Die Kunst in mir - Page 58

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und gibt sich als eine tote Leiche aus, die gleich unter die Erde kommt.«
Erzählte einfühlend und ehrenhaft Lukas, der durch Roberts Dankbarkeit und Herzensgüte ohne ein gewalttätiges Verhör all das verraten hat, was Robert für sein Abenteuer braucht.
»Wo finde ich das Bestattungsinstitut ‚Erde und Himmel‘?«
Fragte Robert, der seinen Lebenslauf als Notizblock zückt.
»In der ‚Friedrich-Schiller-Straße‘ 10.«
Antwortete einsichtig Lukas, der deutlich sehen kann, was Robert auf seinem Lebenslauf vermerkt: „Erde und himel. Fridrich schilller Strasse 10!“
»Das Wort ‚Himmel‘ schreibt man mit zwei ‚M‘, und Nomen schreibt man immer groß.«
Teilte freundlich Lukas mit, der genau wie Robert überrascht wird, dass die Zellentür von diesem bereits bekannten Justizvollzugsbeamten aufgemacht wird, der mit einem Auge Robert und mit dem anderen Lukas ansieht.
»Herr Grimm, geht es Ihnen gut?«
Sprach leicht besorgt der Justizvollzugsbeamte, der genau wie Robert wahrnehmen kann, dass Lukas gleich was sagen wird, das wahrhaftig niemand sich erhofft hat.
»Herr Grimm … Ich habe Ihnen alles gesagt, was ich über die Geschäfte der kriminellen Vereinigung weiß. Sie habe sämtliche Namen der Täter erhalten, und auch all die getarnten Geschäfte, die in Wahrheit andere Funktionen ausüben.«
Sagte sehr ehrenhaft Lukas, der durch diese vorgespielte Lüge Robert seine Ehre und Dankbarkeit erweist.
»Dann sind wir fertig, Herr Mann!«
Verkündete Robert, dessen schauspielerische Leistungen ein wenig mangelhaft sind.
»Wenn Sie fertig sind, Herr Grimm. Dann sollten wir gehen! – Kriminelle sollen hier ihre Strafe absitzen und sich nicht mit anderen unterhalten!«
Rief frech und rasch der Knastwärter, der mit einem Auge und Boshaftigkeit Lukas ansieht.
»Der neue Axel, der jetzt in unseren Reihen agiert, wird Sie schon bearbeiten, Herr Türschließer. – Unser Poet hat einen ebenbürtigen Nachfolger hinterlassen.«
Äußerte Lukas Mann sich ruhig und besinnlich dazu, wobei keiner der beiden den Sinn seiner Rede versteht.
»Ja, ja, ja! Das höre ich seit Tagen! – Herr Grimm, wir sollten gehen!«
Teilte der Knastwärter mit, der sieht, dass Robert sichtlich die Zelle verlassen muss.
»Herr Grimm! – Danke für das Gespräch! Bitte nehmen Sie meine Mundharmonika. Die gehört jetzt Ihnen!«
Schlug offenkundig Lukas Mann vor, der erneut seine Ehrerbietung gegenüber Robert offenbart, und Robert die Mundharmonika überreicht, die Robert überreich an Erkenntlichkeit annimmt und in seine Hosentasche steckt. Und schon befindet sich Robert, der flüchtig und überaus eilig über die soeben erlebte Gegenseitigkeit der Ehrenbezeugung nachdenkt, mit dem Knastwärter im Gefängnisflur.
Nachdenklich geht Robert mit dem Knastwärter durch den ruhigen Flur. Das Gesicht des Wächters schweigt angesichts der Situation überraschenderweise, und unglücklicherweise verspürt Robert eine Beklommenheit und zugleich eine starke Besorgnis, die standhaft darüber plaudert, dass Roberts wahre Vergangenheit womöglich längst aufgeflogen ist, und womöglich muss Robert sich damit abfinden, dass er, kaum findig, sich als wegen Hochstapelei gesuchter Krimineller sich seine Zelle nicht einfach aussuchen darf. Mit Redebedarf kann Robert allem Anschein nach eine anschauliche Wirkung verwirklichen, die gerade beim Gehen über den Knastflur nach Antworten suchen darf, die laufend erfahren möchten, wieso der Justizvollzugsbeamte derart schweigsam und ruhig mit Robert den Flur entlangläuft. Es verläuft ebenfalls beim Gehen eine kleine nächste Weile, die das Gespräch nicht gefunden hat, sondern erst vor der Einlasskontrolle und dem Ausgang fündig wird.
