Die Kunst in mir - Page 6

Bild von Jurones
Mitglied

Seiten

hinzu, und hinzufügend wird Robert bewusst, dass er dem Schicksal oder der Bestimmung hoffnungslos ausgeliefert ist, und die ausgeliehene Hoffnung auf Glück bleibt stets ausgeliehen, weil Herr Weber einen jungen Knaben sucht, der die Autobahnraststätte mit Sauberkeit beglücken soll. Roberts Chancen stehen schlecht, denn seinen Eignungstest hat er bekanntlich und wohlwollend als Erster mit Antworten bestückt, und wohlwollend erfüllt sich die Eingrenzung, die sehr grenzwertig Robert mitteilt und verkündet, dass er keinen Führerschein besitzt, der für eine solche Arbeit sicherlich vonnöten ist. Von der Angst sind erfreulicherweise keine Anzeichen und Symptome vorhanden, lediglich eine weisende Erleichterung, die Robert leicht und angenehm verdaut, und wohltuend nachvollzieht, dass er ohne Führerschein für die Autobahnraststätten-Arbeit nicht geeignet ist. Die Neigung für das Erhoffte hat sich in Luft aufgelöst, und die Erlösung wartet sehnsüchtig, bis Robert an der Tür zu Zimmer 311 mit Sehnsucht anklopft. Ein tiefer Atemzug vollzieht das Herzklopfen, und die Zimmertür verspürt leistungsfähig und stark dasselbe.
»Herein! Die Tür ist offen!«
Rief tatsächlich freundlich die gewisse Frau Kiefereisen, deren Name gewissenhaft an der Tür steht, und bevorstehend betritt Robert Zimmer 311, welches Roberts Erscheinungsbild und Körper jener Dame präsentiert. Seine Schuhe präsentieren womöglich die billigste Auswahl an Schuhen, die möglicherweise wie seine Hose und sein Pullover aus dem „KiK“-Laden sind. Auch ist Roberts schüchternes Lächeln eine wahrliche Bescheidenheit, die wahrheitsgetreu und wahrhaft zur Schau stellt, dass Robert kein kluger und gebildeter Mensch zu sein scheint. Anscheinend ist es eine passende und übereinstimmende Kombination zwischen Dummheit und Armut. Doch eine starke und zugleich spürbare Herzenswärme ist mehr als vorhanden, denn sie zeichnet ihn aus, was eine Auszeichnung durchgreifend und entscheidend an sich verdient hat.
»Guten Tag, Herr Grimm. – Mein Name ist Frau Kiefereisen. Ich bin die ausführende Vermittlerin des Jobcenters. Bitte nehmen Sie hier Platz!«
Schlug Frau Kiefereisen vor, die Robert endlich zu Gesicht bekommt; und die angesichts der Tatsache reich und wohlhabend gekleidet ist. Sie ist eine kleine Frau, die noch kleinere Hände als ein Äffchen besitzt, wie Robert in seiner Hand verspürt. Ihr Kiefer ist dennoch nicht dem Namen angemessen.
»Also, Herr Grimm. – Ich habe Ihren komischen Eignungstest sorgfältig ausgewertet und muss Ihnen mitteilen, dass Ihr IQ-Wert unterdurchschnittlich ist. Meine Auswertung hat deutlich gezeigt, dass Sie lausige 36 Punkte erworben haben. Darf ich zunächst einmal von Ihnen erfahren: Welche Schule Sie besucht haben?«
Fragte Frau Kiefereisen.
»Oh … 36 Punkte. – Ist das viel?«
Erkundigte sich Robert Grimm.
»Nein, auch wenn der Test über Ihre Persönlichkeit und Ihre Begabung nichts aussagt, sind Sie sehr deutlich unter dem Durchschnitt gelandet. – Meine Frage haben Sie leider immer noch nicht beantwortet.«
Sprach Frau Kiefereisen, die Robert sehr verdächtig und zugleich behämmert ansieht.
»Ich habe eine Hauptschule besucht und habe die Schule ohne einen Abschluss verlassen.«
Erzählte Robert Grimm seine eigene Erfahrung mit dem Leben, die Frau Kiefereisen nebenher aufschreibt.
»Gut … Ich kann aus den Akten entnehmen, dass Sie überhaupt keine Ausbildung gemacht haben; und dass Sie kürzlich in einem Krankenhaus als Pflegeassistent gearbeitet haben. – Aus welchem Grund haben Sie die Arbeit aufgegeben?«
Befragte die Dame.
