Selbstgespräch-Selbstportrait

von Volker Harmgardt
Mitglied

Liebe,
irdisches Wort,
bist verweht im rauschenden
Sturm.

Trost,
kluge Hoffnung bei Tag
und Nacht, von Regenschauern
durchzogen.

Einsamkeit,
gehuldigte Schattengründe,
gehst mit dem Mond
in die Finsternis.

Heimat,
das Immer- und Ewigland,
fällst in die bewährte Hölle,
wo wohnt die Erde.

Sprache,
von Geist zu Geist,
lahmende Gedichte,
wortlos.

Zweifel,
an Grün, an Blau, an Rot,
Worte und Bilder
auf die Palette gepresst.

Kranz,
geflochten zur Augenweide,
begreiflicher Kristall
in der Spielkiste.

Spur,
unendliche Weite,
Hände zum Traum ausgestreckt,
die Haut zu eng.

Regen,
unter dem Baum der Findling,
das Glück der lautlosen Last
rieselt dahin.

Abschied,
ins Nichts, in die Leere,
das Geheimnis liegt im Grab
der Sprache.

Hunger,
das Leben zu leben,
den Apfel zu beißen,
die Hand zu reichen.

Jahre
und eine Nacht,
die vielen Gedanken springen
über die Barriere.

Erinnerung,
Mutterboden trägt schwarz,
in`s Himmelstuch gelegt,
die Sterne.

Atem,
ausgehaucht, fröstelnd und zitternd,
peitscht das Meer in die Augen,
wie immer: Tränen.

(C) Volker Harmgardt
1966

(C) VH - Weit ist der Weg ins L e b e n !!!
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Interne Verweise

Kommentare

27. Feb 2017

Hallo, Volker,

ich hoffe, du hast dich in der Zwischenzeit zwar nicht an jenes Leben gewöhnt, das du so unglaublich sensibel beschreibst, jedoch damit abgefunden, wie es ist, wie es sein kann, und dass es dir jetzt viel, viel besser geht.

Liebe Grüße
Annelie

27. Feb 2017

Weit ist der Weg ... das hast du schon als Junger geahnt, gedichtet. Könnte auch einfach "Leben" heißen. Gefällt mir.
Liebe Grüße Marie

27. Feb 2017

Und das Bild unterstreicht jedes Wort!
Liebe Grüße
Soléa

28. Feb 2017

Liebe Annelie, vorab einen herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Diese Verse sind damals im Entwurf 1966 am Rande der "Volljährigkeitsgrenze" entstanden. Man wollte ja endlich die "18" erreichen, wobei zu meiner Zeit die "21" angesagt war. Mit allen Tiefen und Höhen im Leben, so oder ähnlich macht sicherlich jeder mal Bekanntschaft mit der rauhen Wirklichkeit und fragt sich nach dem (Un)-Sinn des Lebens. Und das in Worte fassen war meine Intention. Rose Ausländer hat seinerzeit geschrieben: Hörst du die Klagelieder, die der Dichter weint ! Nun, ewig klagen hilft nicht, es gilt das Leben anzupacken, in die Hand zu nehmen und zu leben !!!
Mir geht es gut, bei 5 eigenen Kindern
und 8 Enkelkindern. Das ist Bandenbildung.
Ich grüße Dich und habe noch einen schönen Tag,
Volker

28. Feb 2017

Merci Marie, alles ist gut, so wie es ist ! Das Leben ist im Prinzip relativ einfach zu gestalten, wenn Frieden, Licht und Liebe in der Nähe sind ! So lebe ich. Herzliche Grüße, Volker

28. Feb 2017

Gell Solea, ein Bild sagt manchmal mehr als Worte ! Wenn beide zusammen passen ist das eine wunderbare Kombination. Ein Lebensmotto von mir: Man muss den Weg zu sich selbst finden.......! Und das beschreiben, fotografieren oder malen können ist eine
tolle Begabung, ein Talent. So sehe ich Deine Texte immer wieder gerne.
Herzlichst, Volker

28. Feb 2017

Toll! Ein bilderreicher Kosmos. Wunderbare Sprachmalerei. Hab ich genossen.
LG Monika

28. Feb 2017

Hallo Monika,
um 1966 hatte ich schon eine Menge Texte produziert und über den Kontakt zu Rolf Dieter Brinkmann war schnell ein renommierter Verlag gefunden, der alles prüfte und drucken wollte. Aber und jetzt kommt die andere Seite der Medaille, das Lektorat wollte keine finanzielle Anerkennung zahlen. Freunde und Familie (mit Anwalt) haben mir von dem Deal abgeraten und so ist alles bei mir druckreif in unterster Schublade gelandet. Langsam krame ich einiges wieder heraus, lese es, natürlich sehr gerne die Korrekturfähnchen mit Begleitkommentaren und noch heute muss ich herzhaft über meine Jungspundschriftstellerei lachen und
werde bei bestimmten Versen nachdenklich !!! Das als kurzer Abriss meiner Lit-Biografie, die aber weiter ging. Nun möchte ich Dich nicht überstrapazieren und bedanke mich für Deinen kurzen Kommentar. In der Kürze, sage ich immer, liegt die Würze und das stimmt.
LG Volker

13. Dez 2017

Ein Hauch von Vergangenheit schwebt über Allem
und endet niemals.........!
Gruß Volker