Die Eibe

von Jürgen Wagner
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Rot getupft steht sie im Garten
Immergrün schmückt sie mein Haus
Zur Freude vieler Vogelarten
Doch giftig für uns überaus!

Im Überleben wahrer Meister
Mit wenig kommt sie gut zurecht
Der Mensch jedoch wurd' immer dreister
So überlebte sie nur schlecht

Der Stock schlägt aus, wenn’s einmal nötig
Ihre Wunden heilen schnell
Unter Bäumen ist sie König
Steht tausende Jahre - eventuell

Ein jeder Ast kann neu ausschlagen
Wenn er einmal die Erd’ erreicht
So lebt sie sozusagen
Ewigkeiten – scheinbar leicht!

Das Holz ist hart, war schwer begehrt
Das Wachstum langsam, aber stetig
Einst war sie heilig, hochverehrt
Heute sind wir ihr nur gnädig

2013-16 - Die Eibe ist ein langsam wachsender, immergrüner Baum, häufig mit mehreren Stämmen. Durch die außergewöhnlichen Regenerationsfähigkeiten des Baumes ist eine Altersbestimmung nicht leicht, geht aber auf jeden Fall in den vierstelligen Bereich (2000-4000 Jahre). Wenn ein Ast – oft über Jahrhunderte – dem Boden entgegen wächst, kann er ihn berühren und Wurzeln schlagen. Er stützt zunächst den Baum, aber dieser neue Wurzelstock kann auch selbst ausschlagen und zu einem Baum werden.

Die Eibe wurde seit jeher zum Bogenbau verwendet, auch für Speere und Pfeile. Außerdem vergiftete man deren Spitzen gern mit dem Gift der Eibe. Dies war ein Grund für deren Abholzung. Zudem wurde sie wegen ihrer hohen Giftwirkung (für Mensch und Nutztiere, nicht für Rehe) in manchen Regionen nahezu ausgerottet. Wenn man mit Kutschen und Pferden früher rastete, knabberten die Pferde gerne an Ästen, doch wenn sie Äste der Eibe erwischten, vergifteten sie sich selbst und fielen nach einer Weile einfach tot um. Das fanden besonders die Kutscher sehr ärgerlich, weshalb sie alle Eiben, die sie sahen abholzten und die Eibe somit fast ausrotteten. Noch heute ist die Eibe eher selten, man findet sie einzeln an Waldrändern oder auch in Mischwäldern und Parks. Sie ist dabei im Flachland und den Mittelgebirgen im gemäßigten Klima zuhause. Da sie kein besonders gefragtes Nutzholz liefert und wenig ertragsreich ist, wird sie nicht gezielt in Wäldern angepflanzt. Es gibt aber durchaus Projekte, um das Überleben der seltenen Eibe zu sichern. Sie steht in Deutschland unter Naturschutz.

Den Kelten galt die Eibe fast als Gottheit - selbst als Baum des Todes schreckte er sie nicht. Denn für die Druiden war sie ein Symbol der Ewigkeit, der Überwindung des Todes durch die Weisheit.

Veröffentlicht / Quelle: 
Aus 'Baumgedichte' - Berlin 2014
Foto: © bigguns/fotolia

Rezitation:

Rezitation: Sprache, Musik und Aufnahme: Jürgen Wagner
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Interne Verweise

Kommentare

Jolanthe
08. Apr 2016

Hier wurden Sachinformationen in poetische Vierzeiler verwandelt, die Wesen und Wunder der Eibe aufleuchten lassen. Sitmme und Musik des Autors versetzen uns in eine wohltuende, ehrfürchtige Zeitlosigkeit.
Ein ganz großes Geschenk!
Großen Dank an Jürgen Wagner!
Jolanthe

08. Apr 2016

Es ist mein Anliegen, etwas vom Wesen der Eibe einzufangen und es in eine gute Sprachform zu kleiden. Sie stand in unserem Vorgarten, so dass ich fast 20 Jahre mit ihr war. Sie sagte mir am Anfang nicht viel, erst als ich mehr über sie wußte, hat sie mich so richtig ins Staunen versetzt. Statt eines Weihnachtsbaumes haben mir ein paar ihrer Zweige immer die Festzeit begrünt. Ich danke herzlich für die wertschätzenden Worte! Jürgen Wagner