger Thomas,
Glaub ich an den Himmel nicht,
Den die Kirchenlehre Romas
Und Jerusalems verspricht.

Doch die Existenz der Engel,
Die bezweifelte ich nie;
Lichtgeschöpfe sonder Mängel,
Hier auf Erden wandeln sie.

Nur, genäd'ge Frau, die Flügel
Sprech ich jenen Wesen ab;
Engel gibt es ohne Flügel,
Wie ich selbst gesehen hab.

Lieblich mit den weißen Händen,
Lieblich mit dem schönen Blick
Schützen sie den Menschen, wenden
Von ihm ab das Mißgeschick.

Ihre Huld und ihre Gnaden
Trösten jeden, doch zumeist
Ihn, der doppelt qualbeladen,
Ihn, den man den Dichter heißt.

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Kommentare

13. Apr 2016

Der Text spricht meine Seele an. H. Heine gehört auch, mit dem Älterwerden, zu meinen Dichterfavoriten.
LG Monika

20. Mai 2016

Heines Engel

Engel gibt's tatsächlich
in unsrem Leben, hier,
sie sind nicht immer prächtig,
stehn sie vor deiner Tür.

Sie haben Bärte, sind jung, sind alt,
erscheinen in vielerlei Gestalt,

behüten deine Seele,
damit ihr nie was fehle ...

noé/2016

26. Apr 2017

Engel, die ohne Flügel schweben,
und alles Mögliche erleben,
wie können die dich denn umarmen
und schützend dich dabei umgarnen ?
Um dir dabei auch Trost zu spenden
die brauchen breite Unterhemden !