Codename Sandmann / Teil 4

von Frank Tegenthoff
Mitglied

Blitzdruckfrisch lächelte es wie eine Zahnpastareklame von der Bürowand,das makellos schien und den Raum illuminierte und fast für sich allein einrahmte.So wirkte es monströs und keimfrei.
Axel Faller, Chefredakteur und Herausgeber vom ,,BLITZ" thronte mittendrin auf seinem schwarzen Schreibstuhl. In der Hand hatte er die Druckerfahne und fuchtelte damit nach Luft,was ihn fuchste und seine Stirnfalte noch tiefer ins Gesicht grub. Da missfiel ihm das Foto vom Subunternehmer Thorsten Sand. Unter seinem Konterfei prangte nur ein Satz: Ist dieser Mann eine Sünde wert?
Sofort,ohne losbrüllen zu müssen,greift er sich den Telefonhörer und läßt sich unverzüglich mit seinem hauptamtlichen Redakteur verbinden:,,Hören Sie mal gut zu!"und der Mann am anderen Ende weiß wie man einem Choleriker antwortet,nämlich überhaupt nicht.
,,Lassen sie sich als Aufmacher etwas neues einfallen. Der Sand ist noch nicht dran. Unser Sandmann ermittelt noch vor Ort. Vergessen sie nicht,wofür unsere Zeitung steht!" Objektiv,sachlich,kritisch,blitzschnell,blitzsauber. Zyniker behaupten beim Stammtisch:Der BLITZ sei in Wirklichkeit blitzgeheim gemein!
Deswegen greift Faller auch penetrant zu Verleumdungsklagen. Doch genauso viele Widerrufe muss er aufsetzen lassen.
Das Zeitungsgeschäft ist oft rau und appeliert an die Meinungsfreiheit. Aber Meinungen werden im BLITZ gemacht. Offensichtlich gut genug. Und Faller hält viel davon. Er manipuliert nicht gern. Im Falle des Subunternehmers ist er ein Pitbull. Er beißt sich an ihm fest.
Ja,das Zeitungsgeschäft ist sein Metier. Es bildet Mehrheiten. Und dieser Sand verbirgt etwas. Da brauche er kein Prophet zu sein,denn die Dynamik in diesem Fall käme von allein ins Rollen. Die Causa Sand ist noch nicht durchsichtig genug. Erste Untersuchungen ergaben noch nichts konkretes. Faller hatte sich als Aufmacher etwas Enthüllendes gedacht. So wie vor ein paar Wochen mit dieser Wäscherei ,,Blütenweiß",wo nicht nur Wäschestücke gewaschen wurden. Oder die Fußballer,die noch vor 3 Monaten die Meisterschaft holten und jetzt wegen Doping am Pranger stehen. Den Fans ging das natürlich gegen den Strich. Faller ließ seine Paparrazis ausschwärmen.Als Aufhänger zeigte der BLITZ randalierende Hooligans. ,,Ihr macht unseren Fußball kaputt." skandierten alle Zeitungen und die Fotos suggerierten einen Eklat. Der Verein muss jetzt zwangsweise absteigen. Und solche Enthüllungen braucht der BLITZ,um in die Beletage der Medien aufzusteigen.
Plötzlich ist es in der Redaktion sehr ruhig. Kein ameisenhaftes Treiben und Geklöne. Bereits ist der Raum etwas abgedunkelt - so kann Faller noch einmal alles durch gehen. Er hält sich nicht lange mit Grübeln auf. Er wird sein Date mit Thorsten Sand haben. Und er hat Nora van Ween als perfekten Spitzel im Ärmel. Johann Ferner agiert mehr oder weniger in der zweiten Reihe. Er hat sich bislang nicht gemeldet. Ist etwa seine Legende aufgeflogen? Das Zeitungsgeschäft fühle sich eigentlich der Wahrheit verpflichtet. Aber mit der Wahrheit allein läßt sich kein Blatt verkaufen.
Schon übermorgen soll Nora van Ween die Fabrik inspizieren,um Sand nervös zu machen. Dann könne er es kaum abwarten,vor den Kameras zu stehen. Sand wird sein Sandgate haben. Einen Widerruf müsse Axel Faller bestimmt nicht schreiben. ,,Der raucht nicht nur Wasserpfeife. Da blubbert noch was anderes mit." Wann würde sich endlich der Sandmann bei ihm melden. Sein Rapport ist längst überfällig...

Interne Verweise

Mehr von Frank Tegenthoff online lesen

Kommentare

01. Apr 2017

Eine interessante Prosa.
Das Zeitungsgeschäft ist heute das A & O,
doch es macht uns nicht immer froh!
Nur wenn man auf dem Sofa sitzt
und wird von der Wasserpfeife erhitzt,
das sind Gefühle, die mich erheitern,
und meinen Horizont erweitern !

mfg
Alfred

01. Apr 2017

Ja,danke für deinen Kommentar! Die Idee mit der Wasserpfeife kam mir unterwegs. Teil 5 ist in Arbeit,denn jetzt mõchte ich die Story aus Sicht von Nora van Ween erzählen. Sie gehört zu den Frauen,die es allen zeigen will. Zwei Doktortitel sind keiner zuviel.