Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten

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96. Schritt

Wenn mal wieder alle Stricke reißen und keine Fäden mehr auffindbar sind, weder rote, noch sonst welche, dann denke ich oft an „Das Netz“.
Daß es existiert habe ich in ganz seltenen Fällen schon erlebt. Mitten im Wahnsinn der Zeitgeschichte, die sich ja bekanntlich jeden Augenblick weiter schreibt, trifft man sozusagen auf die „Nervenenden“ des Systems, die Synapsen des Großen Bewusstseins im Universum. Man hat dann allen Grund zum Staunen!

Unabhängig vom Vollzug der widerstreitenden Mächte von Nichtgut und Nichtböse finden sich Hinweise auf menschliche Regungen, die völlig unbetäubt agieren. Mitleid ist dabei zwar angesagt aber wirkungslos, denn niemand kann aus der Umklammerung der für ihn geltenden Realität befreit werden!

Zwischen allen Lügen, allen Taktiken und Täuschungen existieren die Phänomene der Vernunft – unabhängig von Herkunft und Aussehen, obwohl dies doch prägende Merkmale der Evolution sind. Niemand sollte sich täuschen lassen! Menschlichkeit ist kein Zeichen der sie umgebenden Armut, sondern ein Seelenziel! Auch wenn sich weder die Umgebung, noch der persönliche Werdegang dafür eignen / geeignet haben, es entwickeln zu können, existiert es doch fundamental. Wer seinem inneren Wirken zum Opfer fällt, der darf zwar hoffen, aber nicht darauf, daß es im Leben dominiert!

Ungeachtet dessen verbindet dieses Ziel seine Anhänger, seine Betreiber, seine Erfinder, seine Jünger auf geheimnisvolle Weise, hinter dem Rücken der Öffentlichkeit. Von dort aus übt es üble Nachrede, was brutale Idioten betrifft, arbeitet es geistig und / oder aufopfernd an der vordersten Front der Selbstvernichtung, oder es bereitet geistige Werkzeuge vor, die geeignet sind unreife Individuen vor gravierenden Fehlern zu bewahren

Der Antrieb dazu resultiert aus dem reinen, dem ehrlichen Empfinden, dem von Ritualen und Lehrmeinungen unabhängigen Denken, sowie der unerschrockenen Existenzangst, die ungetrübt empfunden werden muss!

Überall sind diese leitfadenwebenden Schmetterlinge zu finden – auf allen Erdteilen. Überall versuchen sie mit ihren Flügelschlägen Orkane der Befreiung von den Übeln zu erzeugen, doch meist wirbeln sie nur genug Staub auf um gefunden und gefressen zu werden, von den Spinnen, den Spinnern ihrer Epoche.

Was übrig bleibt sind diese magischen Verbindungslinien, die Strings zwischen den unbeeinflussten Seelen, denen die Borniertheit der Schöpfung nur äußerlich etwas anhaben kann. Ich spüre sie nachts, bevor ich einschlafe, oder auch tagsüber, wenn es mir wieder einmal gelungen ist, weit über die Stränge zu schlagen. Und wenn mir dann das Urteil der Menge droht, dann strecke ich meine Fühler aus und halte mich mit ihrer Hilfe an den unsichtbaren Fäden fest, an deren Ende ich Menschen wie mich vermute.

Wenn dann die Träume über mich hereinbrechen – real oder irreal, alp oder weniger alp, dann bin ich (mir) sicher, daß ich etwas gemeinsam habe, gemeinsam, nicht mit den 8 Milliarden Avataren des Nichts, mit denen die Erde besiedelt ist, sondern mit den paar Wenigen, die etwas darzustellen versuchen, was es de facto nur in der Planung des Urgeistes gibt: ehrlich betrachtende Zeitgenossen.

Dieses Netz lebt! Es reicht durch alle Bereiche des Lichts, bis in die tiefste Dunkelheit der Verdammnis hinein. In ihm veranschaulicht sich die wahre Beschaffenheit der Welt und nur aus ihm kann die Kraft geschöpft werden, mit deren Hilfe jede Form des Wahnsinns nicht toleriert werden kann!

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©Alf Glocker

Öl auf Leinwand, Titel : Hormfracrarz
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Kommentare

06. Apr 2015

Fein gewoben, dieser Text!
Wie das Netz - aus dem er wächst...

LG Axel

07. Apr 2015

Danke, lieber Axel.
LG Alf