Der Käufer auf dem Flohmarkt - Page 13

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Seine erfreuliche Laune hat sich nicht verändert und voller Begeisterung ist er froh darüber, dass er nochmal mit der Kehrmaschine durch die Straße fahren kann! Befahren hat er mit der Kehrmaschine ausnahmsweise nicht viele Straßen, denn die Bullerei und Gesetzeshüter haben viele Adleraugen, die verwunderlich alles sehen. Noch vor Monaten haben die Beamten versucht, Tim mit der Kehrmaschine zu verhaften. Das Fahren ist für Tim eine Kunst, die er mit Talent und Begabung unter Kontrolle hat. Aus diesem Grund dauerte die Verfolgungsjagd nicht lange. Erstreckt hat sich die Verfolgung nur auf ein paar Straßen, die zum Glück viele Seitengassen hatten. Aussagekräftige Beweise hatten damals die Gesetzeshüter nicht, obwohl jeder wusste, dass es Tim Käufer war.
Wo die Kehrmaschine stand, hat er nicht vergessen, und die Füße tragen ihn freudenreich dahin. Nun ist die Straße da, wo sein Fortbewegungsmittel stand! Eine Menschenmenge, eine kleine Öffentlichkeit hat sich dort versammelt und ungewiss ist, ob die Kehrmaschine für solches Aufsehen gesorgt hat. Sorgen und kleine Beunruhigungen möchte er nicht nach außen repräsentieren, sondern mit Gleichgültigkeit erfahren, was dort passiert ist. Sein Herz schlägt schneller und rasend geht er auf die Menschenmenge zu. Zu viele Personen stehen dort und besprechen etwas, was unverständlich klingt … Verstehen kann man bestimme Begriffe und Fachausdrücke wie: Kehrmaschine, Triebwerk, Polizei, Luftfahrzeug, Fluggerät und Parkhauswächter! Angesprochen und betroffen fühlt er sich. Seine Kehrmaschine kann er nicht im Stich lassen und muss wohl erfahren, was hier passiert.
»Hallo! – Was ist hier passiert?«
Fragte vorsichtig und mit Bedacht Tim. Sehen kann er, wie ein kleiner Junge auf der Kehrmaschine sitzt und weint. Verstörte Blicke kann Tim in anderen Menschen erkennen, und anscheinend spricht die Mutter des Kindes.
»Wieso funktioniert das Spielauto nicht? Wir haben viel Kleingeld in den Schlitz gesteckt und das Spielauto bewegt sich nicht … Das kann ja wohl nicht wahr sein!«
Die Verwechslungsgefahr und ein Missverständnis können einen überall ausfindig machen und es ist nicht egal, ob man die Umgebung mit deren Eigenschaften vertauscht.
»Es ist kein Spielzeug-Auto, sondern eine Kehrmaschine, die ich für die Arbeit brauche.«
Sagte er und möchte damit das Missverständnis aufklären.
»Ja, ist uns allen auch bewusst. – Sie arbeiten auch hier!«
Mit dem Finger zeigt die Frau, wo er die Kehrmaschine geparkt hat: vor einem Spielwarenladen! So eine Verwechslung und Vertauschung kann eine falsche Idee erschaffen und dabei freut sich Tim wahrlich, dass in der Kehrmaschine Kleingeld steckt.
»Ich arbeite im Parkhaus und nicht in dem Spielwarenladen … Die Kehrmaschine musste ich hier abstellen, weil ich die Po …«
Das Wort „Polizei“ wollte er laut aussprechen und dabei die missliche Lage wahrheitsgemäß verdeutlichen. Beim Reden hat er sich schon fast verplappert und zum Glück spricht er nicht weiter. Nur die Frau schwätzt und äußert sich streitsüchtig weiter:
»Das kann ja wohl nicht wahr sein! – Sie sind ein Lügner. Hier arbeiten Sie und ich möchte, dass dieses Attraktions-Spielzeug einwandfrei funktioniert!«
