Zum ersten Geburtstag

von Corinna Herntier
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Lieber Fratz, noch bist du klein,
doch du wirst es nicht lang‘ sein.
Die Jahre zieh'n so schnell ins Land
und dabei lernst du allerhand.

Nun, ich hoff' zu allermeist,
dass du froh und gut gedeihst,
dass du, wie es sich gehört
fröhlich schreist, selbst wenn es stört.

Auch, dass du Blumenerde mampfst
und Kekse mit dem Fuß zerstampfst.
Lernst, wie man mit Feingefühl
Kerben ritzt in das Gestühl
oder prüfst, wie toll es klingt,
wenn Mamas Porzellan zerspringt.

Und du darfst eines nicht vergessen:
Gern und oft Rosinen zu essen,
die man, wenn das Aug' geschult,
treffsicher aus dem Kuchen pult!

Ja, du wirst noch viel erproben.
Viel begreifen und erfassen.
Es folgt schimpfen, es folgt loben,
manche Strafe wird erlassen.

Mögen deine Tage immer voller Abenteuer stecken,
jedes Blatt und jede Blume deine Neugier gleich erwecken!
Sei's ein Käfer, eine Fliege oder sonst ein Krabbeltier,
schau sie an, doch lass' sie leben - und iss sie nicht - das rat' ich dir!

Auch solltest du es unterlassen, rohe Eier zu zertreten,
oder aus der guten Butter kleine Kunstwerke zu kneten!
Das bringt doch nur Scherereien,
Schimpfe, Ärger oder Schreien.

So, das wollte ich dir sagen,
heut' nach deinem ersten Jahr.
Freu' dich, Spatz, und wisse immer:
Du bist wirklich wunderbar!

C. Herntier 1988 (damals für meinen Neffen verfasst)

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Kommentare

21. Sep 2015

Ist auch der Neffe nicht mehr klein:
Dies Gedicht blieb jung. Und fein!

LG Axel

21. Sep 2015

Vielen Dank, liebe Angélique und lieber Axel.
Der "Kleine" misst (er aß viel Feta)
inzwischen tatsächlich zwei Meter!

Viele Grüße,
Corinna

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