Als die Götter noch vierbeinige Ameisen waren – 27. Das Gewissen des Universums

Bild von Alf Glocker
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Während auf der Erde die vielleicht kreativste Zeit der Menschheit losbrach, outete sich der Schicksalsgenerator im Götterbereich aufs Erstaunlichste. Er gab vor, die Absicht des Universums in die Tat umsetzen zu müssen: ein Sprachrohr der innersten Seele des Seins zu sein! Das passte wunderbar zum Jugendstil und den sogenannten „Goldenen 20er Jahren“, in denen Lebensfreude und demonstrativ praktizierter Unsinn fröhliche Urständ‘ feierten. Die ganze Welt tanzte Charleston, aber damals gehörte noch nicht sehr viel zur „Ganzen Welt“. Außer dem sich emanzipierenden Westen gab es quasi nur noch die 3. Welt.

Und der Westen übersah alles, was an Gefahren darin heraufdämmerte, denn die Technik boomte in vorher noch nie dagewesener Vielfalt, was unter den „aufgeklärten Bürgern“ einen völlig falschen Eindruck von Sinn und Inhalt eines Fortschritts erweckte, der seine Erzeuger überheblich und leichtsinnig werden ließ. Nach der furchtbaren Katastrophe des I. Weltkrieges dachte keiner mehr an das Osmanische Großreich zurück, dessen religiöse Bräuche höchstens noch Anlass gaben, sich an ihnen zu belustigen. Die Gräueltaten der Azteken wurden auf einmal glorifiziert, die Fruchtbarkeit afrikanischer Stämme verharmlost und die asiatischen Massenstürme auf Europa verdrängt.

Die aufstrebenden Zivilisationen sahen sich als Herren aller Lagen und als Meister einer Zukunft an, die niemals stattfinden wird! Man glaubte sich so sehr in wundervoller Sicherheit, daß man keine Bedenken hatte, sich in 2 gefährlich verschiedene Lager aufzuspalten, die den Keim teuflischer Ereignisse fatal in sich trugen, die weit über eine II. Weltkatastrophe hinausgehen werden. Aber vorläufig zelebrierte man Optimismus und Humor gegen alle Zeichen einer intuitiv, doch im Voraus schon empfundenen schweren Zeit, zum Trost der einfachen Geister. Und auch der Schicksalsgenerator spielte lustig mit, indem er – nomen est omen – großen Persönlichkeiten, die noch große Rollen spielen würden, komische Namen gab und sie mit komischen Örtlichkeiten in Verbindung brachte.

Da gab es zum Beispiel einen Herrn „Hitler“, der eigentlich „Schickelgruber“ hieß und in Braunau geboren wurde. Er sollte sehr bald die „Braune Flut“ auslösen, die Europa beinahe grundlegend verändert hätte. Sinnigerweise verkehrte dieser kuriose Herr mit dem ehemals kuriosen Namen im nicht weniger kuriosen „Café Größenwahn“ in München. So, als wüsste alle Welt bereits, woran dieser Mensch leiden sollte. Etwa zur gleichen Zeit besuchte eine gewisse „Hedi Lamarr“ (Eva Maria Kiesler) das „Café Einstein“ in Wien. Diese wunderschöne Frau sollte später eine gefeierte Hollywood-Schauspielerin werden (Vorbild übrigens auch für Walt Disneys Schneewittchen). Zu allererst war sie jedoch eine geniale Erfinderin, deren Ideen lange Zeit Anwendung finden sollten. Zuerst aber zeigte sie in „Ekstase“, was sie der Welt sonst noch zu bieten hatte. Sie konnte man getrost als Geschenk betrachten!

Die Wissenschaft, ausschließlich in Europa, Amerika und Australien (und Japan) beheimatet, strebte bisher nicht für möglich gehaltenen Höhepunkten entgegen, die ersten Ufos wurden gesichtet und in Science-Fiction-Romanen verarbeitet (wenn auch etwas abwegig – was die Götter zum Schmunzeln brachte) und die Freikörperkultur-Vereine brachten, mit ein bisschen wohliger Verworfenheit, die bürgerliche Doppelmoral ins Wanken. Würde jetzt die absolute
Freiheit des Individuums kurz bevorstehen? Alles sah danach aus! Die Kunst feierte sich in allen Facetten: Wundervoll geschwungene Verzierungen an den Fassaden der Häuser deuteten auf die Leichtigkeit eines Seins, das nichts Böses mehr erwarten ließ. Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir standen schon in den Startlöchern bereit, um die Philosophie zu revolutionieren. In Deutschland beschäftigte man sich früh mit dem Bau von Raketen aller Art … kurz: Die Welt drohte – nicht nur aus Erfahrung – klug zu werden.

