erloschen

von Manfred Peringer
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wenn der stapel der alten zeitungen zu hoch wird
das herbstlaub vorm fenster flammend leuchtet
weißt du das leben ist nur eine leihgabe ferner hügel

dabei nichts tun als deine hand zu halten die sich anfühlt
wie rohe seide beim blick in deinen augengrund sehe ich
einen vogel der unruhig darauf wartet auszufliegen

ich lausche dem sehnsuchtsgesang seiner todeselegie
bis die stunde gekommen ist die zeit endgültig erlischt
wie das letzte von ast zu ast hüpfende elmsfeuer

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Kommentare

28. Feb 2019

Sehr traurig und sehr schön, lieber Manfred, das leise, hervorragende Gedicht eines erfolgreichen Lyrikers. Du schreibst wie ein Profi, aber man merkt es gottlob nicht.

LG Annelie

28. Feb 2019

Hallo Annelie,
ich war diese Tage auf der Beerdigung meiner letzten Tante und mir sind dabei die Momente am Sterbebett meiner Frau wieder vor Augen gekommen. Die Vorstellung, dass die Seele wie ein Vogel in die Freiheit fliegt ist mir ein versöhnliches Bild geblieben.
Danke für die Wertschätzung und LG
Manfred

28. Feb 2019

Schön, dass Deine verstorbene Frau in Deiner Erinnerung lebt, als sei sie noch lebendig - und dass wir daran teilhaben dürfen.

LG Annelie

28. Feb 2019

Deine Zeilen sind sehr berührend, lieber Manfred.
Melancholisch und dennoch wunderschön, erklingen sie wie ein trauriges Liebeslied, das unter die Haut geht und zu Tränen rührt.
Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist die härteste Probe, auf die uns das Leben stellen kann.
Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber manchmal sorgt sie dafür, dass wir lernen, mit ihnen zu leben.

Alles Liebe
Ella