Gott schützt die Liebenden ...*

von Annelie Kelch
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Als der Krieg zu Ende war, marschierte der Friede
ins Land und gab vor, von Dauer zu sein.

Er schürte das Feuer der Liebe unter den Völkern. –
Die Liebe verdrängte den Hass und linderte die größte Not.

Die besten Siege auf Erden tragen Menschen davon,
die ein Leben lang Freunde bleiben …
Bäume, die Orkanen trotzen, und jene Liebe,
die den Tod überdauert; sie besitzt den Habitus
einer seltenen Blume.

Mein Gedächtnis ignoriert permanent Zahlen und die
Namen all jener Straßen, darin ich vor langer Zeit
zu Hause war; auch hier – bin ich in Gedanken längst fort.

Stattdessen lernt es lyrische Fragmente, die mein Herz
fast pausenlos ans Hirn sendet – in und auswendig.

Seit knapp drei Monaten begleitet mich ein Schutzengel …
Ich gewann den Eindruck, dass er ständig an meiner Seite ist.

Ich möchte ihm an dieser Stelle danken – für alles, wovor
er mich bislang bewahrt hat; es war – weiß Gott! – nicht wenig.

Würde er mir höchstselbst unter die Augen treten ... ich ließe
mich aus Dankbarkeit vor ihm auf die Knie fallen.

Sogar mein größter Schmerz ist auf Reisen gegangen;
er hält es nicht mehr aus neben so viel Glück.

*„Gott schützt die Liebenden“ – heißt der Titel eines Romans von Johannes Mario Simmel

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Kommentare

07. Jan 2018

Ein starker Text - der wohl beweist,
Weshalb der Schmerz spontan verreist ...

LG Axel

07. Jan 2018

Ja, neuerdings hab ich 'nen Dusel,
wenn ich auf Leiter, Tisch und Stuhl rumwusel.
Das m u s s einfach ein Schutzengel sein;
denn früher hat' ich nie so 'n "Schwein".

LG Annelie

07. Jan 2018

Wenn man nicht nur ständig das Schlechte im Leben betrachtet, sondern die guten Erlebnisse, die Glücksfälle in den Vordergrund rückt - bekommt man unwillkürlich den Eindruck, einen Schutzenkel zu haben, Annelie. So geht es mir auch. Schon der Gedanke daran, geschützt zu sein, gibt Geborgenheit. Ich frage mich aber - womit hatte es die Frau von gegenüber verdient, keinen solchen himmlischen Beschützer zu haben, als sie so jung an einer plötzlichen Erkrankung starb, obwohl sie zwei kleine Kinder hat? Diese und andere Gedanken kamen mir beim Lesen deiner Betrachtungen in diesem Prosagedicht, das mich berührt.

Liebe Grüße - Marie

07. Jan 2018

Liebe Marie, danke für Deinen Kommentar. Solche Fragen stelle ich mir fast jeden Tag. - Zu Deinem geschilderten, sehr tragischen Fall: Woher wollen wir eigentlich wissen, dass es diese Frau jetzt nicht viel besser getroffen hat, in einem anderen Leben - zumindest aber ihre Seele. Selten können wir hinter die Kulissen schauen. Hart, so erscheint es uns, trifft es die Kinder. Aber ich weiß längst, dass wir nicht auf der Welt sind, um rundherum glücklich zu sein. Allerdings können wir uns ein Glück in unseren Herzen schaffen, ein Glück, das niemand sehen und uns neiden kann. Das ist das größte Glück. Es sind ja mitnichten das Geld und noch nicht einmal die "große Liebe", die uns glücklich machen können. Es ist unser eigenes Selbst. Wir können schon froh sein, wenn wir einigermaßen gesund sind, und wir wissen: NIEMAND hat UNGlÜCK verdient. Menschen schaffen es oft, nicht allein andere, sondern auch sich selbst, auch durch Unaufgeklärtheit, Neid etc. unglücklich zu machen. Möglicherweise treffen die Kinder dieser verstorbenen Frau später einmal Menschen in ihrem Leben, von denen sie wirklich geliebt werden, durch den Tod ihrer Mutter in ein Schicksal "versetzt", das sie anderenfalls nicht ereilt hätte. Es gibt zu viele Rätsel in diesem Leben; wir können nicht allen "auf die Schliche" kommen. Und das ist gut so.

Liebe Grüße zu Dir - und grübel nicht so viel, Marie.
Mach es dir einfach schön und freue Dich,
Annelie

07. Jan 2018

Liebe Annelie, du hast recht mit allem, was du schreibst, wie wir uns selbst (zugewandt!) betrachten, ist ausschlaggebend, ich bin auch keine Grüblerin im Prinzip, versuche nur, auch die dunkle Seite der Medaille im Auge zu haben, auch das kann schützen, man ist gewappnet ...

