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Der Drache (Feuermond)

Bild von Anita Zöhrer
Bibliothek

Die ersten Sonnenstrahlen des nächsten Morgens weckten mich aus meinem Schlaf. Gebettet in einem Berg von Rosenblättern lag ich im Garten des Klosters und war umringt von Obstbäumen, Blumen und Sträuchern. Riesige Steine zierten die freien Flächen und luden zum Verweilen ein.
Einen Tag zuvor hatte der Garten noch aus einem reinen Urwald bestanden, über das Wie zerbrach ich mir schon gar nicht mehr den Kopf.

Lautes Hämmern ertönte aus der Ferne und erweckte meine Neugierde. Es war der fremde Franziskaner. Mit einem großen Hammer schlug er auf einen mächtigen Käfig ein, in dem ein Drache in Ketten lag. Ich musste mich setzen, dieser Anblick war eindeutig zu viel für mich.
Meine Freundin hatte mir Drogen untergejubelt, ich war überzeugt davon. Real konnte das alles nun nämlich nicht mehr sein.

Ich solle ihm helfen, rief der Franziskaner mir zu. Sonst noch Wünsche, war meine Antwort. Keinen Schritt weiter näherte ich mich diesem Ungetüm, konnte es mich auch mit noch so traurigen Augen ansehen. Weg von hier wollte ich und zwar auf der Stelle.

Nach wie vor war das Tor verschlossen. Ich schrie vor Zorn, trat und schlug dagegen. Es würde sich erst öffnen, wenn der Drache frei wäre, behauptete der Franziskaner. Kein Wort glaubte ich ihm. Und wieder wechselte ich von einer Sekunde auf die nächste den Ort, stand plötzlich neben dem Käfig.

Ich wollte flüchten. Wenn der Franziskaner sich unbedingt umbringen wollte, war das sein Problem, aber ich wollte schon noch gerne ein paar Jährchen auf dieser Welt verbringen. Dieser packte mich jedoch mit beiden Händen und hielt mich zurück. Ich wehrte mich, doch er war außergewöhnlich stark dafür, dass er zwar groß gewachsen war, aber dennoch recht schmächtig wirkte.

Unsere Blicke trafen uns und ein Blitz mein Herz. Ein Feuer brannte in der Seele des Franziskaners, eines, das so stark war, dass es sogar mich innerlich entfachte. Er war ein seltsamer Kauz, gespenstig und vermutlich ohnehin nur eine Gestalt meines Alptraumes, aus dem ich hoffentlich bald wieder erwachte. Und trotzdem – allmählich begann ich, Sympathie für ihn zu empfinden.

Wir müssten an den Schlüssel, dieser sperrte die Ketten des Drachen und damit auch das Holztor, erklärte er mir und zeigte auf einen goldenen Schlüssel, der in dem Käfig direkt neben dem Ungetüm lag. Ich ging in die Knie, fiel in die Arme des Franziskaners. Ja, wenn es weiter nichts war, dann holten wir uns eben den Schlüssel … Neben dem Monster …