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Was einem Stein so langsam zu denken gab Oder Miss Mutig und die kranken Gedanken

Bild von Alf Glocker
Bibliothek

„Was geht dir denn im Kopf herum?“, fragte Stein, ahnungslos wie immer! Denn Miss Mutig machte keinen missmutigen, sondern einen traurigen Eindruck! „Nichts!“ log die Miss. Das machte sie immer, wenn sie sich kurz vorher erkundigt hatte, warum Sohwass von Schlapp gerade so nachdenklich aussah. Er musste dann schnell eine Geschichte erfinden und diese so ausführlich schildern, wie es nur ging – also solange, bis Miss Mutig gelangweilt war und zornig wurde, weil sie wieder mal nicht in Steins Gedanken vorkam – dabei stimmte das gar nicht.

Tatsächlich war der schlappe von Schlapp gedanklich damit beschäftigt gewesen, wie er den Launen der Miss heute wohl am besten ausweichen könne. Nachdem er das jedoch nicht gut verraten konnte, erfand er eben eine Ausrede. Er denke, so gestand er hinterhältig, über einen Traum nach, der ihn heute Nacht heimgesucht hatte. Der Traum handelte von riesigen Elefanten, die ihm nachstellten – wobei er immer nur eine wackelige Hütte im Traum als Unterschlupf angeboten bekam. Da war guter Rat teuer, denn wacklige Hütten zu zerstören ist für Elefanten überhaupt kein Problem …

Der Zorn überkam die gute Miss sehr schnell, denn sie wollte stets den „korrekten“ Umgang pflegen. Und der beinhaltete ein absolut faires Verhalten ihr gegenüber ... nichts anderes! „Fair“ bedeutete für sie, daß sie nichts erklären musste, absolut nichts, absolut niemals! Etwas erklären zu müssen, ihre Gedanken preiszugeben, das kam für sie einer Erpressung gleich, wenn nicht gar einer heimtückischen Verfolgung. Vor allem durch Stein, der sie mit seinem ewigen Hass grausam bestrafte, der ihr kaum etwas zugestand und sie andauernd nur kritisieren wollte. Sie musste sich schwer in Acht nehmen, daß er nicht unentwegt auf ihr herumhackte!

Zum Ausgleich sah sich Miss Mutig dann ihre Lieblingssendungen im Fernsehen an, wo es meistens um Sterbehilfe bei unheilbaren Kranken ging. Auch Sendungen über klösterliches Leben gefielen ihr gut, oder – wie sei es nannte „Roadmovies“, in denen uralte Männer in uralten Wohnmobilen auf sehr kleine Reisen gingen, weil sie ja keine Kraft mehr für größere Unternehmungen hatten. Satire-Sendungen waren ihr von Herzen zuwider, ebenso authentische Historienfilme oder Wissenschaftssendungen. Da musste sie sich manchmal auch nicht mehr aufregen, als wenn Stein sie mit seinen komischen „Theorien“ langweilte. Was der alles daherfabulierte …

Warum er einfach nicht wusste was er tun könnte, um wenigstens den Hauch gegenseitigen Verständnisses aufkommen zu lassen, war und blieb ihr ein Mysterium. Vermutlich konnte er einfach kein Einfühlungsvermögen entwickeln und das auch noch am wenigsten bei ihr – wo es doch am erforderlichsten überhaupt gewesen wäre. Die Kommunikation mit ihm erwies sich, aus ihrer Sicht, durchgehend als unmöglich, als nutzlos und unverschämt!

Natürlich gab es dafür auch Beispiele. Das letzte Gespräch war ihr Beweis für Steins gefühlloses Verhalten genug…
„Hast du grade ein Wasserwaage?“, sagte sie freundlich. „Ja, hab ich – wozu brauchst du sie denn?“ bedrängte sie der Stein.
„Ich will eine Wasserwaage haben, verstehst du das denn nicht?!“ Gab Miss Mutig zurück. Was wollte er denn schon wieder von ihr?
Stein ließ nicht locker: „Doch, kannst du mir nicht sagen, wozu du sie brauchst, ich möchte an deinen Gedanken teilhaben …“

Die Miss fing vor Erregung zu zittern an, so wie sie immer zitterte, wenn sie gemeinsam etwas machten, ein Paket vorbereiten, z. B. Meist ging es ihr nicht schnell genug, oder sie konnte nicht mit ansehen, daß Sohwass von Schlapp vorsichtig und scheinbar wohlüberlegt zu Werke ging„ wo er doch gar nicht richtig überlegen konnte. Wer konnte das besser als die mutige Miss?!

