Saul

von Else Lasker-Schüler
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(Meinem blauen, blauen Reiter Franz Marc)

Über Juda liegt der große Melech wach.
Ein steinernes Kameltier trägt sein Dach.
Die Klageweiber treiben hoch und heulen.

Und ohne Leuchte sinkt die Nacht ins Grab,
Sauls volles Auge nahm zur Scheibe ab.
Die Katzen schleichen scheu um rissige Säulen.

Vor seinen Toren aber stehen die Hethiter.
– Er zwingt den Tod, den ersten Eindring nieder –
Und schwingt mit fünfmalhunderttausend Mann die Keulen.

Nach der Bibel war Saul um 1000 v. Chr. der erste König Israels. Bisher gibt es keine außerbiblischen Zeugnisse für die Existenz dieses Stammesfürsten oder Königs. Die zeitlich genaue Fixierung seiner Regierungszeit ist ebenfalls extrem schwierig.

Veröffentlicht / Quelle: 
Gesammelte Gedichte, S. 20; Verlag der Weißen Bücher 1917

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