die welt im einweckglas

von Manfred Peringer
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einst war ich freigänger unter der sonne gott sprach
aus schäfchenwolken und flüsterte aus weiden engel
düsten im silbernen federkleid von pontius zu pilatus

jetzt spielt der wind alleine fußball auf den wiesen er
schüttelt die bäume damit sie applaus spenden es riecht
nach herbst und er lässt plastiktüten als drachen steigen

als sie sich verfliegen wringt er hilflos die wolken aus
allein zu leben macht keinen spaß die herabfallenden
blätter tragen trauerränder und die sonne geht unter

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Kommentare

05. Apr 2020

Kein Kommentar zum Thema "Drachen"!
(Sonst lässt es Krause wieder krachen ...)

LG Axel

05. Apr 2020

Hallo Axel,
"Auch Frau Krause könnte sich verfliegen,
dann herrschte in Haus und Garten Frieden,"
LG
Manfred

05. Apr 2020

Ja, wir sind eingeweckt, ohne zu wissen, wann das Glas geöffnet wird. Allein zu leben macht, auch nicht eingeweckt, keinen Spaß, jetzt ist es noch mehr Übel.
Wenn Stimmen fehlen, freut das Rauschen des Windes im Ohr.
Traurig Deine Zeilen, lieber Manfred, aber schön. :)

Herzliche Grüße
Ella

05. Apr 2020

Hallo Ella,
die vermeintliche Unbeschwertheit von "einst" ist vorbei, die Welt wartet -einem Einweckglas gleich- darauf wieder geöffnet zu werden. Doch wird sie noch die gleiche sein oder sind die Trauerränder der vielen tausenden (ungedruckten) Sterbekarten nicht doch zu viele, um einfach weiterzumachen wie bisher. Wollen wir wirklich die Gesundheit von Mensch und Natur weiter auf dem Altar des Profits opfern?
Danke fürs Hineinspüren und
LG
Perry