Niemand wird mehr vermisst ...

von Annelie Kelch
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Wie herrlich funkeln unsere Meere im Sommerlicht!
Und nachts rauscht in den Muscheln das Blut des Mondes
Wie meine Sehnsucht nach dir in nächtlichen Träumen.

Unter tausend silbernen Perlen fand ich dich und tauchte
Hinab – nach dorthin, wo sich Blumentiere das Wasser reichen …
O heilige Korallen, in Rosenkränzen gebettet,
Hort und sicherer Hafen der Meereskindlein! –

Unendliche Meere … auch die Zeit ist ein Meer ... voller Stunden.

Auch die Zeit ist ein Meer, darin ich mich freischwimmen
Musste von den Mysterien der Kindheit, von Vorurteilen und
Irrtümern, die Spatzen ihrer Brut in die Schnäbelchen stopfen.

… freischwimmen – von jenen, die sich verleugnen, weil sie sich
Selbst nicht über den Weg trauen und stagnieren; denn in jedem
Wachstum wohnt ein Risiko, ein Geist, der zittert, eine nicht zu
Enträtselnde Träne aus Gold, ein Gott, der betet ... es möge
Gelingen, was Fortschritt bedeutet.

Was Fortschritt bedeutet … Früchte – in die Gärten all jener
Fallend, die Hunger leiden und nicht allein danach dürsten.
Stunden, gefüllt mit bedachten Worten, niedergeschrieben mit
Der Leidenschaft unserer Herzen.

Fortschritt: Sofern wir uns erfreuen könnten an dieser Welt und
Uns ins Bewusstsein riefen, wie zerbrechlich sie ist … zerbrechlich …
Wie eine Kinderseele, im Trauma erblindet, wie die Seele eines
Hilflosen Tieres, dem der Mensch kein Freund sein will … wie meine
Seele drei Stunden nach Mitternacht.

Von den Feldern ertönte ein Jubelgesang: Gut war die Ernte,
Die Saat von keinem Giftkorn gestreift. Und über den Wiesen
Summten Bienen & Co.: Wir sind wieder vollzählig; niemand
Wird mehr vermisst.

Korallen und Korallenäste wurden schon in der Antike für Amulette verwendet. Sie galten als Schutz gegen Krankheiten, Blitzschlag und Misswuchs. Sie waren im alten Ägypten der Isis und in Rom der Venus heilig. Rosenkränze aus Korallen („Paternosterkrallen“) waren im Nachmittelalter sehr beliebt. Im italienischen Volksglauben schützen Korallen Kinder gegen Unheil. Daher findet man auch viele Darstellungen des Jesuskinds mit Korallenkette und Halsband mit Korallenast. In der Profanikonographie ist die Korallenkette ein Attribut der Kindheit geworden. In der Erzählung „Der Leviathan“ von Joseph Roth spielt die Koralle eine zentrale symbolische Rolle. Viele Fische nutzen die Korallenriffe als Kinderstube. Quelle: Wikiwand

Foto: pixabay; copyright: anne li
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Interne Verweise

Kommentare

23. Jul 2018

„die Zeit ist ein Meer, darin ich mich freischwimmen musste von den Mysterien der Kindheit“ – ein weiteres großartiges, tief schürfenden Anne Li Gedicht, für das ich Dir danke, das mich begleiten wird an diesem Tag …

liebe Grüße - Marie

23. Jul 2018

Danke, liebe Marie, für Deinen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe. Es kostet ja auch so viel Zeit, sich von Mysterien, die in der Kindheit oft bedrohlich daherkommen, freizuschwimmen, sich davon zu lösen. Zeit, die man erfüllter, besser, hätte verbringen können. Deshalb wünsche ich allen Kindern, dass nie etwas Dunkels, etwas zu Rätselhaftes in ihrer Kindheit geschieht. Man muss sie unbedingt beschützen vor Dingen, die sie noch nicht verstehen können.

Liebe Grüße,
Annelie

23. Jul 2018

Liebe Annelie, wunderschön und mit so viel weisen Worten , Gedanken und wunderbaren Bildern! "Und nachts rauscht in den Muscheln das Blut des Mondes" ,wie wunderschön ist das. Und du teilst meine Faszination für Korallen!
Hast du auch "Die Geschichte der Bienen" gelesen?
Wie schön wäre die Erde, wenn niemand mehr vermisst wird...
Danke fürs wunderbare Gedicht! Ich werde es noch mehrfach lesen,
Liebe Grüße
Anouk

23. Jul 2018

Liebe Anouk, danke für Deinen schönen Kommentar. Nein, "Die Geschichte der Bienen" habe ich leider noch nicht gelesen; aber das werde ich nachholen. Ich hoffe, dass ich gleich im Internet einen Hinweis dahingehend finde. In meinem Gedicht meinte ich mit "... es wird niemand mehr vermisst ..." "die Arten", denn erst gestern wieder las ich einen Artikel über das Aussterben unserer Bienen und Insekten, der alarmierend ist. Noch schöner wäre es allerdings, kein Mensch würde mehr vermisst, und es ist schrecklich und fast unglaublich, dass so viele Flüchtlinge während ihrer Flucht übers Meer ertrinken mussten, weil niemand sie aufnehmen wollte.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie

23. Jul 2018

Niemand will dich vermissen... einer meiner Lieblingstexte aus dem Werk einer Band die
ich hier lieber nicht nennen möchte.
Die Vergiftung der Erde wird durch die Behoerden der jeweiligen Staaten abgesegnet
und geschützt. Scheinbar haben sie genug Geld ergaunert, das ihre Kinder in Bio/Märkten fuer Reiche
einkaufen. Aber die sind auch einmal dran...

LG. Waldeck

23. Jul 2018

Ja, lieber Waldeck. Ich sah kürzlich ein Video, das darüber aufklärte (das war das einzig Gute an der Sache), wie Glyphosat, das von allen Pflanzenteilen aufgenommen wird, Ernten nicht nur enorm steigert, sondern auch das Getreide verseucht. Es wurde dringendst angeraten, teurere Produkte zu kaufen (z.B. Brot), dafür weniger. Das ist das Fazit für die Bevölkerung: Die Armen (darunter Kinder und alte Leute), die sich teurere Produkte nicht leisten können, müssen gesundheitsschädigende Produkte in Kauf nehmen. Das kann meines Erachtens nicht die Lösung sein. Aber man ist ja schon froh, dass man wenigstens schonungslos aufgeklärt wird.

LG Annelie