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Recht oder Unrecht?

Bild von Alf Glocker
Bibliothek

Gibt es ein Unrecht? Gibt es ein Recht? Gibt es Gut oder Böse, dich oder mich? Gibt es Himmel und Erde? Schier unlösbare Rätsel stehen uns brachial vor Augen, sobald wir auch nur ansatzweise zu zweifeln beginnen, also mehr sagen, als „ich habe Hunger, ich möchte mich verlieben, atmen und Stuhlgang haben“. Das sind zwar alles sehr wichtige Funktionen und Bedürfnisse, doch mit Denken haben sie nur dann etwas zu tun, wenn wir es entschlossen vermeiden! Denn nur wer nicht ausschließlich praktisch denkt kann, sollte, wird aber nicht ernst genommen werden.

Normalerweise bleibt einem wenig Gelegenheit derartige Schwachheiten, wie Denken aktiv auszuüben, denn die Belange der Vernunft, wie Essenbesorgen, gut Durchatmen und Lieben müssen den Vorrang haben. Wer in diesem Sinne handelt, der handelt sinnvoll, der ist im Recht! Doch von der Biederkeit zur Versuchung ist es oft nur „DER kleine Schritt“. Und wenn wir ihn einmal getan haben, sind wir in Gefahr! Dann fallen uns Dinge auf, auf die kein ehrlicher Bürger kommen kann/darf, da sonst sein Drang sich zu bemühen erlahmen würde.

Er sähe sich vom Unheil umringt! Von verrückten umzingelt, vom Wahnsinn umgeben. Er registrierte auf einmal Produktionsstätten als Tatorte, Regierungen als Krisenherde, Staatsbeamte als Unrechtsvollstrecker und sich selbst als Opfer einer Maschinerie, die sich nichts, bis noch weniger aus den Seelen der Lebenden macht, welche vertrauensvoll auf ein Dasein hoofen, von dem sie irrtümlich annehmen, es gehöre hauptsächlich ihnen – weil sie bescheiden sind, glauben sie nicht auch noch, es gehöre ihnen ausschließlich. Lassen wir also lieber die Augen geschlossen, denn sonst erblickten wir zu allererst überall…

Schreibtische. Täter. Schreibtischtäter. Und eine Menge Vasallen. Sklaven. Sklaven Gottes? Staatssklaven mit und ohne Uniform. Sklaven des Glaubens, des Kommerz, des Sex, der 7 Sachen, die man zum Leben braucht – Termiten! Menschliche Termiten – unmenschliche Menschen-Termiten. Dazu: Fragen über Fragen, sowie die fehlende Bereitschaft fundierte Antworten zu geben. Fundierte Antworten haben keinen verwertbaren Sinn! Sie sind subversiv und deshalb bedrohlich. Beschränken wir uns also besser auf die sogenannte Staatsraison? Plattitüden der Macht! Vom Brot gesponserte Gedanken, im Geschirr der Gewissenlosigkeit. So ist es!

Und dann bin da noch ich, Jedermann – eine Witzfigur im Cirque du Soleil der Realität. Sind mir jedwede Fehltritte untersagt…weil sie tödlich ausgehen können? Offensichtlich bin ich selbst das Ergebnis eines Fehltritts. Von meinen Eltern war ich als tüchtiger Mitläufer geplant. Zunächst sah es auch ganz danach aus, doch mitten in der Midlifecrisis hat mich anscheinend das Ende überholt. Nun staune ich, denn mir wird auf einmal klar warum ein treusorgender Familienvater durchaus ein Verbrecher sein kann.

Dabei war ich doch immer so klug! Meine Karrierestufen: Kindergartenpersönlichkeit, Klassensprecher (in allen von mir besuchten Schulen) Kreisjugendvorsitzender meiner Partei. Referent im AStA. Doktorand, Manager, Aufsichtsratsmitglied in meiner Firma, einem weltweit bedeutenden Unternehmen. Ich führe eine glückliche Ehe und ein befriedigendes Verhältnis nebenbei. Ich habe 5 eheliche und ein uneheliches Kind. Zweifler und andere Subversive Elemente habe ich erst gar nicht ignoriert. Sie waren für mich schlichtweg niemals vorhanden. Schließlich bin ich Pragmatiker.

