Vincents Schlafzimmer in Arles (Saint-Rémy, 1889); vergeblich sucht man sein Ohr

von Annelie Kelch
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Dies, von hölzernem Braun, ist sein Bett,
dies sein Toilettentisch vor bleu getünchter Wand -
Wasserkrug blaut in blauer Schüssel,
hier sein Sonnenfenster: zweiflügelig
grüngerahmt, angelehnt nur -
daneben ein Spiegel, schwarz gefasst,
Fußboden grün und beige: kein Laminat.

Eigenes an den Wänden überm Bett:
Landschaft, Selbstporträt - zwei Skizzen
undefinierbaren Inhalts in Gelb.

Handtuch mit rotem Streifen am Nagel
neben dem Stuhl vor blau gestrichener Tür
gegenüber dem Bett.

Stühle insgesamt zwei,
Sitze aus Korbgeflecht, einer
zwischen Schlafstatt und Waschtisch,
schräg gestellt, dem Bett zugewandt.
Kissen, zwei (wer schlief noch dort? - Paul Gauguin?),
indes ein Deckbett nur – leuchtet in hellem Rot.

An einer Holzleiste zwischen Wand und Bett:
drei, vier Joppen aus blauem Drillich,
teilweise übereinander gehängt.
Vom vierten Haken an der Holzleiste grüsst
sein brauner Hut, dessen Krempe
das Kopfende seiner Bettstatt berührt.

Vergeblich sucht man Vincents Ohr:
Das blutet Rachels Hand.

Günter Eichs Gedicht "Inventur" nachempfunden

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Kommentare

24. Dez 2016

Danke, lieber Axel,

auch KRAUSE kam ja heut' schon mannigfach zu Wort,
bereichert dieses schöne Portal mit Mutterwitz immerfort.
Drum sei auch ihr viel tausend Mal gedankt,
egal, ob sie nun grad' mal putzt oder wankt. -

LG Annelie