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Das zweite und dritte nicht an erste Stelle

Bild von Karl Hausruck
Bibliothek

Das zweite und dritte nicht an erste Stelle

Es ist nur wichtig, daß das, was an die zweite, dritte, vierte Stelle gehört, den zweiten, dritten, vierten Platz einnimmt in deinem Leben. Denn was nicht an den ersten Platz gehört, soll nicht den ersten Platz einnehmen. Es soll aber deshalb nicht gleich eliminiert werden, sondern den ihm zustehenden Platz haben.

Wenn das, was nicht an den ersten Platz gehört, den ihm zustehenden zweiten, dritten, vierten Platz einnimmt - Unglücklichsein ist Fehlbesetzung der Plätze - wenn das, was nicht an den ersten Platz gehört, den ihm zustehenden Platz einnimmt und das immer und konsequent, dann wird über kurz oder lang in deinem Herzen, deiner Seele, deinem Geist und Willen das Richtige den ersten Platz einnehmen. Es ist gut möglich, daß, wenn die Dinge den ihnen zustehenden zweiten, dritten, vierten Platz einnehmen, etwas an den ersten Platz rückt, das nicht mit Worten ausgedrückt werden kann - was nicht zu verwundern ist, denn es wurde seit je verschwiegen, es wurde nie gelehrt, sondern verborgen. Es ist dann aber auch nicht so, daß nichts den ersten Platz einnimmt, daß der erste Platz verwaist ist und es wird sich letzten Endes herausstellen, daß, wenn alle Menschen so verfahren, wenn sie alles ehrlich an den richtigen Platz in ihrem Herzen stellen, daß dieses Undefinierbare des ersten Platzes bei allen das gleiche ist, gleich unter keinerlei oder vielerlei Namen.

Einige erkennen dieses Ungenannte, Unnennbare besser, formulieren es genauer, einige weniger gut. Ja von einigen wird es bekämpft - aus immer den gleichen Gründen, unter welcher Maske auch immer. Die dieses Ungenannte, Unnennbare genauer, wahrheitsgemäßer, ehrlicher betreiben, als andere, denen fühle ich mich verbunden, ja verpflichtet. Ich fühle es am meisten in ... und erkenne von dort aus die Rangfolge des Weiteren in meinem Geist. In ihren Worten und Taten erkenne ich am stärksten den Inhalt des ersten Platzes innerhalb der menschlichen Seele.

Selbstverständlich ist jedem zuzugestehen, aus anderen Worten und Formulierungen den Inhalt des ersten Platzes seiner Seele zu erkennen und damit die Belegung seiner zweiten, dritten, vierten Plätze, als ich. Der Inhalt seines ersten Platzes kann ihm sogar aus gegensätzlichen Formulierungen erwachsen. Doch selbst wenn er den Inhalt seines ersten Seelenplatzes aus Formulierungen meiner politischen, ideologischen, menschlichen Gegner gewinnt, wird dieser Inhalt im Wesen kein anderer sein, als der meine.

Wer dem Faschismus anhängt mit seiner Volks- und Blutsgemeinschaft meint das gleiche, wie sein Gegner mit der Sozialisierung der Produktionsmittel, der Volkskommune und der sozialistischen Brüderlichkeit und das gleiche der autoritäre Katholik, denn ein autoritäres System ist ein letzter, verzweifelter Versuch für die Gleichheit aller Menschen. So wie der Katholik unter dem obersten Hirten die Menschheit vereint, wie sie sich unter der Schutzmantelmadonna zusammenfindet, so finden sich im Parlamentarismus alle zusammen, um sich regelmäßig über ihre Belange abzustimmen, jeder hat die gleiche Stimme, jeder einzelne in Meinungsfreiheit, ohne manipulierte Berichterstattung, verantwortungsbewußt dem Nächsten gegenüber und der ganzen Menschheit, alle sind frei, gleich, brüderlich. Es gibt keine Haifische mehr.

In jedem unter den Menschen erfolgreichen System ist das gleiche zu spüren - nirgendwo gibt es eine dezidierte Ideologie der Ausbeutung und Entwürdigung - in jedem unter den Menschen erfolgreichen System ist der Inhalt des ersten Platzes zu spüren, und es muß so sein, denn sonst hätte dieses System keine Anhänger. Der Mensch weiß, wessen er bedarf.

Der Einzelne muß die Systeme nicht danach beurteilen, ob sie den Inhalt des ersten Platzes in der Menschenseele mehr oder weniger propagieren, sondern danach, welche Strategie sie in der Welt der realen Dinge und Tatsachen für das Glück unserer Seelen verfolgen. Nicht die verschiedenen Manifestationen des ersten Inhalts der Menschenseele stehen gegeneinander - jeder Überbau ist edel - sondern die verschiedenen Wege dorthin liegen miteinander im Wettstreit.

Alle Systeme stellen das Richtige als höchstes Gut vor Augen, sie würden sonst auf Dauer keine Anhänger gewinnen, ihre Strategien aber unterscheiden sich darin, wie bis zur Erfüllung ihres edlen Zieles die gerade herrschende oder zur Herrschaft drängende Clique möglichst viel für sich herausschlagen kann. Nur darum geht es. Dabei wissen auch die ärgsten Ausbeuter und Sklaventreiber, daß einst ihre Stunde schlägt - sie sind zuweilen ganz überrascht, daß sie denn noch immer nicht schlägt - doch zunächst geht es ihnen nur darum, sich für dieses Mal weitere zehn oder zwanzig Jahre zu halten, ihren Nachfolgern wird schon etwas Neues einfallen. Auf diese Art erhalten sich die Systeme über Jahrtausende, denn wenn die Unterdrückten, Ausgebeuteten, Geknechteten, Entwürdigten und Gegängelten von heute gestorben sind, können bei den Nachkommen die alten Methoden wieder angewandt werden und so muß der Kampf immer wieder von vorne beginnen - Revolte der Jugend.

Da nicht die ersten Inhalte der Systeme, sondern ihre Strategien im Wettstreit liegen, kann der Kampf um die ersten Inhalte nur mit einem strategielosen Willen zum Sieg, nur mit einer sich dauernd erst aus dem Kampf entwickelten Strategie geführt werden. Der Kampf um die ersten Inhalte ist also kein Kampf eines einzelnen Systems und deshalb werden die Systeme nach und nach obsolet. Das steht aber im Widerspruch mit dem in den Systemen propagierten ersten Inhalt, der sich daraufhin aus ihnen verflüchtigt und ihre Adepten entgeistern sich.

Es muß also erst eine systemlose Zeit für den Endkampf um den ersten Platz in der Seele der Menschheit kommen. Und das kann eine Mutation genannt werden.

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