Ein leises Staunen

von Yvonne Zoll
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Still öffnen sich mondverhangene Flügelrücken
um zögernd im sonnezaubern innezuhalten wie
frostend Sorgen erzittern in klarem Entzücken

umher sie geflattert wie kreisförmige Schlingen
Umwandern sie uns nie ungedachte Gedanken
erinnerter Erneuerung in Jahresringen

zu Mengen enthaltener Anmut sie verschwelen
um in lau herbstfarbenen Kelchen gelagerter
Schmetterlingstränen nie eingegraben zu perlen

Im unerfüllenden Sehnen tief Wahres bindend
Unsättigende Speise umwogen im Genuss
Einer unsäglich scheu Verrinnenden empfindend

Oh erfühle die zartblasse Schimmerschlichtweise
Erfüllend auch jenes nachtsturmverdunkelte Sein
Und nur jene die spüren lass staunen sie leise

Gewidmet all jenen, die eine besondere Empfänglichkeit für die Zwischentöne des Lebens und Schreibens haben :)!!

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Kommentare

29. Sep 2018

Die erste Strophe, liebe Yvonne, ist ein einsamer Hit, sprich atemberaubend schön und rührt die Seele. Nie ungedachte Gedanken, erinnernd erneut in Jahresringen ... in Schmetterlingstränen nie ungegraben zu perlen ... gefällt mir sehr, desgleichen das nachtsturmverdunkelte Sein ... scheu verrinnend im Staunen - auch über dieses wunderbare Gedicht. Diesmal hätte es Deiner hilfreichen Erklärungen gar nicht bedurft. Und hinter dem kleinen Tal auf Deinem Foto zeigt sich, unendlich scheu, das bald weißblass Verrinnende.

Danke, dass Du trotz Deiner zahlreichen Aufgaben noch Zeit gefunden hast,
uns einen literarischen Kick zu verschaffen.

Liebe Grüße,
Annelie

29. Sep 2018

Just heute morgen zwischen Tür und Angel kam der letzte Schliff
schlich sich in Schleifen wie der Sonnennebel klärend durch den Kopf
Vielen herzlichen Dank wieder einmal für deine poetischen Worte!

LG Yvonne

29. Sep 2018

Stimmungen intuitiv zu spüren zu vernehmen! Ein sehr schöner Gedanke, den Du auf Reisen schickst!

Ist in Tunesien angekommen.

LG

Jürgen

30. Sep 2018

In Deine Gedichte spüre ich mich gerne ein, so auch in dieses, Yvonne, interpretieren kann und will ich nicht, ähnlich ist es, wenn ich vor einem abstrakten Bild stehe, das mich anspricht, besonders nah kommen mir grade Deine „in lau herbstfarbenen Kelchen gelagerten Schmetterlingstränen“ …

liebe Grüße - Marie

30. Sep 2018

Das ist mir auch das Wichtigste am Gedicht und trotz des Interpretieren-Müssens in der Schule versuche ich immer wieder, gerade auch diesen besonderen Genuss weiterzugeben, sich tragen zu lassen, Stimmungen zu erspüren - das ist doch das, was gerade Lyrik in ganz besonderer Weise vollbringt - und es gibt nicht "die-richtige-Interpretation", denn wo das Gefühl im Spiel ist, muss auch Interpretation individuell sein und bleiben, zu welchen interessant-schönen Folgen das führen kann, beweist mir immer wieder Annelie :) - auch dass dich die Schmetterlingstränen ganz besonders ansprechen, wundert mich nicht, sind entsprechende Wesen doch letztendlich in Auseinandersetzung mit deinem entsprechenden Gedicht hinüber zu mir geflattert und haben in meinem Kopf diese sanft-perlende Schlingenschnur in kreisenden Gedanken hinterlegt, der ich hier hinterher zu spüren versuchte...

Liebe Grüße in den gnadenlos blaustrahlenden buntgefärbten Herbstsonntag - Yvonne

30. Sep 2018

So oft machst du mich sprachlos und schickst mich auf Reisen und es freut mich so zu schauen und zu staunen.

Vielen Dank
Eva

02. Okt 2018

Und ich danke dir, liebe Eva!
Auch deine Schriften
berühren mich...

LG Yvonne