Zwei wahre Geschichten

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Ich las kürzlich eine Geschichte über einen Mann, dessen Nachname mit „Hochachtungsvoll“ angegeben war, was zu ständigen Irritationen bei seinen Briefempfängern geführt haben soll. Die Idee dazu war gut, wird aber im echten Leben meist sogar weit übertroffen.

Mir stand vor Jahren „Reiner Zufall“ persönlich gegenüber und schrieb sich auch auf Nachfrage wirklich nicht wenigstens „Rainer“. Was sich seine Eltern DABEI wohl gedacht haben – wenn sie überhaupt zu denken fähig waren?

Und im Familienkreis kursierte folgende, noch ältere Geschichte:
Ein „Herr Kreuzwendedich Hermann“ bekam eine hoch offizielle Rechnung mit der Anrede „Sehr geehrter Herr Kreuzwendedich“ und beschwerte sich umgehend massiv, fast unflätig, telefonisch bei dem Absender (vielleicht durch entsprechende Vor-Erlebnisse vorgeschädigt), dass er 1. einen so vertraulichen Umgang nicht gewohnt sei, mit seinem Vornamen angeredet zu werden, und 2. es ja wohl hinlänglich bekannt sei, dass zwischen dem Vor- und dem Nachnamen kein Komma gesetzt werde, daher eindeutig zu erkennen gewesen sei, dass sein Nachname "HERMANN" laute!!! (Mehrere „Verdammt noch mal“ wurden zwar nicht verbalisiert, konnten aber dem Tonfall des Telefonats durchaus entnommen werden.)

Eine Recherche des darob sehr betroffenen wie eingeschüchterten Absenders (einem Verwandten von mir, daher aus erster Hand und also verbürgt) im örtlichen Telefonbuch ergab, dass der arme Mann dort tatsächlich unter "H" als "HERMANN, Kreuzwendedich" eingetragen war. Das Rätsel lautete fortan: Wer gibt seinem Kind einen SOLCHEN Namen???

Die Spekulationen im Familienkreis gingen dahin, dass seine sehr gläubigen Eltern HERMANN wohl nach dem Sterben ihres 7. Kindes im Säuglingsalter "Kreuz-wende-dich" gefleht haben mögen und als Gott (oder das Schicksal) dieses tatsächlich erhörte, sich genötigt sahen, ihrem 8. Sprössling eben diesen, wohl ihn schützenden Namen zu geben.

Das sind nicht nur zwei wahre Geschichten, familienintern wurde „Kreuzwendedich-Hermann!“ gar zum allgemein verwendeten Ausruf in Situationen höchster Bedrängnis oder Verzweiflung und bedurfte keiner weiteren Erklärungen.

© noé/2021

Ein Hinweis sei erlaubt:
Die eingangs zitierte, sehr amüsante Geschichte las (und kommentierte) ich bei
Gherkin Green: https://www.literatpro.de/prosa/hochachtungsvoll-150121
Danke, Gherkin Green, für diesen Anstoß!

Interne Verweise

Kommentare

15. Jan 2021

Auch Bertha Krause kocht - vor Wut:
Sucht sie ihr "H"! (Das geht nicht gut ...)

LG Axel

16. Jan 2021

Dir, liebe noé, danke ich für diesen köstlichen Beitrag.
Prima, dass Du noch den Querverweis bringst. Dein
kleiner Ausflug in die Groteske steht Dir gut zu Gesicht.
Kannst ruhig mal öfter dorthin verreisen. Denke, (auch)
das passt zum Gesamtwerk.

Den Kreuzwendedich werde ich so schnell nicht mehr
aus dem Kopf bekommen.

Heftige Grüße von Gherkin

16. Jan 2021

Hey, ist es nicht schön, wenn sich zwei Autoren
gegenseitig die Bälle zuwerfen? Wir könnten ja
ruhig öfter mal was zusammen schreiben. LG

16. Jan 2021

Das ist wirklich groß, wie freundlich du meine "Einmischung" aufnimmst. Ein Problem sehe ich nur darin, dass ich nicht über das Ausmaß deiner Phantasie verfüge; ich kann bloß gut formulieren (denke ich). Und, ganz echt: Die beiden Geschichten oben sind NICHT ausgedacht, nicht mit einer Silbe!

16. Jan 2021

chapeau - Dir liebe * noé * trefflich weitergedacht, auch ich lasse mich ab und an inspirieren, warum auch nicht ;-))