Das Labyrinth

von Jürgen Wagner
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Man tritt herein
und ist beglückt
ist fasziniert,
sogar entzückt
Man läuft
und fährt
und macht
und schafft
kommt bis zur Mitte
rot entfacht
Wo soll man hin?
Wo ist ein Ziel?
Das käm drauf an,
was man denn will!

Vielleicht will man einmal heraus
und Ruhe finden in dem Haus
Dem Räderwerk einmal entflieh'n
Nur fröhlich seiner Straße zieh'n
Die Menschen finden und anschau'n
Den Garten hegen und bebau'n

2016

Labyrinth © Inge Hoppe-Grabinger mfE.
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Kommentare

Jolanthe
20. Dez 2016

Sprachlich großartig: wie im ersten Teil das hektische Bemühen ausgedrückt ist, zum Zentrum, zum Kern vorzustoßen und wie im zweiten Teil auch der Sprachrhythmus zur Ruhe kommt!

Lange Zeit hab ich VIEL getan, um erleuchtet zu werden. Damals sagte mir eine alte Freundin: "Ach weißt du, ich will da eigentlich gar nichts mehr." Arrgoant urteilte ich von oben herab: "Bescheiden, sehr bescheiden.!" Doch wie Recht hatte sie - und genau das drückt auch dieses Gedicht aus: Es genügt, fröhlich seinen Lebensgarten zu bestellen und offen für die Menschen um uns zu sein.

Danke für dieses Gedicht! Es hat mir wohl getan!
Jolanthe

20. Dez 2016

Erleuchtung ist im Westen kein so beliebtes Wort, weil es uns etwas fast Absolutes und Unerreichbares vor Augen stellt. In der Sache geht es darum, dass man seinen Konditionierungen mal entkommt, das ewige Karussell von Wünschen und Begehren, Sorgen und Ängsten, Vorstellungen und Ansprüche einmal verlässt. Aber das ist eben das Karussell (oder Labyrinth) des Lebens, wie es sich im Lauf von ca. 4 Milliarden Jahren auf der Erde entwickelt hat. Das gilt es auch anzunehmen und zu leben. Wenn man aber im Labyrinth innehält, das Karussell mal eine kurze Pause macht, hat man die Chance zu erkennen. Das meint man eigentlich mit Erleuchtung: dass in der Stille, in einem ruhigen Geist sich die Dinge offenbaren und Lasten von einem abfallen, weil man bestimmte Dinge dann nicht mehr braucht oder nicht mehr lebt. Es gibt auch spontane Erfahrungen, wenn einem blitzartig etwas klar oder man von seiner Last erlöst wird. Das gehört alles in diesen Bereich, den jeder kennt, aber meist bleibt es unbewusst. Wir spüren es meist erst, wenn wir wieder wie der Hamster im Rad laufen, dass etwas nötig ist. Danke für die hilfreichen und praktischen Gedanken! Jürgen Wagner

Jolanthe
20. Dez 2016

Sehr herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Erläuterungen!

Doch ist dieses Abfallen der Lasten und sind Augenblicke der Erleuchtung wohl leider kein Besitz für immer. Mir fiel dazu die Geschichte ein, wo Jesus mit seinen Jüngern auf einem Berg der Verklärung ist, auf dem sie so gerne bleiben und Hütten bauen würden. doch genau das geht nicht, sie müssen wieder zurück. Sie kennen die Stelle besser als ich.

Kann man Gipfelerfahrungen nicht auch wieder verlieren? Oder, im Bilde gesprochen, müssen wir nicht immer wieder auf den Berg steigen?

Sie haben nun drei Labyrinthgedichte geschrieben, jedes mag ich, doch dieses besonders. Auch Ihnen viele Augenblicke der Ruhe! Jolanthe

21. Dez 2016

Normalerweise ist das so, wie Sie schreiben. Wenn einem mal Lasten abfallen, werden sie meist schnell wieder ersetzt. Da braucht man sich keine Sorgen machen. Anders ist es, wenn man durch einen Tod hindurchgegangen ist. Da ist dann meistens wirklich etwas gegangen, das in der Weise nicht mehr zurückkommt. Das ist, wie wenn man einmal wirkliche Not und Bedrängnis erlebt hat und sich dann nicht mehr aufregen kann, wenn es an einem Tag mal regnet oder die Tageszeitung nicht im Briefkasten liegt oder oder ... Danke für all die hilfreichen Kommentare! JW