Als die Götter noch vierbeinige Ameisen waren – 23. Napoleon und die Französische Revolution

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Während sich in Europa und Nordamerika Unglaubliches tat, verharrten der Nahe- wie auch der Ferne Osten und Zentralafrika (wo die Menschen teilweise noch nicht einmal die Steinzeit erreicht hatten) in einer Art „Elektrischer Starre“ in der sich nichts weiter tat als der alltägliche Kampf um die Verfestigung bestehender Strukturen. Doch bevor Europa und Nordamerika in den ersten, vergleichsweise hochtechnisierten Kriegen versanken, opferte das geographisch winzige, geistig aber gewaltige Europa seine führenden Kräfte auf dem Altar eines Fortschritts, von dem es sich damals nicht träumen ließ, daß er einmal völlig fremden Kulturen und Mächten zugutekommen sollte. Es wurde „heilsbringend“ vom Zeitalter der Aufklärung erfasst!

Der verdutzte französische Adel landete auf der Guillotine, während Geister wie Voltaire, Rousseau, Kant und Goethe die Weltbühne betraten! Dann setzte sich ein Mann an die Spitze der Westlichen Welt, dessen eigenartiges Genie direkt durch den Schicksalsgenerator entdeckt und eingesetzt worden war: Napoleon Bonaparte! Dieser Mensch war zunächst voller euphorischem Idealismus, denn er wusste, daß seine Ideen – wie, unter anderem, die „Bürgerlichen Gesetze“, Bestand haben würden … auch wenn sie 200 Jahre später von einer Zivilisation ausgehebelt werden sollten, die sich für die größte hielt. Aber auch er selbst spielte großzügig mit Recht und Ordnung herum, wie ein naives Kind, das sich für mehr als erwachsen hielt!

Nachdem der alte Adel in Frankreich zunächst fast vollständig unschädlich gemacht worden war und sich die amtierenden Feudalmächte zu einem Rachekonsortium versammelt hatten, taumelte Europa, nach dem Dreißigjährigen Krieg, in einen erneuten großen Konflikt, der sich jedoch wiederum hauptsächlich auf dem Territorium des deutschen Volkes abspielen sollte. Hier fanden die meisten, aber auch die größten Schlachten statt. Der Auslöser hierfür waren genau 2 Faktoren gewesen: Die Eitelkeit eines Mannes, der sich für den größten Strategen aller Zeiten hielt (und es vermutlich auch war) und die Bemühungen der Bourgeoisie, den neuen Regeln zu entkommen, die eine Menschheit „eigentlich“ braucht, um ein menschenwürdiges Leben überhaupt zu ermöglichen.

Vom General einer Befreiungsarmee arbeitete sich der große Mann bis zum Kaiser empor, der er, nach dem Edikt des Schicksalsgenerators, zu werden hatte, denn er musste genug Macht um sich versammeln, daß er in Russland scheitern konnte, wo jemand auf ihn wartete, den er für einen Gentleman hielt, der aber in Wirklichkeit ein gewöhnlicher Praktiker war, dem kein Opfer zu groß erschien, um der Welt zu beweisen, daß allein die Logik und nicht der gute Wille die Voraussetzung für einen Sieg – auf welchem Gebiet auch immer – darstellt. Der Träumer Napoleon, dem eine Welt in Glanz und Gloria für ganz Europa vorschwebte, traute seinen Sinnen nicht, als er feststellen musste, daß Zar Alexander nicht nur sein eigenes Volk jeder Lebensgrundlage zu berauben imstande war, sondern auch Napoleons riesiges Heer! Der Sieger im Felde wurde zum Gejagten in der Not – und der europäische Adel durfte sich lüstern die Hände reiben. Ihr Einfluss stieg wie ein Phönix aus der Asche in den Himmel eingebildeter Selbstverherrlichung zurück, wo er sich anschickte, sich ein neues Nest zu errichten – hoch in den Zweigen des „Gottesgnadentums“!

Der Mensch von eigenen Gnaden, der sich vom kleinen Mann zum umjubelten, aber auch gehassten Despoten emporgearbeitet hatte, musste mit ansehen, wie sein Werk im Inferno des Rückzugs erlosch. Inzwischen war er dicklich und weltfremd geworden! Seine enorme Klugheit und seine einstige frühe geistige Reife erlagen dem verstiegenen Glauben an sich selbst und an seine Unbesiegbarkeit. Aber noch einmal versammelte er alle seine Kräfte bei Leipzig, wo er dann allerdings erstmals auch im Felde unterlag ... Wäre der Schicksalsgenerator zu Gefühlen fähig gewesen, dann hätte er wahrscheinlich gelächelt, denn das Werk Napoleons war getan, er hatte ausgedient und die Welt wurde – trotz den heftigen Protesten des Adels – die neuen Vorstellungen, deren Auslöser die Französische Revolution gewesen war, nicht mehr los.

