unvergleichlich oder: Reflexion über Sinn und Zweck von Liebesgedichten beim Verfassen eines selbigen

von Kathleen Posvic
Mitglied

Du bist mir nicht ganz unsympathisch
ich find dich frei heraus gesagt fantastisch
in jedem Falle sehr adrett
stets eloquent und durchaus nett.
Und so relativ oder sogar primitiv
dies zu sagen dir erscheinen mag:
du bist unheimlich attraktiv.

Dies beschreibt den Fall
vielleicht schon genauer als all
die anderen Liebeslieder, die ich mit steigender Frequenz konsumiere,
die aber nur unzureichend korrespondieren
können mit allem, was uns zwei verbindet,
mit dem, was ein Individuum am andern findet.

Statt weiterhin Adjektive aneinanderzufügen,
muss von nun an ein Wort genügen.
Lass mich versuchen, es damit zu beschreiben
ob's gelingt? Nun, du darfst entscheiden.

Anstelle von hübsch und treu und liebenswert,
von farbenfroh und unbeschwert,
von fantasievoll und loyal
versuchen wir es jetzt einmal
mit unvergleichlich - was meinst du?

Kein Wort entspricht so passgenau
dem Gefühl in mir, das für Radau
im Herzen sorgt und ringsherum
wird's wohlig flau.

Unvergleichlich.
Unvergleichlich schön, denn du hast so ein reizendes Lachen
mal ganz zu schweigen von all den Sachen,
die unter deinen Sachen weilen
und die du gestattest mit mir zu teilen.

Unvergleichlich.
Unvergleichlich klug, denn du hast reiflich erwogen,
wer du bist, sein magst und dabei vorgezogen
dir treu zu sein, für dich einzustehen
und dabei auch inne zu halten um ganz genau hinzusehen.

Unvergleichlich.
Unvergleichlich warm, denn du hast reichlich Güte
zu verschenken und behütest
die dir etwas bedeuten mit Herz und Händen -
Liebe vermehrt sich, wenn wir sie verschwenden.

Unvergleichlich.
Unvergleichlich und daher unbeschreiblich.
Diese Begriffe erscheinen mir so sinnverwandt
wie das Meer, der Hafen und der Strand.
Unvergleichlich beinhaltet - rein semantisch betrachtet - die Schwierigkeit,
dass jeden Vergleich das Schicksal ereilt
am Ende doch nicht zu genügen,
die Intensität des Gefühls vielleicht sogar zu trüben.

Daher gibt es all diese Liebesgedichte,
jedes erzählt eine ganz eigene Geschichte.
Und keines scheint jemals vollständig zu passen,
das Gefühl, um das es geht, in eine Form einzufassen.
Sich doch drauf einzulassen und es zu wagen
befreit, macht glücklich, soviel kann ich sagen.

Das, was ich dir sagen will
kommt ganz am Schluss, recht leis und still.
Vielleicht versteht es sich von selbst, erschließt es sich?
Ich liebe dich.

Rechtshinweis:
Für diesen Beitrag ist eine unkommerzielle Nutzung erlaubt, alle Rechte verbleiben jedoch beim Autor/bei der Autorin.

Interne Verweise

Mehr von Kathleen Posvic online lesen

Kommentare

08. Jan 2018

Vielen Dank liebe Sabrina, glaub mir, selbst ich hab das Gefühl es mehrmals lesen zu müssen - ist beim Schreiben einfach so rausgeflossen ;-)
Dir auch einen wunderschönen Tag!