Die schlesischen Weber

von Heinrich Heine
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Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
"Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!"

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Kommentare

03. Sep 2017

Ja, lieber Heinrich,
ich glaube , die Schiffchen werden bald wieder fliegen ...

21. Okt 2017

Wir weben nicht immer
doch nur so daneben.
HEINRICH hatte den Schimmer
er muss uns vergeben !

19. Nov 2017

...gibt es denn heute keine Sklavenarbeiter mehr die Fußballarenen bauen, Giftmüll sammeln, mit bloßen Zehen Schrott zusammenklauben an Afrikas Küsten. Heinrich Heine glaubte an die bessere Zeit. Doch ein großer Optimist wurde später auch nicht mehr aus ihm.