„Immer wenn ich eine Wasserwaage will, dann wird mein Wunsch abgeschmettert, das ist doch nicht zu fassen!“ rief, nein schrie sie.
Stein erschrak. Was sollte er jetzt machen? „Wieso abgeschmettert?“ jammerte er. „Ich habe doch gar nichts abgeschmettert, ich wollte doch bloß auch wissen, was du damit machen möchtest.“

Viel später stellte sich heraus, daß sie ganz einfach den Wohnzimmerboden testen wollte, ob er auch ganz gerade verlief und nicht etwas wellig oder abschüssig, denn die neuen Drehsessel – erst vor einem halben Jahr angeschafft – waren bereits marode … wofür sie sich beim zuständigen Möbelhaus beschweren wollte, weil der unfähige Stein dazu ja (noch) nicht in der Lage gewesen war. Er tat nie etwas, von dem sie glaubte daß es JETZT und nicht erst morgen zu geschehen habe – und manchmal tat sie es demonstrativ bevor Sohwass dazu kam, und sei es auch nur, um ihm wieder einmal zu zeigen, wie faul und gedankenlos er auf dieser armen Erde herumlebte!

Stein fing an resignierend zu begreifen: Hier ging es gar nicht darum, daß man nicht verstanden werden wollte, sondern darum, daß man gar nicht verstanden werden konnte … es ging also um eine chronische Krankheit! Vor vielen Jahren hatte die mutige Miss, nach einem verzweifelten Suizidversuch (weil der Stein mal wieder gefühllos zu ihr gewesen war) die Diagnose „Borderline“ erhalten. Das gestand sie dem blöden Stein grinsend, nach einem Psychiaterbesuch, der auf ihren Krankenhausaufenthalt erfolgt war …

Aber der tatsächlich Armeselige im Geiste, Sohwass von Schlapp, alias „Stein“, war damals nicht sehr besorgt gewesen. Völlig dämlich meinte er – und er nahm die Miss dabei liebevoll in die Arme – „Das werden wir schon hinkriegen, Schatz!“

Miss Mutig hatte ihn damals hintergründig und vielsagend, aber nichts eingestehend, nur angelächelt und mit den Schultern gezuckt. – was Stein wiederum für eine Aufforderung zur Hilfestellung seinerseits auffasste und neuen Mut schöpfte. Sie waren noch nicht lange zusammen und sie hatten das ganze Leben ja noch vor sich. Da konnte sooo viel Positives passieren! Außerdem heilt die Liebe manche Wunden und eröffnet eine Menge Perspektiven … wenn man nur will. Und warum sollte eine kluge Frau wie Miss Mutig nicht wollen?

Das weitere Zusammenleben gestaltete sich jedoch – wider Steins Erwarten – für beide als sehr schwierig, denn er machte immer wieder schwere Fehler! Wie anders sollte er, der Arme im Geiste, sich denn sonst die vielen ablehnenden Protesthaltungen im Bett, die zahllosen Weinkrämpfen aus heiterem Himmel und die permanente Unzufriedenheit mit Steins schlechtem Charakter, denn erklären, als daß er fortgesetzt grausame Fehler machte, was die Beziehung betraf?! Nachdem er sich jedoch für flexibel und anpassungsfähig hielt (welch ein Irrtum) glaubte er an eine baldige Lösung der Probleme und an eine baldige Lösung der Probleme, wie er auch nach der nächsten Katastrophe auch an eine baldige Lösung der Probleme glaubte.

Öl / digital
Veröffentlicht / Quelle: 
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Interne Verweise

Kommentare

27. Dez 2020

Gefährlich, der Elefant im Hause -
Besonders, heißt er "Bertha ... "

LG Axel

31. Dez 2020

Keine Angst vor großen Tieren,
oder ab, auf allen Vieren...

LG Alf

31. Dez 2020

An der „Grenzlinie“ hat alles sofort (JETZT und nicht erst morgen) zu geschehen, was gerade in den Sinn kommt.
Eigentlich mußt Du es vorauseilend erledigen, wenn Du nicht faul und gedankenlos sein willst (sonst „liebst Du mich nicht wirklich“).
Du mußt es mögen, selber grundsätzlich wertlos und schuldig zu sein, dann wirst Du dafür auch himmlisch belohnt…
LG Karl

31. Dez 2020

Passt!!
nur die himmlische Belohung bleibt wahrscheinlich aus...

LG Alf