Therapeutisches Schreiben

von Antonia Löschner
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Schreiben ist ein guter Weg,
sitzend auf des Lebens Steg,
blickend über die Weiten der Welt,
prüfend, wie es dabei gefällt,
das eigene Selbst im Hier zu verorten
mit gar wundersamen Worten.

Dies haben auch jene Menschen entdeckt,
welche, durch koloniale Erfahrung erschreckt,
beschließen, sich schreibend aufzumachen,
Paroli zu bieten dem Kolonialdrachen,
indem sie über ihre Weltsicht berichten,
fiktional oder in realen Geschichten,
lyrisch oder auf prosaische Weise,
tosend und brausend oder ganz leise,
mit Rückgriff auf gefühltes Wissen,
beschreibend, was sie hier vermissen.

In einer Welt, die ihre Ahnen nicht kannten,
ohne Geister und Tierseelenverwandten,
sie schreibend vermögen, ihr Selbst zu regenerieren,
um wiederzubeleben dies alte Vibrieren
der Stärke einer verflochtenen, allumfassenden Welt,
wo der Kosmos mit dem Selbst zusammenfällt.

Erweitertes Korrektorat: Hagen Schied

Veröffentlicht / Quelle: 
Forschungspoesie: Gedichte über das Menschsein (2018)
Foto by Magdalena Löschner

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