Maikäfertod

Bild von Annelie Kelch
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Es war ihr fünfter Streich
und er geschah im Monat Mai:
Der Frühling triumphierte in den Bäumen,
Maikäfer fingen an zu krabbeln und zu träumen
und lockten Max und Moritz ins Gehölz herbei.

Im Dorfe, neben Schulzens Molkerei,
lebte der gute alte Onkel Fritze.
Er kam von einer Sitzung spät nach Haus
und streckte sich bald hocherfreut im Bette aus.

Sogleich fielen dem braven Mann die Augen zu.
Die Nacht war mild; es duftete die alte Linde.
Ach, seufzte Onkel Fritz, jetzt hab' ich endlich meine Ruh'.
Zu Bett gegangen waren auch die Frau nebst Hausgesinde.

Was Onkelchen nicht hatte wissen können:
Max und Moritz - die von Geburt an wahre Plagegeister,
wurden nach jedem ihrer Streiche dreister noch als dreister
und wollten Oheim Fritz den guten Schlaf nicht gönnen.

Hatten am späten Nachmittag von einem Baume
herabgeschüttelt viele krabbelige kleine Käfer,
die sich zu schaffen machen sollten an dem Schläfer,
in eine Tüte aus Papier sodann gesperrt das Kreuchgetier
und unter Onkels Bettdecke versteckt am Abend gegen 10 Uhr 04.

Der Oheim schnarcht, die Käfer krabbeln mit Gebrumm
auf Onkel Fritzens Nase, Stirn und Aug' herum.
Der springt vor Grausen aus dem Bett, nimmt den
Pantoffel in die Hand, schlägt zu und wird zum Killer,
derweil bald das Gebrumm verebbt; es wird allmählich stiller.
Schon wenig später ist das letzte Käferchen perdu
und Onkel Fritze wird belohnt für seine „Müh'“:
Er schließt die Augen und schläft selig ein
und lässt die Leichen vor dem Bette Leichen sein.

Der sechste Streich ist noch ein wenig fieser,
doch nach dem siebten geht es Max und Moritz mieser:
Sie werden von der Mühle kurzerhand geschroten - klein wie nie.
Und Stück für Stück verputzt hernach sie Müllers Federvieh.

Und die Moral von der Geschicht':
1.
Hör' nach dem sechsten Streiche auf,
du Bösewicht!
2.
Man hüte tunlichst sich vorm siebten Streiche,
ansonsten wird man selber bald zur Leiche.

Das Gedicht ist gestern, 06.05.2017, entstanden; ich habe es heute korrigiert.

Die Bilder stammen aus meinem Wilhelm-Busch-Album
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Interne Verweise

Kommentare

06. Mai 2017

Dieser Text gelang Dir fein:
Busch würde begeistert sein!
(Drum tut ja Krause keinen Streich -
Die wird auch ohne Arbeit reich ...)

LG Axel

06. Mai 2017

Dank, Axel, dir, für deinen netten Kommentar,
die Krause Gott sei Dank nicht Witwe Bolte war.
Sonst wäre dieser fünfte Streich wohl nie passiert,
denn Witwe Bolte-Krause hätte Max und Moritz liquidiert.

LG Annelie

06. Mai 2017

Hoch lebe Wilhelm Busch und Annelie Kelch.! Ich frage mich, ob die Maikäfer am Aussterben sind, denn ich habe lange keine mehr gesehen. Vor langer Zeit gab es alle vier Jahre eine richtige Maikäferplage, das war dann zu viel, aber heute - vermisse ich sie.
Liebe Grüße, Marie

06. Mai 2017

Liebe Marie,
danke dir vielmals für deinen Kommentar,
du bist noch online, da.
Sie sollen sich wieder vermehrt haben, die Käferlein.
Der NABU schreibt im Internet: Sie sind wieder da!
Aber tröste dich, ich habe bislang auch noch keinen zu Gesicht bekommen,
außer im Wilhelm-Busch-Album und im Internet.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende für dich,
Annelie

06. Mai 2017

Der Wilhelm Busch ist dir gelungen,
und, nachdem er ist verklungen,
der sechste Streich war schon sehr fies
der siebte jedoch, war gemeiner,
man schrotete dann alles kleiner,
nein, was dem Willi im Kopfe rum schwirrte,
mich heute noch oft irritierte,
Die Lustigkeit,doch immerhin,
war für den Leser stets Gewinn !

06. Mai 2017

Lieber Alfred,
damals, als ich Kind war, so sechs, sieben Jahre alt, gab es sechs oder sieben oder gar mehr dicke Wilhelm-Busch-Bände, sehr schön anzuschauen von außen, zu kaufen, ich glaube, vom Bertelsmann-Verlag. Ich bekam sie an meinem sechsten Geburtstag geschenkt - und habe noch mit dreizehn Jahren darin gelesen, obwohl ich bereits alles auswendig kannte. Irgendwie hat mich dieser Humor geprägt. Die Bände gibt es längst nicht mehr, aber ich habe hier in Lübeck, in einem wunderschönen Antiquariat, vor einiger Zeit sehr preiswert ein großes Wilhelm-Busch-Album kaufen können und darf nun alles wieder nachlesen, was ich in den ganzen Jahren eventuell vergessen habe. Danke auch vielmals dir für deinen das Gedicht bereichernden Kommentar.

Liebe Grüße,
Annelie