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Das Auge

Bild von Anouk Ferez
Bibliothek

Im tiefen Dickicht der Gedanken,
wo fahles Mondlicht durchs Geäst
sich zwängt und all die wilden Ranken
in nebulösem Dämmer lässt,
klafft unerwartet eine Lichtung
zwischen Wirklichkeit und Dichtung
und hält zentral ein „Auge“ fest:

Als schwarzer See liegt es umschlossen,
von Emotionen die lindgrün
– von fernem Sternenlicht begossen –
sich bis zum dichten Buschwerk ziehn.
Pupillengleich, doch Sicht nach innen,
erblickt es wie sich Nebel spinnen,
die dem Kopf als Traumgespinst entfliehn.

Und nur dies Auge schaut mein Wesen,
das anderen bekannt nur SCHEINT
- im Glauben meinen Geist zu lesen,
zu wissen was mein Ausspruch meint.
Es ruht im Walde der Gedanken,
wo sich wirre Triebe ranken,
als Glied, das mich mit mir vereint.

Anouk Ferez 2014 All Rights Reserved

Interne Verweise

Kommentare

01. Jun 2016

Die Welt erblickt sich durch unser Auge. Ein wundervolles Gedicht. Liebe Grüße, Johanna

01. Jun 2016

Danke fürs Lesen und Kommentieren, liebe Johanna,
ganz liebe Grüße zurück
Anouk

04. Jun 2016

Liebe Anouk,

was für ein geheimnisvolles, ins immer dichtere Tiefdickicht führendes Gedicht; märchenhafte Psychophilosophie … mit so einem schönen Schluss:

"Es ruht im Walde der Gedanken,
wo sich wirre Triebe ranken,
als Glied, das mich mit mir vereint."

ich habe es mehrfach laut gelesen … und das fühlte und hörte sich schön an!

Liebe Grüße aus dem Schloss der Schneekönigin …

Mara

P.s.: warum schreibst Du nicht mehr bei … Du weißt schon wo?