Die Eiche

von Jürgen Wagner
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Die Eiche war ein heil'ger Baum
So kann man ihn noch immer noch schau'n
Robust und knorrig, mächtig, stark
Ein Riese, unbeugsam, autark

Dem Donnergott war er geweiht
Eintausend Jahr' zählt seine Zeit
Doch Bonifaz hat sie gefällt -
und die Entzauberung gewählt

Gibt's da noch einen Weg zurück,
ja wenigstens ein kleines Stück?
Ist uns denn heut' noch etwas heilig
Und war man einstens nicht voreilig?

***

Die Eiche ist noch immer da
und kommen wir ihr einmal nah
berührt sie uns mit ihrem Wesen
das wir vermutlich nie ganz lesen

Wie eine Eiche mag man steh’n
sich selber treu durch’s Leben geh’n
Ihr Laub schmückt uns're kleinen Münzen
Und Krieger es sich sehnlich wünschen

2014-16 - Als Symbol mit mythischem Charakter gelten die vielen „1000-jährigen“ Eichen. Diese bildeten heilige Haine und Einfriedungen von Höfen oder Gütern. Als Ort des Things und als Gerichtseichen haben sich diese Bäume weit in aufgeklärte Zeiten hinein gerettet. Eichenalleen kennen wir aus nördlichen und östlichen Ländern sowie aus den Niederlanden. Redewendungen wie "stark wie eine Eiche" oder "ein Kerl wie eine Eiche“ zeugen von der Symbolkraft des Baumes. In den alten Religionen, Mythen und Sagen war die Eiche ein heiliger Baum – häufig in Verbindung mit blitztragenden Göttern. Die Kelten sollen ohne Eichenlaub gar keine kultischen Handlungen vollzogen haben.
Bei der Bundeswehr findet man das Eichenlaub in Form eines Kranzes bei diversen Abzeichen wieder, bei unserer Währung auf den ein, zwei und fünf Cent Stücken.
Bonifatius (Apostel der Deutschen) fällte die Donareiche bei Geismar im Jahr 723, um den zu bekehrenden Heiden zu beweisen, dass ihr Gott ein ohnmächtiges Wesen sei, das nicht einmal seinen Baum schützen könne.

Veröffentlicht / Quelle: 
S. 'Baumgedichte' - Berlin 2014
Foto: © goodween123/fotolia

Rezitation:

Rezitation: Sprache, Musik und Aufnahme: Jürgen Wagner
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