Immer hatte ich etwas Bestimmtes vor. Überall habe ich etwas bewirkt, ich habe verdient und mitverdient als verdient verdienendes Mitglied der Gesellschaft. Und für einen kurzen Augenblick war ich sogar glücklich – bis zu diesem unseligen „Anfall“ vor drei Tagen. Da habe ich zum ersten Mal nicht aufgepasst und schon ist es passiert: ich dachte!

Wenn ich heute aus dem Fenster meines Büros blicke, dann sehe ich zwar die Schornsteine rauchen, aber ich möchte nur noch Blödsinn machen. Am liebsten würde ich mich um das Wohl und Wehe meiner Untergebenen kümmern. Was für ein Schwachsinn?! Die Wirtschaft wird von unumstößlichen Gesetzen gesteuert. Nur: diese Welt kann ich einfach nicht mehr ernst nehmen…

Noch bin ich ein wichtiges Teilchen eines Gesamtapparates – der mir auf einmal von Grund auf verdorben erscheint. In Gottes Auftrag kann ich schon fast nicht mehr handeln. Während ich zu mir selbst finde bleibt die Arbeit liegen. Ich bin „auffällig“ geworden. Ich spür’s in allen Knochen: zeitgleich zur Selbsterkenntnis vergrößert sich der Abstand von mir zu mir. Meine, mir nun fragwürdig vorkommende Identität kann ich weder akzeptieren, noch „aufrichtig“ (wann war ich das schon?) weiter verfolgen. Fremd bin ich mir geworden! Das macht einsam. Und alles weil ich begonnen habe mitzufühlen. Mitfühlen ist etwas ganz anderes als Mitdenken. Mitdenken weist auf seelische Unselbständigkeit hin, Mitfühlen auf das Gegenteil davon. Mitfühlen heißt gefühlvoll darüber nachzudenken was ich anrichte mit meiner vielgepriesenen „Berufung“. Dabei hatte ich doch nie eine Berufung. Jetzt weiß ich das.

Nichts, außer meiner Sucht Karriere zu machen hat mich angetrieben. Was ich dabei tat war gut. Basta! Etwas wofür man Anerkennung bekommt muss doch gut sein, oder? Wozu brauchte ich eine Innere Stimme, die mich berief, die mir auftrug, tu dies, tu jenes. Ich hatte meine Vernunft, meine Ratio – ich habe mich rationalisiert! Aus Mangel an eigenen, ethisch gut fundierten Antrieben bin ich dem Mainstream gefolgt, wie alle Erfolgreichen. Ich habe sogar ein kleines Büchlein verfasst. Es hat den Titel „Die Seele des Erfolges“.

Das ist ein Widerspruch in sich, wie mir jetzt auffällt. Genauso gut hätte ich ein Buch mit dem Titel „Die Seele der weißen Ameise“ (Eugène Nielen Marais) schreiben können. Doch was Termiten sind weiß ich ja auch erst seit kurzem. Sie sind überall. Sie sind um mich. Sie machen mich mit ihrer Besessenheit ganz verrückt. Alle dienen dem Wohl des Staates. Was dabei herauskommt empfinde ich neuerdings als fatal – und leider auch als offensichtlich unabwendbar. Doch plötzlich erkenne ich Gottesurteile nicht mehr an.

Ich verstehe auf einmal nichts mehr von Pflichten. Ich kann keine Befriedigung mehr daraus ziehen. Aus meiner früheren Sicht würde ich sagen: du brauchst dringend eine Therapie. Aus meinem augenblicklichen Empfinden heraus meine ich: die halbe Weltbevölkerung gehört eingesperrt (wenn’s reicht). Bin ich von Eichmännern umgeben? Wurde ich ins Narrenhaus eingeboren? Welcher infantilen Brutalität folgen Gläubige und Staatsdiener in Ländern die jetzt „nach oben“ streben oder dort schon angekommen sind? Und wo ist dieses „Oben“ überhaupt? Im Himmel?
Wenn ich so ungebremst in meinen Fantasien schwelge, fallen mir, zwischen atomverseuchten Industrielandschaften, vor allem 73 Jung- oder sonst welche Frauen ein, bei denen ich mich gerne verkriechen möchte. Ganz unversehrt, bei vollem Verstand und ausgelassenem Bewusstsein. Ich gehe in Gärten spazieren die Träumereien erlauben, Gärten in denen es keine streikenden Arbeitnehmer, keine hochdotierten Chefs, keine erpressten oder bestochenen Politiker gibt, nur Blumen aus allen Bereichen des blühenden Lebens.

