E-mail von Astrid

Bild von Dieter J Baumgart
Mitglied

 Grüß Dich, Astrid,

     und danke für Deine Mail. Wir haben natürlich sofort Deinen Link angeknipst und sind von Deinen 20er Jahre Hut-Modellen begeistert.
     Ich  fühlte mich in die Zeit um 1937/38 zurück versetzt: Berlin Potsdamer Platz, Haus Vaterland, Rheinterrassen, im großen Rheinpanorama läuft die stündliche Dioramaschau ab: Lastkähne ziehen gemächlich den Strom entlang, Wolken ziehen auf, Regen prasselt (echt), Blitze zucken, untermalt vom Donnergrollen. Ich, als 3-4-Jähriger bin begeistert und geängstigt zugleich...
     Wie ich darauf komme? Die Damen im Haus Vaterland trugen Deine Hüte!
     Du denkst sicher, daß die aber spät dran waren. Vielleicht? Da traf sich ja nicht gerade die High Society…
     Sieben Jahre später: Wir zuckeln mit einem geborgten Kinderwagen zu Fuß durch eine Trümmerwüste, von Neukölln zum Potsdamer Platz. Warum? Ein Gerücht machte die Runde: Im Keller des Haus Vaterland liegen zentnerweise Kartoffeln. Als wir ankamen fanden wir Panzerfäuste, nix als Panzerfäuste. Und die Damen waren nur noch Frauen, Trümmerfrauen, und die trugen nur noch Kopftücher.
     Weißt Du was? Ich bin immer wieder fasziniert von meinem
Langzeitgedächtnis. Es relativiert die Gegenwart ein wenig...

Modell von Astrid Eek, Berlin, Foto: Alejandro Dhers
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