So konnte es nicht weitergehen! Es war noch zu früh für ein Wesen, das geeignet war, den Göttern hilfreich unter die Arme zu greifen … denn ein paar fatale Erfahrungswerte fehlten noch im genetischen Code eines kleinen Teils der Menschheit, der eines nicht mehr fernen Tages – zumindest aus der Sicht der Götter – übrigbleiben sollte. Denn das erklärte Ziel der göttlich anmutenden Wesen aus den Tiefen des unendlichen Weltraums war es, ein völlig neues Universum zu erschaffen, in dem man endlich vor den Launen einer unberechenbaren Materie sicher sein konnte. Die Götter hatten alles so weit vorbereitet! Was fehlte, war „nur noch“ der globale Überblick fähiger Einzelindividuen, die, jedes für sich, so klug wie alle Götter zusammen sein sollten. Denn die Aufgabe, das Paradies zu erschaffen, war groß! Und der Schicksalsgenerator konnte hierfür nur als Modell, als Anschauungsmaterial dienen – als ein Gerät, das sich bereits vorhandener Materie bedient.

In nebulösen Schemen war ER jedoch schon skizziert: Ein Generator, der aus dem Nichts Welten erschafft, die bewohnbar sind … er müsste in etwa so funktionieren wie der, an Abstraktem nicht mehr zu überbietende, Zustand zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen dunkler und heller Materie, zwischen den Plus und Minus-Bereichen der gesamten Schöpfung. Es galt nichts weniger zu erreichen, als die Seele des Kosmos zu kopieren und dort wirksam werden zu lassen, wo noch niemals etwas gewesen ist, ja, wo niemals etwas sein kann, wo also genug imaginärer Raum für neue, göttliche Vorstellungen ist, in denen sich vielleicht endlich Ereignisse abspielen können, die man sich guten Gewissens auch wünschen kann! Eine Universalintelligenz musste her, deren Phantasie unbegrenzt sein würde, so grenzenlos wie das real-irreal existierende Universum selbst.

Doch am Rande der allgemeinen Euphorie, bei Menschenwesen und Göttern, wurden kritische Stimmen laut – wie Warnungen AN reine und VOR düsteren Seelen, die den Fortgang der Dinge wohl zunächst eben doch nur grausam gestalten würden. Ford, Einstein und Chaplin zeichneten ein Bild feinen Wohlstandes (Chaplin eher verhalten) in die Zeitspur hinein, Huxley und Orwell warnten jedoch schon sehr frühzeitig vor einem Missbrauch der Technik durch gewissenlose Machthaber, die sich um nichts weiter scherten als um sich selbst. In „Die schöne neue Welt“ konnte es vielleicht gerade noch angehen, was die Zukunft aus Zivilisationsmenschen machen würde, aber in „1984“ war deutlich zu erkennen was der Menschheit blüht, wenn sie ihre Rechte und ihre bisher kulturell errungenen Verfahrensweisen an die Primitivität von geistig minderbemittelten Verschwörern abgaben.

Im großen Halloo der Aufbruchsstimmung achtete leider keiner der vielen Naiven, deren Heimat bislang noch die sogenannte „Westliche Hemisphäre“ war, auf die scheinbar negativen der beiden großen Vertreter des tatsächlichen Positivismus, die eine Lösung kommender Probleme nicht in der Verdrängung sichtbarer Ursachen sahen, sondern in der Vorbeugung durch Aufklärung, einer Aufklärung, die allerdings Angst verursachte. Ihre Bücher wurden zwar Bestseller, aber leider kein bisschen ernst genommen. Jedenfalls nicht ernst genug, um sich mit der Dringlichkeit ihrer vorgebrachten Bedenken zu befassen. Und so kam es, daß die Erde einer weiteren Apokalypse entgegensteuerte, deren Zeichen, die sie weit vorauswarf, wie immer von der Mehrheit (den Naiven), verdrängt wurden.

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Kommentare

17. Feb 2021

Nicht nur Ex Präsident Trump hat gezeigt, dass Lüge Wahrheit und Wahrheit Lüge ist.
Mit einer Prise Kokain kriegen wir alles WEITERE hin !
Toller Text !
HG Olaf

17. Feb 2021

wenigstens das wollen wir hoffen...

LG Alf

Vielen Dank liebe Freunde!

20. Feb 2021

"Mehrheit der Naiven"...

Es gibt mehr Männer als Frauen auf der Welt...
und da schon Marie von Ebner- Eschenbach der Meinung war: „Es gibt mehr naive Männer als naive Frauen", sollte das allgemeine Frauenbild des naiven Dummchens revidiert werden - die Götter hätten vielleicht ihre Freude daran...

:-))