Weil Tische nicht existieren - Liebe und anderes surreales

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Warum lieben wir bestimmte Menschen? Hast du dich das mal gefragt? Warum liebst du deine Frau? Deinen Mann, deinen Lebensgefährten? Jetzt werden dir vielleicht ein paar Eigenschaften an ihm oder ihr einfallen, und diese Fragen damit beantworten, dass er oder sie besonders aufrichtig, liebevoll oder humorvoll ist. Sicherlich wird jedem etwas einfallen. Egal ob er aktuell in einer Beziehung ist oder nicht. Aber was ist wenn du wirklich, und ich meine WIRKLICH, auf eine Antwort angewiesen bist? Wenn von dieser Antwort mehr abhängt als "nur" ein paar schöne Worte, aus denen man dann eine nette Liebeserklärung basteln kann. Was ist wenn plötzlich dein Job davon abhängt? Dein Ansehen bei deinen Mitmenschen? Der Respekt von deinen Kollegen, Freunden und Familie? Oder auch der Glaube an deinen "gesunden Menschenverstand"? Was ist wenn du plötzlich gezwungen bist, tief in deine eigenen Abgründe und Beweggründe vorzudringen um eine Antwort auf diese Frage zu finden. Eine Frage, auf welche die meisten Menschen kaum so tiefgehend antworten könnten. Geschweige denn, dass sie sich überhaupt Gedanken darüber machen würden. Du aber musst es nun. Weil deine Gefühle der breiten Masse nach nicht normal bzw. nicht "erlaubt" sind.
Nun, vermutlich wirst du anfangen tausende Gedanken und Ideen zu sammeln. Und ja, du wirst ebenso viele Antworten finden. Gründe, Erklärungen. Sie alle werden und SOLLEN dazu dienen, dir klar zu machen, dass deine Gefühle eigentlich nicht echt sind. Vermutlich verwechselst du da etwas. Projezierst etwas auf diese Person was vermutlich nicht real ist und einfach nur Ausdruck deiner unerfüllten Wünsche und Bedürfnisse ist. Die Gründe dafür kannst du dann solange durchanalysieren bis du wirklich nicht mehr weißt was du fühlst oder fühlen sollst. Alles wird runterrationalisiert bis zur unkenntlichkeit. Alles unter dem Leitsatz "Du darfst diesen Gefühlen nicht nachgehen. Es ist falsch"

Ich rede von Liebe zwischen Therapeuten/Pflegern/Ärzten und ihren Patienten. Es ist ein heikles Thema. Und ich habe lange darüber nachgedacht ob ich es hier ansprechen soll. Weil es mich selbst betrifft und einer Art Beichte gleich kommt. Eine Beichte für die man um Vergebung bitten muss. Aber das möchte ich nicht mehr. Ich möchte micht nicht mehr dafür entschuldigen müssen, einen anderen Menschen für das zu lieben was er ist. Auch wenn er mein Patient ist oder war.
Ich möchte damit nicht sagen, dass es keine berechtigten Gründe bzw. Einwände gegen solche Beziehungen gibt. Natürlich stellt die Arbeit, im professionellen medizinischem oder psychiatrischem Setting, keine Partnerbörse dar. Und ich sage auch nicht, dass man sich einfach immer blind seinen Gefühlen hingeben soll. Es gibt gute Gründe dafür, warum solche Konstellationen nicht vorgesehen und untersagt sind. Und umso wichtiger ist es auch, sich wirklich Gedanken um seine Gefühle und um die Gründe dafür zu machen. Ja. Man muss zu jeder Zeit wissen was man tut und warum. Und dann auch die Konsequenzen tragen können.

Aber eine Sache rückt häufig in den Hintergrund. Wir sprechen hier über Menschen. Nicht nur über Diagnosen und Krankheitsgeschichten. Wir lernen sie kennen. Und manchmal lernen wir dabei vielleicht auch mal jemanden kennen, der uns mehr berührt als wir es wollten. Der Dinge in uns auslöst ohne das wir damit gerechnet hätten. Einen Menschen der unser ganzes Leben auf den Kopf stellt und Chaos hinterlässt. Gutes, schönes Chaos. Du siehst plötzlich einen Menschen in seiner ganzen Schönheit und unverhüllten Natur vor dir. Du siehst ihn mit all seinen Facetten, hellen und dunklen Seiten. Und stellst fest, dass er oder sie das faszinierenste ist, was du je gesehen hast. Und das wundervollste...
Ist das falsch? Ist das pathologisch? Ist das unmoralisch? Muss es um jeden Preis verboten werden?

Guck dir deinen Partner an? Warum liebst du ihn? Seid ihr frei von Projektionen? Siehst du in ihm oder ihr nicht auch etwas, was vermutlich nur du siehst? Erfüllt dein Partner nicht auch bestimmte Bedürfnisse in dir? Kennst du jeden einzelnen Beweggrund in dir? Würdest du dir darüber überhaupt Gedanken machen? Was ist Real an deinen Gefühlen und was nicht?

Der Buddhist sagt "Tische existieren nicht" - Und deswegen liebe ich dich.

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