Liebe Grüße - die frohe Marie

07. Jan 2018

Ich schicke meinen Schutzengel meist auf Reisen zu den anderen (Familie), weil ich im Glauben bin, ich schaff es noch ohne ihn, aber hoffe doch, er ist da, was er schon war, wenn ich ihn wieder brauche ...

Viele liebe Grüße
Soléa

07. Jan 2018

Danke, liebe Soléa, für Deinen Kommentar. Ich glaube, dass jeder Mensch einen Schutzengel hat, sofern er dran glaubt. Oft hat man selbst im größten Unglück noch Glück, vielleicht findet man sogar im Tod das Leben. Was wissen wir denn schon großartig von diesen Dingen.

Liebe Abendgrüße zu Dir,
Annelie

08. Jan 2018

Mögen Schutzengel Dich weiterhin begleiten, liebe Annelie. Dieses Gefühl für die Anwesenheit guter Mächte gibt Geborgenheit, Lebenskraft und Sicherheit. Das tut einfach gut. Und stärkt vielleicht sogar die Aufmerksamkeit. Es ist doch schön, wie unser Gehirn uns schützt. Wodurch auch immer. >Was wissen wir denn schon großartig von diesen Dingen< ist Dein Fazit, dem ich mich anschließe.

Liebe Grüße,
Monika

08. Jan 2018

Vielen Dank, liebe Monika, für Deinen Kommentar. Ich stimme Dir in allen Punkten zu. Das Wunderbare daran ist, dass ich vor noch nicht langer Zeit stets, wenn ich mich "in Gefahr begab", Nachteile in Kauf nehmen musste. Aber seit kurzem bleibt selbst bei Hast und Eile mein Geschirr heil - und eine sehr waghalsige Aktion, die ich unternahm, um Gardinen aufzuhängen, endete zwar mit einem kleinen Sturz, aber ich blieb gänzlich unversehrt. Solche Wunder passieren mir in letzter Zeit immer wieder. Es geschehen tatsächlich noch - Zeichen und ...

Liebe Grüße zu Dir und Khalessi,
Annelie

08. Jan 2018

Und manchmal
steckt ein klitzekleines Glück
auch im UNGlück
Nur aufmerksam zu sein,
für dieses Glück, daran fehlt es manchmal,
und deswegen ist es schön, es auf diese Weise
wieder einmal in Erinnerung gerufen zu bekommen

LG Yvonne

09. Jan 2018

Liebe Yvonne, das hast sehr richtig erkannt, meine ich, und auch gut geschildert. "Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn", sang Katja Ebstein vor vielen Jahren. Man kann, beispielsweise in einem Krankenhaus, einem Menschen begegnen, der/die später die beste Freundin, der beste Freund wird oder während eines Verkehrsunfall die Liebe seines Lebens treffen. Oder die Spenderniere, auf die Kranke sehr lange warten mussten (müssen), trifft ein. Oder man verläuft sich in einer fremden Stadt, kehrt in ein Geschäft ein, um nach dem richtigen Weg zu fragen, und hat ganz plötzlich einen Arbeitsplatz, weil gerade "Not am Mann ist". Das ist sicher alles schon oft so passiert.

LG Annelie

11. Jan 2018

...und nicht nur solch glückliche Zufälle, auch die bewusste Suche nach dem Positiven, dem Glück, scheint mir von Bedeutung zu sein. Natürlich ist es schlimm, sich ein Bein zu brechen etwa, doch wenn man dadurch, zur Zwangsruhe verpflichtet, zu einer inneren Einkehr gelangt, sich bewusst von Stress und Hektik, die nicht unwesentlich sind für manche Unfälle, ein wenig abwendet, kann auch ein solches Unglück durchaus zu etwas Gutem führen...

LG Yvonne

12. Jan 2018

Liebe Yvonne, ich persönlich habe durch den Bruch meines Sprunggelenks erfahren dürfen, dass mein Sohn Christian nicht allein körperlich in der Lage, sondern auch - trotz meines Protests - ohne jegliches Zögern entschlossen war, mich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus über die Schulter zu werfen und mich vier Treppen hoch in seine Wohnung zu tragen, obgleich er selbst "nur ein schmales Hemd" ist - und dass ich in seiner Wohnung bleiben durfte, bis ich - einigermaßen - mit den Krücken die Treppen bewältigen konnte. Das war eine sehr positive Erfahrung - weil wir oft Meinungsverschiedenheiten hatten und leider immer noch haben. - Aber auch ich hätte ihn mit Krücken selbstverständlich nicht auf der Straße stehen lassen, sondern eine Lösung gefunden.

Liebe Grüße,
Annelie