Ich habe den Schlüssel verloren ...

von Annelie Kelch
Mitglied

Ich habe den Schlüssel zur Pforte
deines Herzens verloren;
der Riegel lässt sich nicht öffnen …
Eine Sprengung kommt nicht in Frage

Du hast aus Beton eine Mauer
zwischen uns gezogen
Ich mache dir keinen Vorwurf, mein Lieb' …
reiße mir nur am Stacheldraht oben
die Hände wund, das bin ich gewohnt …

Meine Seele ist gebaut wie ein Deich,
daran sämtliche Stürme scheitern;
Ich habe Erinnerungen an eine glückliche Zeit,
wunderschön, zumindest, was dich betraf

Ich trage wieder das Büßergewand -
aus jenem Stoff, daraus man Säcke schneidert;
es schlabbert um meinen Körper,
seit ich kein Weißbrot mehr esse

Der Sommer umgarnt die Menschen
mit Wärme; deine Kälte konserviert
mich - vermutlich bis ins hohe Alter.

Ich kenne das Schwellenwort nicht ...
Die Nacht legt sich über den Torweg
In meinem Herzen läuten traurige Glocken,
sobald ich an dich denke

geschrieben heute, 23.07.2017

Quelle: pixabay
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Kommentare

23. Jul 2017

Manche Menschen bauen Mauern
davor muss man in Kälte kauern.

LG Micha

23. Jul 2017

Dank, lieber Micha, dir, für deinen Kommentar:
Auch du kennst Mauern, hast davor gesessen
oder auch dahinter, wie man 's nimmt und an
sich selber wohl erfahren hat.
Viel schöner aber ist es ohne Mauern:
Nicht nur für Bonzen, sondern auch für Bauern.

Liebe Grüße, Annelie

23. Jul 2017

Sehr gutes Gedicht, Annelie, es berührt mich und erinnert mich zugleich an selbst Erlebtes - und das Foto passt genau.

Liebe Grüße - Marie

23. Jul 2017

O Gott, arme Marie, heldenhafte, dann hast du ja auch schon eine Menge durchgestanden. Hoffentlich hat sich bei dir alles zum Guten gewendet, da du ja - wie auch ich - nur das Gute willst.

Liebe Grüße,
Annelie

24. Jul 2017

Ein ergreifendes Gedicht, liebe Annelie und ich denke, so manch einer findet sich darin wieder.

Liebe Grüße aus einem verregneten Marienthal
Soléa

24. Jul 2017

Liebe Soléa, danke für deinen Kommentar; ich wünsche es niemandem, aber es ist ein Trost, dass ich damit offenbar nicht ganz alleine bin. Weshalb bist du in Marienthal jetzt - und nicht zu Hause?- Meine Geographiekenntnisse haben sich zwar im Laufe der Zeit ganz enorm verbessert - meinen Atlas müsste ich jetzt auf Zehenspitzen erst rauswühlen - und es ist nicht sicher, ob mir das auf Anhieb gelingen würde ...

Liebe Grüße - heute mal aus einem sonnigen Lübeck,
Annelie

25. Jul 2017

Wühl und krabble nicht rum, liebe Annelie! Ich bin zu Hause, in Marientahl (FR)

Herzliche Grüße
Soléa

25. Jul 2017

Danke, liebe Soléa, das schaue ich nachher mal im Atlas nach; dann weiß ich, wo du zu Hause bist und ob ich in der Gegend schon einmal war.

Liebe Grüße,
Annelie

24. Jul 2017

Liebe Annelie, es sind so viele Stellen, die mich tief ergreifen. Die Kälte, die bis ins hohe Alter konserviert. Die Mauern als Sinnbild fürs Abschotten. Erinnerung an schöne Zeiten, die wie ein Schutzschild vor sie Seele treten, sie in ihrerer Unzerstörbarkeit zu unterstützen. Und dann das Büßergewand. Ich denke, es ist vor allem das Büßergewand das mich so tief berührt. So oft sucht man die "Schuld" bei sich. Immer dieses Gedankenkreisen: was hätte ICH anders machen können, oder wie müsste ICH anders sein , damit DU dich nicht so entwickelt hättest in unserer Beziehung. Man hinterfragt sich selbst und sein eigenes Verhalten, man sieht plötzlich so viele Fehler an sich selbst und natürlich liegt es an einem selbst, wenn der andere einem entglitt. Ja. Das rührt mich am meisten. Ist das Büßergewand frauentypisch, oder geht es am Ende jedem so, es an einem bestimmten Punkt des Weges zu tragen?

Die traurigen Glocken, die im Herzen läuten, trotz Sonnenschein da draußen, kann ich gut nachvollziehen. Bitte denk rasch an wunderschöne lila-blaue Glockenblumen, dann zieht Wärme ein..
Ein tolles Gedicht und du hast ein tolles passendes Bild dazu ausgesucht.
Ganz liebe Grüße von
Anouk

25. Jul 2017

Liebste Anouk, herzlichen Dank für dein tolles Lob. Du bist sehr, sehr einfühlsam. Ich möchte dir gerne mehr darüber schreiben - möglicherweise später einmal und nicht öffentlich. Aber soviel sollst du erfahren: Es handelt sich bei meinem Schmerz nicht um eine Liebesbeziehung. Das hätte ich, glaube ich, besser verkraftet. - Und ich weiß auch, was ich hätte besser machen müssen. - Aber nun zu dir: Ich wollte ja schon immer gern ein Buch von dir lesen. Es wäre ganz lieb, würdest du mir jenes nennen, von dem du glaubst, dass es dir am besten gelungen ist. Dann kann ich es unter "Mitglieder"(ich denke, dort sind die Bücher aufgelistet) bestellen - und unsere Leser erfahren so auch davon (von deinem besten Buch).

Ganz liebe Grüße zu dir,
Annelie

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