Versuch über Frau R.

von Peter K.
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Neulich starb eine Dame
In einem schönen, großen Haus
Voll mit lauter Requisiten
der Komödie ihres Lebens.
Möbel trugen ihren Stolz,
Ihre Bilder strahlten vor Glück,
Ihre Kleider tanzten Lust,
Ihre Uhren tickten Zuversicht,
Koffer waren vollgestopft mit Träumen.
Doch die Wäsche roch nach Angst,
Aus den Büchern sprang der Zorn,
In den Blumen hing der Schmerz,
In den Ecken stand das Leid,
Geschirr wusch sie mit Tränen.

Jetzt liegt sie in der Erde
und auch der Stolz,
und der Schmerz,
das Glück,
der Zorn,
der Mut,
das Leid,
die Träume,
die Zuversicht,
und Schweiß und Hoffnung und Freude und Wut.

Der Erinnerung beraubt
Sind Möbel und Uhren
Sind Bilder und Bücher
Kleider und Koffer
Blumen, Wäsche, Geschirr, Töpfe
Ohne Wert.
Sie verschwinden
im hungrigen Schlund
eines Müllwagens.

(c) Peter K. 2020

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Kommentare

04. Mär 2020

Bestürzend deutlich, exzellent geschrieben.
Mir kommen jedesmal ähnliche Gefühle, wenn ich Hausrat und Möbel vor einer Tür zur Abholung liegen sehe: Das bleibt von einem Leben? Und nicht einmal das "bleibt".
LG Uwe

04. Mär 2020

Oftmals hielt das Mobiliar auch die Seele zusammen und in Lot. Jedes Teil hat seine Geschichte, die sehr eng mit seinem Bewohner verbunden ist, vor allem für die reifere Generation. Sehr gut in deinem Gedicht zum Ausdruck gekommen.

Beste Grüße - Jürgen