Wer hat Angst vorm Wolf

von Sigrid Hartmann
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„Ein Lamm, das stets Verdruss nur schafft,
das wird vom Wolf hinweggerafft!“
So hört es jedes kleine Schaf,
damit es artig ist und brav!

Ein schwarzes Lamm dachte bei sich:
„Das gilt ganz sicher nicht für mich,
denn ich bin mutig und gerissen,
mich hat noch nie ein Wolf gebissen!

Wenn ich ihn seh, dann lauf ich fort,
die Herde ist mein sicherer Hort!“
Als dann zur Nacht der Zaun gebaut,
hat es sich in den Wald getraut.

Kroch durchs Gebüsch, sah einen Hasen
blitzschnell durch dichte Sträucher rasen.
Ein Reh rannte an ihm vorbei,
als folgten ihm der Wölfe zwei!

Das Lamm lief zu der Lichtung hin,
auf die der Mond so silbrig schien.
Ein Häher rief hoch im Geäst –
da stand das Lamm verwurzelt – fest!

Ein Knurren war's, das es erschreckt –
hatte es jetzt der Wolf entdeckt?
Leis schlich heran eine Gestalt,
macht kurz vor unserem Schäfchen Halt!

„Was machst du nur, du dummes Tier,
nun komm doch einmal her zu mir!
Sei froh, dass Lotte dich gefunden,
die schlauste von den Schäferhunden!“

So sprach der Schäfer, trug es fort,
zur Herde hin, zum sicheren Hort.
Und Reh und Hasen sahen sich an:
„Zum Glück war’s nicht der Jägersmann!“

© Sigrid Hartmann

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Kommentare

10. Jan 2019

Beim Schafezählen schläft man ein -
Hier sicher nicht - Dein Text ist fein!

LG Axel

10. Jan 2019

Hab ich mit Spannung verfolgt, liebe Sigrid. Eine sehr schöne Geschichte in Versen - nicht nur für Kinder.

Liebe Grüße,
Annelie

12. Jan 2019

Das ist ja eine entzückende Geschichte, liebe Sigrid. Tröstlich, nicht nur für Kinder, wie auch Annelie schreibt, sondern gerade für Erwachsene. Wir brauchen dieses "Alles wird gut", gerade in so anrührenden Bildern.

Liebe Grüße, Susanna