»Ich würde gerne den Gefängnisdirektor besuchen. – Als Staatsdiener muss ich mich für die Bürger einsetzen, und was ich hier erfahren habe, kann ich als Richter nicht dulden!«
Sprach Robert seine Machtbefugnis aus, die er für das Gute einsetzen möchte.
»Sie suchen den Gefängnisdirektor! – Der wartet schon auf Sie! Genau vor Ihrem Fahrrad, das Sie vor beim Eingang abgestellt haben!«
Teilte anspruchsvoll der Knastwärter mit, der ersichtlich nicht bemerkt, dass Robert seinen Lautsprecher absichtlich in der Zelle bei Lukas gelassen hat. – In der Tat wirkt Robert nun wirklich darüber frustriert, dass die Menschen in dieser „Wiedersehen“-Justizvollzugsanstalt wie unterwürfige Tiere und Unwesen behandelt werden, die wesentlich und unmissverständlich Menschen sind, die im Leben Fehler begangen haben, die jedem fehlerlosen Menschen in dieser Stadt schon unterlaufen sind. Aufgebracht verlässt Robert die Einlasskontrolle, die ihn verlässlich in die ersehnte Freiheit entsendet. Vor Nikis altem Fahrrad steht ein Staatsdiener, der damit dienen kann, sich den Gefängnisdirektor der „Wiedersehen“-Justizvollzugsanstalt nennen zu dürfen. Robert ernennt dies bevorstehende Gespräch zur geistigen und wortgewandten Auseinandersetzung, die sich, gestützt auf Roberts Macht als Richter, für das Gute beim Gefängnisdirektor einsetzen will, zum Wohle der inhaftierten Menschen.
»Sind Sie Herr Grimm?«
Fragte der Gefängnisdirektor, der optisch klischeehaft dem Gerichtspräsidenten Herrn Eris ähnelt.
»Ja, ich bin Herr Grimm. – Ich bin Richter am Amtsgericht dieser Stadt.«
Antwortete leicht draufgängerisch Robert, der mit jenem Auftreten einem echten, originalen Gefängnisdirektor etwas zu sagen wagt.
»Herr Grimm, mein Name ist Jens Kran. Mein Amt als Gefängnisdirektor führe ich hier seit 24 Jahren aus. – In dieser Zeit habe ich nie erleben dürfen, dass ein hochrangiger Beamter mit einem solchen Fahrrad dienstlich unterwegs gewesen wäre.«
Offenbarte Gefängnisdirektor Jens Kran, der Robert mit Freude und Bewunderung ansieht.
»Ein Fahrrad wurde zum Fahren erfunden. – Als Mensch muss ich mich auch bewegen, und es ist egal, womit ein Staatsdiener fährt.«
Vermerkte ein wenig rasch Robert.
»Herr Grimm! – Das ist kein gewöhnliches Fahrrad, das Sie vom Schicksal bestimmt zu mir gebracht hat.«
Sprach sehr begeistert der Gefängnisdirektor Jens Kran, der so indirekt für Robert über dessen Fahrrad eine wahre Begeisterung aufbringt, die dennoch für Robert vordringend nicht vollziehbar bleibt, denn das alte Fahrrad bekam er von dem Priester Niki, der das scheinbar herkömmliche Fahrrad auf der Müllhalde gefunden hatte.
»Wie meinen Sie das: Das ist kein gewöhnliches Fahrrad?«
Fragte ruhig Robert, der die freudige Begeisterung des Gefängnisdirektors nicht freudlos ruinieren möchte.
»Das Fahrrad, diese Feststellung kann nicht bestritten werden, gehörte höchstpersönlich Adolf Hitler!«
Antwortete voller Freude ein Gefängnisdirektor, der jetzt Robert seine Offenbarung verkündet hat.
»Adolf Hitler hatte dieses Fahrrad …«
Dachte Robert laut nach.
»Hier, Herr Grimm! – Das ist das Beweisfoto! Sehen Sie, hier ist Adolf Hitler in eigener Person genau auf diesem Fahrrad zusehen! Sehen Sie diese Verbiegung im Rahmen? Auch diesen Kratzer? – Es ist unbestreitbar: Das Fahrrad gehörte Adolf Hitler!«
Verkündete erfreut Jens Kran, der reichlich strahlend Robert sein Handy vor die Nase hält, auf dem aufschlussreich und deutlich Adolf Hitler zu sehen ist, der tatsächlich grinsend auf diesem Fahrrad sitzt. Mit einem dem Beweisfoto vergleichbaren Lächeln blickt

Lektor: Axel C. Englert

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