GESELLSCHAFT

von Anna Rubin
Aus der Bibliothek

welch seltsame Versammlung
und wie vergnügt alle sind
man staune

der Hausherr ist blind und taub
und dennoch tut er so
als wüsste er über alles Bescheid

der Ehrengast ist ein Mörder
alle wissen es
keiner empört sich

der Tänzer hat ein Holzbein
das scheuert blutig seinen wehen Stumpf
und dennoch tanzt und springt er pausenlos

die Alten und Kranken prahlen
von ihren künftigen Taten
und spüren nicht die Fliegen
auf ihrem faulen Fleisch

man zieht den Vorhang vor das Fenster
denn ein Gerechter hat hineingeschaut

dieser erbricht seinen Ekel
weint seine Trauer
ruft seinen Zorn in die Nacht

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