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Eine besondere Nacht

Bild von Anita Zöhrer
Bibliothek

Regentropfen klopfen ans Fenster. Ich öffne ihnen, lasse sie zu mir herein. Über jede Gesellschaft bin ich in dieser besonderen Nacht froh, doch nicht einmal sie wollen bleiben. Sie verdunsten in der Wärme meines Zimmers und wieder bin ich allein.

Mir blutet das Herz wie damals einst Jesus. Fühle seine Einsamkeit, seine Trauer. Ob er nun wohl auf mich herabblickt und an mich denkt? Ich wünsche es mir. Wünsche mir, dass er mich in dieser besonderen Nacht besucht. Aber warum sollte er ausgerechnet zu mir kommen? Zu mir, einem Menschen, der ihm ferner ist, wie vermutlich kein anderer.

Meine Tränen erzählen von meinem Kummer, doch was nützt dies schon? Es hört mir ohnehin niemand zu. Ich richte meinen Blick hinauf in die Sterne, sehne mich nach Geborgenheit. Was mache ich mir vor? In Zeiten von Corona ist Nähe ein Tabu. Ich beneide all jene, die mit anderen zusammenleben, besonders mit ihren Geliebten. So weit hat es die Menschheit gebracht. Begünstigt durch den Virus werden sich die Menschen noch weiter entfremden, wenn sie nicht vorsichtig sind. Wir sollen einander lieben und dürfen es doch nicht spüren. Nicht noch weiter darf jener Wert verloren gehen, der der wichtigste von allen ist: Liebe.

Ich werde müde, lege mich in mein Bett. Ein heller Lichtstrahl durchbricht die Dunkelheit, ich glaube, zu träumen. Eine Hand berührt mein Gesicht, kann es wahr sein? Mein verwundetes Herz findet Heilung. Ein sanfter Kuss auf meine Stirn befreit mich von allem, was mir schwer auf der Seele lastet.

Er ist wahrhaftig auferstanden. Er, der einst Verstorbene und dann wieder zum Leben Erwachte. Ich kann es bezeugen, denn ist er bei mir zu Besuch.

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