Wir bauen mit zitternden Händen

von Rainer Maria Rilke
Aus der Bibliothek

Wir bauen an dir mit zitternden Händen
und wir türmen Atom auf Atom.
Aber wer kann dich vollenden,
du Dom.

Was ist Rom?
Es zerfällt.
Was ist die Welt?
Sie wird zerschlagen
eh deine Türme Kuppeln tragen,
eh aus Meilen von Mosaik
deine strahlende Stirne stieg.

Aber manchmal im Traum
kann ich deinen Raum
überschaun,
tief vom Beginne
bis zu des Daches goldenem Grate.

Und ich seh: meine Sinne
bilden und baun
die letzten Zierate.

Das Stunden-Buch ist der Titel eines Gedichtzyklus von Rainer Maria Rilke. Die 1899 bis 1903 in drei Teilen entstandene, erst 1905 im Insel Verlag in Leipzig veröffentlichte Sammlung gehört mit ihrem träumerisch-melodischen Ausdruck und der neuromantischen Stimmung neben dem Cornet zum wichtigsten Teil seines Frühwerks.

Veröffentlicht / Quelle: 
Das Stundenbuch; Erstes Buch - Das Buch vom mönchischen Leben (1899)

Buchempfehlung:

895 Seiten / Gebundene Ausgabe
EUR 20,00

Interne Verweise

Kommentare

31. Jul 2017

Genau so. wie ich es auch meine,
bin Gott sei Dank nicht ganz alleine.
Den RILKE muss man Online lesen,
er ist halt ein besonderes Wesen!
Was andere mit zitternden Händen bauen,
genießen sehr viel Selbstvertrauen !
Es stünde uns besonders an,
auch dies zu tun, und der es kann !

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