Es ist nicht weiter überraschend, daß ich jetzt untergehe. Eine Welle überflutet mich, eine Welle der Heiterkeit. Mir kommen die Lachtränen, wenn ich an meine Verfassung denke. Was bin ich doch für ein Trottel gewesen?! Prostituiert habe ich mich, sonst nichts! Im Bann falscher Werte und falscher Spiele bin ich aufgestiegen zu einem Arschloch von Rang. Meine Frau ist, obgleich sie sich von mir betrogen fühlt, verdeckt stolz auf mich. Ihre Kinder werden einmal eine Menge erben. Sie hat es geschafft. Ich hab’s geschafft. Wir sind geschafft! Wir sind „Opfer unseres Jahrgangs“ geworden, wie ein ebenfalls saublödes Sprichwort in diesem Fall besagen könnte. Was heißen soll: die Zeit hat ihren Tribut gefordert und sie hat ihn widerspruchslos erhalten.

Ich bin so froh! Auf diese Weise waren wir wenigstens beschäftigt. Das Leben verging – wir mussten nur daran glauben. Und wenn wir eines Tages dran glauben müssen, dann wär’s, glaub ich, besser, ich hätte nie was gewusst. Die, aus meiner Stellung resultierenden, Ergebnisse – so oberflächlich sie auch sein mögen – hätten eben reichen müssen um mich sanft und zufrieden entschlafen zu lassen.

Doch nun dieser Zwiespalt. Wie soll ich meine persönliche Geschichte denn jetzt beurteilen? Was hätte ich tun sollen? Etwas entwickeln das ich nicht hatte? Halte ich doch erst seit 3 Tagen den Hörer zu meiner Inneren Stimme in der Hand. Sie sagt mir: du bist schuldig! - anders wärst du machtlos gewesen! Ja, wäre ich anders gewesen, dann stünde ich gegenwärtig vor einem nie wirklich begonnenen Anfang. Mit anders beschmutzter Seele würde ich auf eine lange Liste verpasster Chancen glotzen und ich würde mir wünschen zu dem geworden zu sein was ich jetzt nun mal bin: ein Mörder meiner Welt, meiner Spezies, meiner selbst!

Digitale Kunst
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Kommentare

27. Jul 2015

Auch A - Meisen, sie haben Meisen!
Wie Mensch - Termiten uns beweisen...

LG Axel

27. Jul 2015

Denken ... schenken ...?

Vorrang haben "Essens"-Dinge,
weil ohne sie - man gar nichts "bringe" ...
Auch, wenn es manchen Frust beschert:
Man denkt erst, hat man was verzehrt.

Doch zum "Verdauen" gehört dann mehr,
'ne neue Studie gibt das her:
Man hat gefunden, selbst bei Termiten
gibt es tatsächlich (!) Individuen!

Den, der faul vor dem Loch rumlungert
und - dank der andren - nicht verhungert,
wie den, der unermüdlich rackert,
wer "faul" ist, an den Hügel tackert.

Und auch bei Bienen gibt es diese:
Dieselbe stets befliegt die Wiese,
dieselbe andre lungert dumm:
Na? Faul vor dem Loche rum ...

Doch eines ist noch nicht bekannt:
In wieviel mehr sind die verwandt
mit einem Menschen? Und dem Denken?
Oder ob beide sich das "schenken" ...?

© noé/2015 Alle Rechte bei der Autorin

28. Jul 2015

Ob Bienen, Wespen oder meisen -
von A bis Z, das will nichts heißen,
alle lungern vor dem Loch -
wer irrt, der trägt ein schweres Joch!

LG Alf

28. Jul 2015

Ob Bienen, Wespen oder Meisen -
von A bis Z, das will nichts heißen,
alle lungern vor dem Loch -
wer irrt, der trägt ein schweres Joch!

LG Alf