Ehrenamtlich engagiert - Page 2

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er unwissentlich und zugehörend jenes Erscheinungsbild wie der Sänger. Eine goldene und selbstverständlich glänzende Kette darf nicht fehlen; das weiße und altmodische Hemd, das einen auffallend großen Hemdkragen hat, ist bis zur Hälfte offen und nicht zugeknöpft; die alte Jeans ist so blau wie das Meer und der Gürtel so braun, wie all die Herbstblätter auf der Straße. Nur der Bart ist zeitgemäß an den äußeren Zeitgeist gebunden, und nur diese augenblickliche Gestalt verrät schicklich, dass jeder Augenblick der Freude stets an die alte Zeit gebunden ist, die umgebend sich von alten Gewohnheiten umgibt. Nun ist der heiß erwartete Moment gekommen, wo das Warten auf einen Anruf nutzbringend gehofft und aufgeschaut hat, und was das nächste Telefonat bereitwillig und selbstsicher bringen wird, ist für ihn sicherlich nichts Neues. Denn neue Begegnungen und Erfahrungen lassen die Vergangenheit nie ruhen und aussterben, sondern bleiben erfahrungsgemäß auf die bevorstehenden Begegnungen hellhörig und feinfühlig.
»Guten Tag! – Hier ist die ‚Matratze mit der Fratze‘. Mein Name ist Christopher Tageszeit. Was kann ich für Sie tun?«
Erfragte am Telefon der Matratzenladen-Besitzer, der wohl Christopher Tageszeit heißt.
»Hallo, mein Name ist Günther Sonnenschein … Ein Arbeitskollege hat mir gesagt, dass Sie bestimmte Sachen erledigen können …«
Antwortete ein Mann, der beim Reden spürbare Schüchternheit erzeugt.
»Sie sind hier genau richtig. – Unter welchen Problemen leidet Ihre Angelegenheit?«
Erkundigte sich Christopher Tageszeit, der allein beim Reden zum Vorschein bringt, dass das Vertrauen der Kunden stets eine große Priorität für ihn bleibt.
»Wie Sie sicherlich wissen, wurde der Rundfunkbeitrag um 10 € erhöht, und da ich zurzeit Hartz IV beziehe, kann ich die GEZ-Gebühren nicht wirklich bezahlen. Das Jobcenter hat nicht vor, die anstehenden Kosten zu übernehmen, und deshalb wende ich mich an Sie.«
Schilderte ein gewisser Herr Sonnenschein sein Anliegen.
»Ich verstehe … Ein Arbeitskollege hat Ihnen davon erzählt. – Auch wenn Sie sagten, Sie seien arbeitslos, werde ich Ihr Anliegen und Ihren wichtigen Antrag sorgfältig prüfen und anschließend das Problem beseitigen.«
Offenbarte Christopher Tageszeit.
»Ich danke Ihnen! – Ich mache gerade eine schwierige Zeit durch und komme mit Schwarzarbeit noch so über die Runden. Wissen Sie, meine Frau hat mich vor Monaten verlassen und dazu meine eigene Wohnung …«
Erzählte der Herr am Telefon und wird noch beim Reden unterbrochen.
»Bitte verzeihen Sie mir, aber für solche Gespräche habe ich keine Zeit! – Es gibt viele Menschen, die auf meine Dienste warten, und wenn Sie weiterreden, werde ich garantiert viele Kunden verlieren. – Außerdem sind Sie nicht der Erste, der sich mit solchen Problemen an mich wendet.«
Sagte ruhig und gelassen Christopher Tageszeit, der dennoch die Freundlichkeit beibehält.
»Ich verstehe, ich verstehe! – Bitte sagen Sie mir, was ich machen soll, damit Sie das Problem übernehmen?«
Stellte der Herr die Frage.
»Meine Anschrift wird Ihnen wohl bekannt sein. – Ich benötige von Ihnen ein paar Briefe, wo Ihre genaue Postadresse, Steuerklasse, Sozialversicherungsnummer und Personalausweisnummer genannt wird. Dazu Ihre individuelle Jobcenter-Kundennummer und das für Sie zuständige Finanzamt. – Bitten versenden Sie all die Briefe einzeln und nur mit einem Fensterumschlag. Jeder Brief soll mit zwei Briefmarken versendet werden.«
Gab der Matratzenladen-Besitzer jene Anweisungen.