»Wissen Sie, ich habe gesehen, wie eine Krankenschwester einen Patienten bestohlen hat. Sie hat seine Sachen durchwühlt und hat das gefundene Geld eingesteckt.«
Erzählte leicht beschämt Robert Grimm.
»Und wieso haben Sie eine Selbstkündigung in Kraft gesetzt?«
Sprach frech die Dame, die nebenbei alles aufschreibt, was Robert sagt.
»Ich habe dem Pflegedienstleiter den Vorfall gemeldet. Leider hat er nichts unternommen und die Arbeitskollegen haben mich danach viele Monate sehr gemobbt. Ich wurde ignoriert und musste Aufgaben machen, die ein Pflegeassistent nie macht.«
Sagte leicht verklemmt Robert.
»Gut, ich verstehe! – Ich fasse es kurz zusammen: Sie haben gesehen, wie eine Krankenschwester das Geld eines Patienten genommen hat; Sie haben dieses missverstandene Geschehen dem Pflegedienstleiter berichtet und wurden aus diesem Grund gemobbt? Ich hoffe, es ist Ihnen bewusst, dass es ein Missverständnis war! Vielleicht hat die Krankenschwester das Geld einfach gefunden; vielleicht haben Sie einfach die Situation falsch eingeschätzt; vielleicht hat das Geld einfach nur der Krankenschwester gehört; vielleicht hat der Patient das Geld der Krankenschwester auch geschenkt? Man kann es nicht wissen, Herr Grimm. Sie sind nicht allwissend, und Ihrer Eignungstest bestätigt diese Aussage!«
Brüllte Frau Kiefereisen.
»Nein, der Patient lag im Koma. – Seine Sachen lagen im Schrank und die Krankenschwester hat die alle sehr gründlich abgesucht. Zuvor wurde ein anderer Patient bestohlen, als er …«
Schilderte Robert seine Berufserfahrung in einem Krankenhaus. Doch beim Reden wird er von der Dame unterbrochen.
»Nein, nein! – Das will ich gar nicht wissen! Ihre ausgedachte Geschichte können Sie an einem anderen Ort erzählen. Ich würde dennoch gerne von Ihnen erfahren, wieso Sie den Antrag auf Arbeitslosengeld erst nach zwei Monaten gestellt haben?«
Erkundigte sich streng die Dame.
»Oh, ich habe den Antrag gleich nach der Kündigung gestellt. – Sie sollten wissen, dass ich seit vielen Jahren Erfahrungen mit dem Jobcenter habe, und ich habe schon gehört, dass Sie die Anträge auf Leistungen wegschmeißen.«
Sprach leicht ängstlich Robert.
»Wie bitte? Das finde ich jetzt sehr unhöflich! – Vielleicht wurde der Antrag einfach bei der Post verloren; vielleicht ist da ein Fehler unterlaufen; vielleicht haben Sie den Antrag gar nicht gestellt?«
Kreischte die Dame zwischen ihren Zähnen.
»Nein, ich habe den Antrag selber in den Briefkasten eingeworfen.«
Erwiderte getroffen Robert.
»Was Sie gerade sagen, ist Verleumdung, Herr Grimm! – Ein Richter können Sie ja keinesfalls sein, und Sie können nicht einfach so diese Tatsache, dass Sie den Antrag nicht gestellt haben, als unseren Fehler abstempeln! Wir bearbeiten jeden Antrag auf Leistungen; wir sind eine Behörde und kümmern uns um die Menschen, die nicht arbeiten wollen!«
Erzählte mit Begeisterung die Dame.
»Wie Sie meinen.«
Sagte motivationslos Robert.
»Gut … Bleiben wir bei der Sache. – Von welchem Lebensunterhalt haben Sie die zwei Monate gelebt? Wie und wo haben Sie eine Schwarzarbeit gefunden?«
Preschte die Dame frech vor.
»Ich war nicht berufstätig. – Ich habe bei der ‚Tafel‘-Organisation Lebensmittel und Essen bekommen. Der nächste Antrag auf Arbeitslosengeld wurde von euch angenommen und bearbeitet.«
Redete beschämt Robert, der seine Gefühle unter der Peinlichkeit versteckt.
»Sie meinen: Der Antrag wurde bewilligt und mit der Auszahlung von Hartz IV konzediert?«
Fragte die Dame namens Frau Kiefereisen, die alles mühevoll aufschreibt, was Robert sagt.
»Ja, das Geld

Lektor: Axel C. Englert

Seiten

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise