Ein alyrischer Tagebuchausriss - 1. Tag

von Peter H. Carlan
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- Erwachen -

ich wringe die nacht aus den augenringen

wasche mich mit dem wasser,
das von der decke tropft

den Kerl im Spiegel erkenne ich nicht,
ich zeig ihm die zähne, ich lache ihn aus
und suche die socken unter der bettstatt

ich werfe die tränensäcke über die schultern,
der hosenträger kratzt am schulterblatt

ich fülle den tau aus frühreifen tulpenkelchen
henkellos in die tasse und füge
einen teelöffel kaffee
aus frisch gemalten bohnen hinzu

ich schnalle den gürtel enger,
denn ein harter tag
erwartet mich
*
Einblick in die Arbeitswelt:

ein tagwerk, ein morgen
ein morgen, ein joch

ein tagwerk ein, ein tagwerk aus
*
Abendstunden

ach, wäre doch mein zimmer
ein cabrio,

wir liebten uns nackt
unterm
sternenzelt

nur das mond
schaute
zu

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Kommentare

01. Apr 2020

Peter H.,
dass "Alyrisches" derart hochpoetisch und lyrisch ausgedrückt werden kann,
das hast du echt toll zuwege gebracht! Gratuliere!
LG Uwe