Triebfeder

Bild von Johanna Blau
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Was hab ich mir selbst verbaut,
Durch verfehlte Taten?
Allein wird immer wieder zugeschaut.
Könnte stattdessen jetzt knie-hoch im Liebesglück waten.

Was fehlt, ist nicht die Fülle der Gefühle,
Hab in meinem Garten zu oft Pflanzen umgepflügt,
Die Blüten trugen alle meine Züge.
Durch Zögern waren sie nur allzu bald verblüht.

Was ist das große Ganze, das ich suche,
Das mich so einsam scheinen lässt?
Ich finde Antworten in jedem Buche,
Und fühl mich lesend als der letzte Rest.

Bin ich so anders und das so sichtbar?
Ich fühl mich unwohl in meinen Lieblingshosen.
Würze scheint für mich Gefahr.
Rühr in so manchen faden Saucen.

Es ist, als ob es mich zerreibt.
So ich meiner Seele unbekannte Wege zeig‘,
Sich hier und da ein Gedanke abzweigt:
Bei der Suche nach Erkenntnis verhungert mein Leib.

Hunger ist da nach dem Gesehen werden,
Rastloses Suchen nach Verständigung,
Tiefe Sehnsucht nach dem kleinen Sterben,
In seliger Vereinigung.

Mein Kopf kennt keine Rast,
Das Sinnieren ist mir Last.
Die Hoffnung trauert in einem Palast,
Der kluge Worte und Überlegungen umfasst.

Noch sitze ich und reflektiere.
Eine Madonna ohne Kind auf Marmorpodest.
Und wie ich da so einsam vor mich hin frittiere.
Schwebt vor mir dieser noch unbestandene Test.

Wollust wohl nennt sich meine Sünde.
Will sie kennen die süßesten Wonnen.
Die Schlange, die sich um mich winde,
Heiße ich willkommen.

JB-07-2019

Johanna Blau

Rezitation:

Rezitation: Johanna Blau, 5.9.2019
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Kommentare

25. Jul 2019

Oft steckt man fest so, im Konflikt -
Geschickt hast Du es ausgedrückt!

LG Axel