Jetzt ist er tot

von Willi Grigor
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Alle tragen einen Traum in sich,
viele wissen es nur nicht.
Dieser zeigte sich 1970 und starb 2013:

Das Flugzeug war bereit zum Start,
ich saß ein bisschen eingezwängt.
Die Sitzbank war aus Holz und hart,
die Seitentür war ausgehängt.

Ich saß auf meines Engels Schoß,
wir waren zusammengebunden.
Er sagte mir: "Jetzt geht's gleich los,
es sind nur noch Sekunden."

Der Motor brüllte tierisch auf,
der Fahrtwind durch die Öffnung wehte.
Das Flugzeug schraubte sich hinauf,
wobei es weite Kreise drehte.

Wir rutschen bis zum Absprungloch,
Australien liegt unter mir.
Wir fallen in das Himmelsloch,
mein Traum wird wahr, im Jetzt, im Hier.

Nur zwei kurze Schrecksekunden,
dann dieser freie Fall!!
Ich wünschte mir, es wären Stunden,
das ging auf keinen Fall.

Ich schwebte abwärts mit dem Engel,
ich hing an seiner Brust.
Die Freude hatte keine Mängel,
die Himmelsfahrt war reine Lust.

Die Landung an der blauen Küste
im warmen Currimundi-Sand,
war weicher als zwei Frauenbrüste,
den Aufschlag hielt ich stehend stand.

Ich gab dem Engel, mit dem ich flog,
vom Himmel hinab zur Erde,
die Hand und dann nicht log:
"Ich's nie vergessen werde."

Mein alter Traum hat lang gehalten,
ich habe ihn stets gut gepflegt.
Bald war die Freude doch verhalten:
Jetzt ist er tot, ich war bewegt.

© Willi Grigor, 2015
Aus dem Leben

Siehe auch:
literatpro.de/gedicht/180318/ersehnt-und-vergangen
literatpro.de/prosa/110316/geschichte-eines-traums

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