spurlos

Bild von Dirk Tilsner
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die zeit tilgt alle stunden
langes fluten der not
fallwege durchs gestrüpp
tief unter der haut

schon viermal alles drüber und
drunter nach-gewuchert
jedes blatt im gezweig

hin und wieder nur
eitert die kerbe
im mark

veröffentlicht in: silbende_kunst 22, ISSN 1869-9464, Juli 2020

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Kommentare

10. Aug 2020

Hallo Olaf
freut mich, dass dir auch dieses gefällt.

Vielleicht noch ein paar Worte: es gibt Schlimmeres, auf jeden Fall. Es gibt den Autoren hinter dem Gedicht, der hat sicher seine Erfahrungen gemacht hat und diese dichterisch verarbeitet. Wirklich wichtig ist aber, dass sich der Leser selbst im Gedicht wiederfindet. Siehe meine Übersetzung der „Auto-Psychografie“.

Denn eigentlich macht jeder Mensch irgendwann schmerzhafte Erfahrungen, die er verarbeiten und bewältigen muss. Da behauptet man gern ‚die Zeit heilt alle Wunden‘. Genau genommen geht das am eigentlich wichtigen Kern vorbei. Auch die schlechten Erfahrungen haben uns zu dem gemacht was wir heute sind und hoffentlich sind wir aus diesen sogar gestärkt hervorgegangen. Die Erinnerung an vergangenen Schmerz hat nicht zuletzt diesen Zweck, für die Bewältigung des Kommenden. Nichts bleibt wirklich spurlos und sollte es auch gar nicht.

Dankend lieben Gruß

Dirk