Napoleon hatte seine Schuldigkeit zur Genüge getan – er konnte gehen. Er hatte in Nordafrika die letzten weißen Sklaven aus den Händen der Araber befreit, er hatte seine Wissenschaftler zu den Pyramiden gebracht, damit endlich die Hieroglyphen entschlüsselt werden konnten und er war der Vater einer Epoche gewesen, deren Früchte zur Ernte bereitstanden. Jetzt wartete nur noch ein Geschenk auf ihn: Die wunderschöne Insel Elba! Dort hätte er sich nun, in höchstmöglichem Wohlstand, vielleicht auch noch zum führenden Philosophen entwickeln können – doch darin sah der Schicksalsgenerator eine ernst zu nehmende Gefahr! Napoleon war immer noch der berühmteste Mann der Welt. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, sich Gehör zu verschaffen und womöglich wäre es ihm gelungen, auf nichtmilitärischer Ebene zu vollenden, was ihm auf dem Schlachtfeld nicht vergönnt gewesen war: Europa quasi unter seiner Fahne zu vereinen!

Der Schicksalsgenerator ging auf höchste Leistungsstufe und sandte seine Beeinflussungsstrahlen über Europa aus! Da gab es Leute, die sich mit dem Ausscheiden des französischen Kaisers aus der Weltpolitik immer noch nicht abfinden konnten – und dann gab es da ja auch noch den Kaiser selbst, der in seinem Paradies keine Seelenruhe fand! Sein schlechtes Gewissen trieb ihn zurück auf den Thron … wobei die Mehrzahl der Götter nun bereits anfingen zu trauern, denn auch sie hatten die intervallartig ausgeschickten Stoßwellen der Gedanken-Strahlen erkannt und gelesen. Sie beinhalteten die Botschaft: „Napoleon, komm zurück!“ Und Bonaparte folgte ihrem Ruf …

Bei Waterloo in Belgien, unweit seines Kernlandes Frankreich, kam es zur endgültigen Entscheidung. Napoleon hatte seine Armee aufgeteilt. Die größere Abteilung führte er selbst, die kleinere, die als Verstärkung im kritischen Moment gedacht war, marschierte in einiger Entfernung, auf ihren Einsatzbefehl wartend, hinterher. General Grouchy führte sie an. Doch der Schicksalsgenerator ließ ihn nicht rechtzeitig eintreffen – vorher kamen die Preußen unter Blücher auf dem Schlachtfeld an! Und die Preußen machten keine Gefangenen … Ihnen ging es um alles … Napoleon auch, aber das zählte nicht mehr! Er musste sich in sein Schicksal ergeben und wurde – grausam – nach St. Helena verfrachtet, wo er jämmerlich vor sich hin vegetierte.

Dem Vordenker 1, VR-00-00-69, wurde das jetzt zu viel – er konnte das Drama nicht mehr mit ansehen. Natürlich hatte er sich längst mit dem Gedanken angefreundet, daß das hohe Ziel, Menschen von bestechender Kreativität zu entwickeln, auch große Opfer fordern würde, aber die Tristesse dieses so hilfreichen Werkzeugs göttlicher Interessen erbarmte ihn mehr als der Tod irgendeines der vielen, vielen Soldaten, die, dank ihrer Verblendung und der Treue ihrem Idol gegenüber, das Leben lassen mussten und deshalb beauftragte er ein paar raumfahrende Agenten, die nach Elba flogen und dort ihrem Auftrag nachkamen, eins der klügsten Gehirne der damaligen Zeit verstummen zu lassen. Sie vergifteten den Kaiser, ließen jedoch den verantwortlichen Arzt ein Attest ausstellen, das eine schlimme Krankheit als Ursache auswies. Dann schloss der Himmel wieder seine Pforten und die Götter konzertierten sich gespannt auf die weiteren Entscheidungen ihres Vollzugsinstruments „Schicksalsgenerator“.

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Kommentare

25. Dez 2020

Ein kleiner korsischer General betritt die Weltbühne. Gefeiert von den Franzosen, selbst von vielen Europäern,
die Brexit-Engländer einmal ausgenommen. Seine Umwelt macht ihn zum Gott. Ceaucescu (Rumänien) nannte
man einst das göttliche Licht der Karpaten. Die Welt applaudiert und heuchelt - wie immer. Aus dem Korsen
wird ein ganz SCHLIMMER ! Geschichte ist nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Lügen - sprich Fakenews !
Gern gelesen ! HG Olaf

25. Dez 2020

Angeblich wurde er von seiner Putzfrau angetrieben!
(Warum hat statt Geschichte er keine Gedichte geschrieben?)

LG Axel

25. Dez 2020

Ja, die Geschichte strotzt nur so von Fakenews!
Und
ja, im Gedichte schreiben wäre er womöglich noch besser gewesen...

LG Alf

25. Dez 2020

Ob dieses dein Werk dermaleinst im Geschichtsunterricht der Schulen landen wird?