»Das werde ich machen! Ich habe mir alles notiert und werde all die Sachen sofort an Sie versenden … Ich danke Ihnen, dass Sie solche Dinge für mich übernehmen werden und ich hoffe, Sie werden …«
Sprach der Mann am Telefon und wird dabei aufdringlich von Christopher unterbrochen.
»Sie müssen mir nicht danken … Haben Sie noch weitere Fragen, die mich und mein berufliches Anliegen betreffen?«
Vergewisserte sich Christopher Tageszeit, der einen Matratzenladen besitzt.
»Oh, ich habe vergessen, Sie zu fragen: wie teuer Ihre Dienstleistungen sind?«
Erkundigte sich der Mann am Telefon.
»Da der Aufwand ziemlich gering und unkompliziert ist, werde ich für diese Problemstellung 100 € von Ihnen fordern. – Als Anzahlung brauche ich einen Betrag, der sich auf 25 € beläuft. Erst danach werde ich mich der Sache widmen.«
Erzählte Christopher Tageszeit.
»Ich danke Ihnen! – Soll ich das Geld auch per Post versenden?«
Vergewisserte sich der Mann.
»Selbstverständlich, Herr Sonnenschein. – Über die Geheimhaltung meiner Geschäfte muss ich Sie nicht informieren, oder?«
Fragte wahrlich streng ein Matratzenladen-Besitzer.
»Nein! – Alles bleibt geheim.«
Antwortete der Herr.
»Gut! Grüßen Sie den Jürgen Blauer bei der Arbeit, und sagen Sie, dass Herr Tageszeit herzliche Grüße sendet.«
Offenbarte doch freundlich Christopher Tageszeit.
»Oh … Sie kennen Jürgen? – Ich meine, ich werde die Güße ausrichten.«
Beschrieb der Herr am Telefon.
»Ich kenne wahrlich jeden Kunden, der meine Dienstleistungen aussichtsreich konsumiert hat. – Wenn Sie keine Fragen haben, werde ich meiner Arbeit nachgehen.«
Sagte ein Matratzenladen-Besitzer.
»Ich danke Ihnen! Ich werde all die Dokumente für Sie vorbereiten und sofort versenden.«
Verkündete erfreut der Mann, und wirkt beim Reden tatsächlich erleichtert, dass seine Probleme so leicht gelöst werden können.
»Es freut mich.«
Verkündete allmählich Christopher Tageszeit, der große Ähnlichkeit mit Barry Gibb besitzt; und der dazu einen Matratzenladen betreibt, wo auftreibende und abgekartete Serviceleistungen sich ergeben. Das Telefon wird nun kurzerhand und umgehend von Christopher aufgelegt, denn die Zeit ist bei diesen bürokratischen und schematischen Geschäften so sehr kostbar, dass Herr Tageszeit sich manchmal aufrecht wünscht: er hätte vier Hände, zwei Münder und dazu vier Ohren, mit denen er gewisse Erleichterungen für sich hätte. Für das Notieren, Aufschreiben und Dokumentieren benötigt Christopher nicht viel Zeit, denn der zeitweilige Berufsinhalt beinhaltet ständig denselben Ablauf und Vorgang, den Christopher selbstverständlich ohne viel Mühe und Aufwand bewältigen kann. Nur die wichtigsten und unaufschiebbaren Sachen werden scheinbar notiert, aufgeschrieben, dokumentiert und in einem Ordner namens „Problem-Eingang” abgelegt. Somit ist der reine Geschäfts-Auftrag voll im Gange und ergebungsvoll und mit Selbstverständlichkeit klingelt schon das Telefon, welches die nächste gesprächige Erhebung und Problemstellung darbringen soll.
»Guten Tag! – Hier ist die ‚Matratze mit der Fratze‘. Mein Name ist Christopher Tageszeit. Was kann ich für Sie tun?«
Stellte Christopher am Telefon die bekannte Frage.
»Hallo, mein Name ist Damien Posalanski, und ich habe gehört, Sie seien sehr hilfreich, wenn man bürokratische Probleme hat.«
Offenlegte ein Knabe, der aufgeregt und überspannt klingt.
»Sie sind hier genau richtig, Herr Posalanski. – Mit welcher Institution oder Behörde haben Sie Probleme?«
Erfragte Christopher und nimmt umgehend einen Stift zur Hand.
»Mir wird der Vorwurf der Steuerhinterziehung untergeschoben und das Finanzamt hat darauf reagiert … Seit Wochen bekomme

Lektor: Axel C. Englert

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