Das Kind weint weiterhin und die Frau schreit kampflustig und ununterbrochen. Wie ein Außenseiter wirkt Tim auf die anderen Menschen, weil er diese Streitsucht mit Gleichgültigkeit ansieht. Irgendwie muss er nun mit der Kehrmaschine wegfahren, und es ist tatsächlich nicht so einfach, wenn die Anderen sein Fortbewegungsmittel als ein Attraktions-Spielzeug ansehen. Die Menschenmenge hat viele Augen und Gesichter, die sich unter Schadenfreude über Tims Missgeschick sinnbildlich vergnügen. Eine Harmonie und ein selbstverständliches Verhalten der heutigen Manieren, wo man sich über jede Streitlage freut. Besonders dann erst, wenn man die Gründe für die Streiterei da sucht, wo die Menschen arbeiten. Aus diesem Grund wird Tim nicht als Individuum angesehen, sondern als ein Spielwarenladen-Verkäufer.
»Die Arbeit ruft nach mir …«
Sagt er so leise, dass es jeder hören kann. Nicht unter Stress steht er, wenn über ihm viele Streitgründe stehen. Das Kind steht weinend auf und geht auf die Mutter zu, die immer noch unter einem Wutanfall leidet und sich darüber fröhlich aufregt.
»Was tun Sie da?«
Fragt die freche Frau, die unverschämte Befragungen fortführen möchte. Was Tim macht, kann er nicht mit einer Antwort formulieren, sondern erst durch die Taten verdeutlichen. Seinen Fahrradanhänger mit zwei Benzinkanistern und der Saftflasche schiebt er an die Kehrmaschine ran. Die Befestigung ist noch heil und die frisierte Kehrmaschine wird das Gesamtgewicht mühelos transportieren können. Nur anstrengend sind die Menschen, die sich über die seltsame Arbeitsweise aufregen. Tim muss sich zusammenreißen und ohne Schwierigkeiten aufbrechen. Wie er schon sagte: Die Arbeit ruft. Für die Kontrolle der Kehrmaschinen-Besatzung hat er nicht genügend Zeit, sondern viele Menschen, die ahnungslos und überrascht sind. Aufklären und die Zusammenhänge erläutern, muss er dem Himmel sei Dank nicht. Die Dankbarkeit muss man da zeigen, wo ihre Anerkennung aus der Hilfe kommt. Sollen die Menschen glauben, dass die Kehrmaschine ein Spielzeugauto ist … In den Schlitz der Kehrmaschine haben die Frau und das Kind Kleingeld reingesteckt. Die Tankstellen-Fahrt hat sich wahrhaftig gelohnt und der Umsatz beläuft sich sicherlich auf ein paar Euro. Das Geld wird bereitwillig für das Rauchen und Zigaretten ausgegeben. Vor ein paar Minuten hat er die Kippe irgendwo auf der Straße entsorgt und eine neue muss widerspruchslos her. Wieder zündet er die Zigarette auf der Kehrmaschine sitzend an und mit einem Kurzschluss der Kabel bringt er die Kehrmaschine zum Laufen. Viele Herbstblätter schmücken den Fußgängerweg und beim Drücken auf das Gaspedal drehen die Reifen durch! Mit voller Wucht schleudert er alle Baumblätter Richtung der Menschenmenge und so verabschiedet sich Tim Käufer … Noch etwas sagen die Herrschaften zur Unverschämtheit und drohen mit einer Strafanzeige. Die Tankanzeige ist beträchtlich gesunken und für die nächsten paar Straßen wird der Treibstoff vermutlich ausreichen. Ausweichen muss er den Passanten, die die herbsterwachte Straße entlang- laufen. Ein langer Weg wird es dennoch sein und ohne Musik kann er nicht sorglos fahren. Bloß die Tankanzeige spricht über mangelnden Treibstoff … Und der Fahrradanhänger behauptet das Gegenteil! Durch diese aussagekräftigen Dialoge vergehen all die Sorgen und er fragt sich währenddessen, was die Zigarette geheimnisvoll zu sagen hat. Die Kippe hält Tim fragwürdig am Ohr und beim Fahren kommt ein Schlagloch entgegen. Ein schnelles Ausweichen hat die Kehrmaschine zum Schleudern gebracht

Lektor: Axel C. Englert

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