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Ein Baum verlässt nur tot sein Land

Bild von Willi Grigor
Bibliothek

Ich war ein Kind, so fünf, sechs Jahre
- vielleicht war alles nur ein Traum -
Meine Mutter, die wunderbare,
erzählte mir von einem Baum:

"Es war im Land, wo wir einst wohnten,
die Linde stand am *Küchenhaus.
Und jedes Jahr die Blüten thronten
ganz dicht an dicht, so Strauß an Strauß.

Ich spürte oft die raue Rinde
ganz zart an meiner Mädchenhand.
Man nannte sie 'Die schöne Linde',
ein Irgendetwas uns verband.

Mein Kind, ich musst mich von ihr scheiden,
das Schicksal trieb uns aus dem Land.
Wer hatt' es besser von uns beiden..?

Ein Baum verlässt nur tot sein Land."

* Ein kleines, einfaches Häuschen, das im Sommer als Küche und Schlafstätte benutzt wurde.

© Willi Grigor, 2016
Aus dem Leben

Interne Verweise

Kommentare

04. Jul 2016

.. verlässt nur tot sein Land.
Dein Gedicht stimmt mich sehr nachdenklich, lieberWilli.

Liebe Grüße, Susanna

04. Jul 2016

Mich auch, liebe Susanna, nachdem die letzte Zeile sich so eindringlich aufgedrängt hatte.

Viele Grüße
Willi

25. Sep 2016

Alles hängt mit allem zusammen.

LG
Willi

25. Sep 2016

Ich hätte spontan "eindrucksvolle Zeilen" schreiben wollen - aber wie flach klingt das für die reiche Gefühlspalette, die du mit deinem eindringlichen Gedicht transportierst ...!

25. Sep 2016

Danke, das sind schöne Worte!